Juden in Pirna

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1

Juden und ihre Rechtslage in Sachsen

Erste Nachrichten von Juden in Pirna.

Frühe jüdische Ansiedlung in Pirna

Früher Antisemitismus in Sachsen und in Pirna

Die zwei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg

Schwierigkeiten des Lebens in einer kleinen Stadt

Zwischen erstem Weltkrieg und Hitlerfaschismus

Als die Nazis die Macht übernahmen

Der Judenpogrom vom November 1938 in Pirna

Vertreibung

Pirna und die "Endlösung der Judenfrage"

Zwei finden nach 1945 nach Pirna zurück: Alfred Cohn und Max Tabaschnik

Schluss

Teil 2

Max Tabaschnik, Königstein

Ilse Fischer, geb. Engler: Mein kleines, unwichtiges Leben

Esra Jurmann, Dresden - Riga - Stutthof

3.Teil Anhang

Juden in der AHM Pirna

Juden in Pirna, geordnet nach Zeitpunkt des Zuzugs

Verstoß gegen das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. September 1935“

   

Pirna 1996

ã by Hugo Jensch.


Vorwort

 

Diese Schrift versucht eine Annäherung an Leben und Leid jüdischer Menschen in und aus Pirna. Was über Juden in unserer Stadt zu erfahren war, stammt weitgehend aus amtlichen Quellen, die sich im Stadtarchiv über sehr wechselvolle Zeiten oft nur zufällig erhielten, denn der Hitlerstaat betrieb in seiner Endphase massenhafte Aktenvernichtung. Was sich erhielt, ist nur der blasse Widerschein wirklichen Lebens. Was wissen schon amtliche Dokumente und Schriftstücke von der ganzen Vielfalt menschlicher Beziehungen. So ist die Suche nach Spuren jüdischen Lebens, das es in unserer Stadt einst gab, mehr ein Vorantasten als ein Schöpfen aus einer Vielzahl von authentischen Zeugnissen.

Gerade weil die Quellen nur spärlich fließen, war auch eine eher dokumentarische Darstellung angezeigt. Schlussfolgerungen schienen nur ratsam, wo hinreichend aufschlussreiches Material vorlag. Der Verfasser möchte vor allem jene primären Zeugnisse sprechen lassen, die uns überliefert sind. Drei Erlebnisberichte künden von ganz unterschiedlichen Erfahrungen der Betroffenen: von Konzentrationslager, Ghetto und Überleben in der Illegalität.

Pirna gehört nicht zu den Städten mit eigener jüdischer Gemeinde. Die Zahl gleichzeitig in der Stadt lebender jüdischer Familien überschritt zu keiner Zeit 12 bis höchstens 15. Dieser Umstand macht es möglich, konkreten Familienschicksalen nachzugehen, was historische Vorgänge sicher sinnfälliger werden lässt.

Dabei öffnet sich uns das ganze Spektrum systematisch betriebener barbarischer Rassenpolitik des Hitlerfaschismus: wie Juden verunglimpft, entwürdigt, ausgegrenzt, beraubt, enteignet, ausgetrieben und vernichtet wurden.

Nun lebten jene, von denen zu berichten sein wird, mitten "unter uns". Sie hatten als Kaufleute viele Kunden. Sie fanden Bekannte und sicher auch Freunde. 30 ihrer Kinder wurden in Pirna geboren, mehr als 30 gingen hier zur Schule. Einzelne Kontakte zwischen ehemaligen Mitschülern hielten sich bis heute. So fragt man sich immer wieder: Wie war es möglich, dass so viele, die meisten, nach 1933 angesichts dessen, was jüdischen Mitbürgern geschah, wegsahen, es verdrängten, neugierig begafften oder gar mittaten?

Kam das plötzlich über sie? Liegen die Wurzeln solchen Verhaltens nicht weiter zurück? Hatte Judenhass nicht schon lange Tradition und eine nachweisbare soziale Funktion? Um solche Fragen klären zu helfen, wird auf früheren Antisemitismus verwiesen. Antisemitische Haltungen, Stimmungen, Gefühle sind heute noch gegenwärtig, wenn sie auch angesichts der historischen Last, Schuld und Scham kaum offen geäußert werden und solche Handlungen weitgehend der öffentlichen Ächtung anheimfallen. Sind aber nicht vielfältige Äußerungen der Feindlichkeit gegenüber Andersdenkenden, Andersglaubenden, Fremden, Behinderten, überhaupt Anders- oder Ab-"artigen" Symptome jener gefährlichen Intoleranz, die unterschwellig weit verbreitet ist und von gewissen konservativ-nationalistischen Kräften politisch und theoretisch nach wie vor artikuliert und ins öffentliche Bewusstsein infiltriert wird? Dem zu begegnen und zu widerstehen ist eines unserer wesentlichen Anliegen.

Indessen liegt das eigentliche Verbrechen an den Juden mehr als 50 Jahre zurück. Heute hören wir oft: Es solle endlich unter diese schreckliche Vergangenheit ein Schlussstrich gezogen werden; Äußerungen fallen, wie "weg vom deutschen Sonderweg", also weg von Belastungen durch zwei Weltkriege und faschistische Barbarei, hin zu historisch-politischer "Normalität", die der gegenwärtigen Rolle Deutschlands in einem "Kerneuropa" und unter den Großmächten gemäßer sei. Ruft uns geschichtliche Erfahrung, die auch aus dem Darzustellenden herrührt, nicht zu mehr und dauerhafter Bescheidenheit und Zurückhaltung auf?

Das Folgende beansprucht nicht, ein vollständiger Überblick über Juden, die einmal in Pirna lebten, zu sein. Dazu ist die Quellenlage zu unsicher. In den Einwohnerverzeichnissen, die für die Zeit von 1875 bis 1922 vollständig vorliegen, sind Personen "mosaischen" Glaubens auszumachen, nicht jedoch jene, die zu einer anderen Religion konvertiert waren. So ist die gewonnene Übersicht in nicht bestimmbarem Umfange lückenhaft. Was sie widerspiegelt, ist ein aktueller Forschungsstand, der zu weiteren Bemühungen aufruft.

Nicht berücksichtigt wurden die zahlreichen Jüdinnen und Juden, die sich nur kurzzeitig in Pirna aufhielten, oft bei Verwandten und Bekannten. Außer in Pirna lebten in der Amtshauptmannschaft bzw. im Kreis Pirna jüdische Familien in folgenden Städten und Gemeinden: Bad Schandau, Dittersbach, Dohna, Heidenau, Königstein, Liebstadt, Neustadt, Porschendorf, Prossen, Rathen, Sebnitz, Stadt Wehlen. Ihren Lebenswegen und Schicksalen nachzugehen, bleibt weiterer Suche vorbehalten.

Eine unverzichtbare Hilfe waren dem Verfasser die Kontakte mit insgesamt sechs Angehörigen jüdischer Familien, die einst in Pirna beheimatet waren. Sie ermunterten und förderten die Spurensuche nach jüdischen Schicksalen aus unserer Stadt, steuerten Bilder und Dokumente bei und gaben manch wertvollen Hinweis. So wurde auch die Wiedergabe dreier Erlebnisberichte möglich, ohne die vieles blass und abstrakt bliebe. Weiterführende Hinweise kamen von mehreren Pirnaer Einwohnern. Stets hilfreich unterstützten Frau Petzold und Frau Eckert vom Pirnaer Stadtarchiv das Anliegen. Allen sei recht herzlicher Dank. Ohne sie wäre diese Schrift nicht möglich geworden.

 

Pirna, im Juni 1995

Hugo Jensch


Teil 1

Juden und ihre Rechtslage in Sachsen

Innerhalb Sachsens ließen sich seit dem Mittelalter Juden vornehmlich in Leipzig und Dresden nieder. Einige mittlere  Städte wiesen kleinere jüdische Gemeinden auf; Pirna gehörte, nach allem, was wir wissen, nicht dazu.

Den Juden waren zünftisches Handwerk und Grundbesitz verwehrt. Existenzmöglichkeiten erschlossen sie sich über Geldgeschäft und Handel, im Umgang mit Pfandleihe und Trödelkram, oft nur als Hausierer.

Die Judenordnung des Markgrafen Heinrich des Erlauchten von 1265 stellte Juden und Christen rechtlich fast völlig gleich. Sie enthält hauptsächlich Bestimmungen über ihren Gerichtsstand und über das Geltendmachen von Schuldforderungen zwischen Juden und Christen sowie Vorschriften über den Betrieb des Pfandleihgewerbes. Der Landesherr war nur der Gerichtsherr der Juden, während sie direkt als Untertanen oder "Kammerknechte" dem Kaiser unterstanden. 1330 verlieh Kaiser Ludwig den Judenschutz an Markgraf Friedrich den Ernsten für seine Lande auf Lebenszeit, ein Gleiches geschah durch Karl IV. an Markgraf Friedrich den Strengen.[1] Wie weit das zu ihrer Sicherheit bei Ansiedlung, Erwerbstätigkeit, selbstbestimmter Lebensweise in ihren Gemeinschaften, im religiösen Leben und bei rechtlichen Auseinandersetzungen tatsächlich führte, bleibt im Ungewissen. Zweifel daran sind wohl angezeigt angesichts des 1349 ausbrechenden Judenhasses, der zu Ausrottungsexzessen in Leipzig, Dresden, Meißen und anderswo führte. Den Vorwand lieferte die Anschuldigung, eine Brunnenvergiftung durch Juden wäre die Ursache der verheerenden Pest.[2]

Die 1368 ausgesprochene markgräfliche "Begnadigung" der Juden im Meißnischen war mit einer Reihe rechtlicher Regelungen zu ihrem Schutze verbunden, aber auch mit der Vereinnahmung erheblicher Schutzgelder. Die Landesherren ließen sich ihre Gnade reichlich entgelten.[3] Lange jedoch hielt dieser labile Status der Juden nicht vor. Im Jahre 1411 verfügte Markgraf Friedrich der Streitbare ihre Enteignung. "Anno 1430 wurden die Juden von Dresden getrieben", und zwar am 23. Februar - auf Anordnung des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen. Sie bezog sich auf ganz Thüringen und Meißen. Der Kurfürst wollte wohl "seine durch die Hussitenkriege erschöpften Finanzen durch Wegnahme der reichen Güter der Juden aufhelfen".[4]

Rund 270 Jahre später (also um 1700) wird ersten Juden wieder, zögerlich und gegen Widerstände, durch den Kurfürsten August den Starken Bleiberecht gewährt, allerdings nur ganz bestimmten, namentlich genau fixierten, an denen als Geldvermittler und Importeuren von Luxusgütern ein landesherrliches Interesse bestand.[5]

Die "Juden-Ordnung für die Chur-Fürstlich-Sächßische Residenz-Stadt Dreßden" vom 15.9.1772 regelt die Verhältnisse der "geduldeten" Juden. Danach sind Aufenthalt und Begründung eines neuen Haushalts nur mit kurfürstlichem Konzessionsdekret gestattet, die Zahl der Dienstboten wird auf zwei begrenzt, sie dürfen keinen besonderen Ort für Gottesdienste unterhalten, und sie dürfen für ihre gemeinsamen Angelegenheiten drei Älteste wählen, die allerdings keine richterliche oder andere Gewalt haben. Diese Festlegungen gelten bis zur Landesverfassung von 1831.[6]

Mit Gesetz vom 18.5.1837 wird den Juden gestattet, sich in Dresden und Leipzig zu Religionsgesellschaften zusammenzuschließen und Bet- und Schulhäuser zu halten. Nur dafür dürfen sie auch Grundeigentum erwerben.[7]

Das "Gesetz wegen einiger Modifikationen in den bürgerlichen Verhältnissen der Juden" vom 16. August 1838 beschränkt ihre Aufenthaltserlaubnis weiterhin auf die Städte Dresden und Leipzig und "wird auf andere Orte nicht ertheilt werden". Die Übersiedlung von einem Ort zum anderen, die Niederlassung ausländischer Juden, "selbst wenn eine ausländische Jüdin einen hiesigen Juden heiraten will", bedarf der Genehmigung durch das Ministerium des Inneren. Juden wird hier aber die Gewerbefreiheit erteilt; davon ausgeschlossen bleiben "der Klein- und Ausschnitthandel, Apotheken, Gast-, Speise- und Schankwirtschaften, Branntweinbrennereien, Schacher- und Trödelhandel". Für letzteren brauchen sie eine besondere Konzession, wobei weiterführen darf, wer ihn bisher auch schon betrieb. Für Großhandel und Speditionsgeschäft sind ebenfalls Konzessionen durch das Innenministerium erforderlich. Juden können, mit gewissen Einschränkungen, das Bürgerrecht erwerben. Gestattet wird der Grundstückserwerb in Dresden und Leipzig. Verfügt wird schließlich, dass jeder inländische Jude einen erblichen Familiennamen anzunehmen und sich bei Geschäftsvorgängen (Urkunden und Handelsbüchern) nur der deutschen Sprache zu bedienen hat.[8]

Die volle Gleichberechtigung wird den Juden in Sachsen erst durch den Beitritt des Landes zum Norddeutschen Bund mit dessen Verfassung vom 17. April 1867 gewährt. Dem folgt am 1. November 1867 das Gesetz über die Freizügigkeit.

Im gleichen Jahr wird durch Bundesbeschluss verfügt: "Keinem Bundesangehörigen darf um des Glaubensbekenntnisses willen oder wegen fehlender Landes- oder Gemeindeangehörigkeit der Aufenthalt, die Niederlassung, der Gewerbebetrieb oder der Erwerb von Grundeigentum verweigert werden." Juden in Sachsen erhalten ab 1869 auch die Gewerbefreiheit.[9] Das alles gilt für bundes-, später reichsangehörige Juden, nicht aber für Einwandernde mit anderer Staatsangehörigkeit.

 

Erste Nachrichten von Juden in Pirna.

Im 13. Jahrhundert wird Pirna ein großzügiges Niederlagsrecht verliehen. Danach müssen alle die Stadt passierenden Waren "drei Sonnenscheine" lang zum öffentlichen Verkauf ausgelegt werden. Für sie ist Stapelgeld und Zoll zu entrichten. Mit diesem Recht erhält Pirna eine Schlüsselstellung im Handel zwischen Sachsen und Böhmen. Zu den Kaufleuten, die zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert durch die Stadt ziehen, gehörten mit einiger Sicherheit auch jüdische aus Böhmen und anderen später habsburgischen Landen. Einige dürften sogar ihre Geschäftstätigkeit in die Stadt verlegt haben. In diesen Zusammenhang ist gewiß jener Befehl des Markgrafen Friedrich Tutta (der Stammler) vom Februar 1289 einzuordnen, der da festlegt, dass, "qui conduxerit theolonium civitatis - sive christianus vel iudaeus - plebano de Pirne eandem pensionem integraliter persolvat." (...dass, "der den Zoll pachtet - es sei ein Christ oder ein Jude - dem Stadtpfarrer von Pirna ebendieselbe Zahlung unverändert bezahlt"- eine Abgabe zugunsten der Schlosskapelle).[10]

Früheste Kunde von Juden in unserer Stadt erreicht uns aus dem 16. Jahrhundert. Dazu finden wir bei Meiche die Notiz:

"1559 Januar 9. Kurfürst August, der dem Juden Samuel Schmohel eine zweijährige Niederlassung in Pirna erlaubt hat, ersucht den Rat zu Pirna auch seine Zustimmung zu geben."[11]

1705 ist durch Ratsbeschluss Juden der Aufenthalt in der Stadt verboten worden.[12] Unter dem 29.8.1705 verzeichnet aber das Ratsprotokoll eine schwer zu entschlüsselnde Eintragung:

"Jüdin. Der Glöckner kommt ins Rathaus, bringt einen Gruß von M. Junghans'e, welcher sich sehr verwunderte, dass man der Jüdin ihren wöchentlichen Unterhalt aus der Kammer nicht mehr zuwendete und solches zwar ohne Vorwissens des Hr. Superintendentens, verlanget, dass man der Lage nach aber mit kontinuieren solle." Als Bescheid ist vermerkt: "Welches ein Rath aber schlechterdings ablehne."[13]

Unter dem 3.1.1708 wird den Frohnern (Fronbote, Büttel vom Fronhof in der Schmiedestraße) aufgetragen,

"unter den Toren, in denen Gasthöfen, auch bei Zacharias Petzolt und Wilhelm Fischern an(zu)deuten...dass die Juden mit ihren Sachen weder in die Stadt sollen gelassen noch geherberget werden".[14]

Im November 1714 lässt der zum Christentum konvertierte ehemalige Rabbi Johann Christlieb Heilbrunner aus Heilbronn seine Ehefrau Anna Edella nach vorangegangener Genehmigung durch den Kurfürsten in Pirna taufen, nachdem sie im neuen Glauben unterrichtet worden war.

Ein Gleiches geschieht im Mai 1718 mit dem aus Polen stammenden Juden Lebel.[15]

Auf diesen Fall bezieht sich wohl auch ein Vorgang in einer „Beschwerde von 30 Bürgern wegen ungleichmäßiger Verteilung der Kriegssteuern und Einquartierungen bei und nach schwedischer Besetzung“, den Hofmannerwähnt: „In einem der 17 gravamina wurde dem Rath auch vorgeworfen, die Bürgerschaft hätte, als der Syndikus Barth bei der Taufe eines Juden zu Gevatter gebeten worden war, das Pathengeld bezahlen müssen.“[16] (eingefügt nach Manuskriptablieferung!)

In beiden Fällen handelt es sich nicht um in Pirna Ansässige. Lediglich unterwiesen und getauft wurden sie hier, fernab jeder jüdischen Gemeinschaft. In solchen Fällen waren auch ehrbare Pirnaer Bürger zur Mitwirkung als Paten bereit, die sich sonst gegen jeden Kontakt mit Juden sperrten.

1746 erhebt die Kaufmannschaft der Stadt vergeblich Einspruch gegen eine Verfügung des Landesherrn, wonach

"dem Juden Markus Jonas Eubaschütz gegen 20 Taler Steuern erlaubt wird, mit seinem Eheweibe, einem Kinde, einem Informator, einem Bedienten und einer Magd in den sächsischen Landen mit Ausnahme der Bergstädte von seinem Vermögen zu leben, und dass er, wenn er Reisen mache, unter kurfüstlichem Schutze stehe."[17]

Ob Eubaschütz jemals Pirna berührte, ist nicht verbürgt.

Böhmische Handelsjuden kamen in der ersten Hälfte des 18.Jh. aber mit Sicherheit auf ihrem Wege zur Leipziger Messe durch unser Gebiet. Mancher versuchte gewiss auch hier Möglichkeiten für den Handel zu ertasten. Vielleicht sind so auch die folgenden Nachrichten zu verstehen:

"Da finden wir im Januar 1743 in Königstein Abraham Samuel. Er verkauft Gemshäute zu 2, 3, 4 Talern, kauft umgekehrt rohe Felle, die er nach Böhmen schafft. Zwischendrein bietet er auch für 10 Taler eine Perlenkette an. Angeblich will er nach Berlin und ist in Königstein nur durch die Krankheit seines Jungen festgehalten und dadurch gezwungen worden, einige Waren zu verkaufen."

"Ebenfalls in Königstein und in Pirna treffen wir 1746 und dann wieder Oktober 1747 Hirschel Isaac. Er handelt in Sachsen mit Wolle, Haaren, Federn. Im Oktober 1747 sucht er 6 Stein Wolle (ein Stein = 10 - 11 kg.) an den Strumpfwirker Pomßel in Pirna zu verkaufen, will sie aber dann auf den Dresdner Jahrmarkt bringen".[18]

Wie das hier formuliert ist, lässt es auf die erstrebte Unzulässigkeit dieser Handelsversuche schließen. Dennoch stieß anscheinend der Pirnaer Rat zu dieser Zeit auf landesherrlichen Einspruch.

Die Ratsprotokolle verzeichnen die Übermittlung landesherrlicher Verfügungen über eine "Juden - Kopfsteuer", aber sie enthalten dazu keinerlei konkrete Angaben über deren Erhebung von in Pirna lebenden Juden.[19]

Erst im Jahre 1802 finden wir die nächste Spur. In den Kämmerei-Akten erscheint eine lapidare Notiz über eine "Ausgabe auf Rechts- und Inquisitions-Sachen", nach der der "einhaftierte"..."Simon Jacob, Handelsjude aus Fürth", durch Traugott Kasten zur Confrontation nach Dresden gebracht und wofür dieser mit "2 thl., 4 gl., 6 ngr." entlohnt wird.[20] Auch über die Einzelheiten dieses Vorgangs schweigen sich die Akten aus.

 

Frühe jüdische Ansiedlung in Pirna

Wenn nach langen Emanzipationsbemühungen seit 1869 den Juden in Sachsen gleiche Grundrechte eingeräumt wurden, so heißt das noch lange nicht, dass damit alle wesentlichen Hindernisse für eine sachsenweite Ansiedlung von Juden, auch von außerhalb, weggeräumt waren. Der Weg zum Erwerb der sächsischen Staatsangehörigkeit war mit diversen Schranken versehen. Die nach wie vor vorhandene Ablehnung der Juden durch kleinbürgerliche Kreise, schon aus Konkurrenzgründen, wirkte weiter und am nachhaltigsten wohl besonders in kleineren Städten.

So nimmt es nicht Wunder, wenn 1871 von den 3346 in Sachsen registrierten Einwohnern jüdischer Religion allein 3015 in Leipzig und Dresden wohnen, also ganze 331 in allen übrigen sächsischen Städten. 1875 hat sich das Bild nicht nachdrücklich verändert: Von 5360 leben in Leipzig und Dresden nun 4520, ganze 840 in anderen Orten.[21]

Die Übersichten über die Ergebnisse der Volkszählungen in Sachsen verzeichnen bereits für das Jahr 1846 einen[22] , 1849 zwei, 1851 wiederum einen, 1861 3 jüdische Einwohner Pirnas, 1867 sind es 2.[23] Sie waren, nach den Wohnadressen zu urteilen, Patienten der Privat-Heilanstalt des Dr. Pienitz, die dann Dr. Lehmann übernahm und kamen aus wohlhabenden Familien Dresdens, anderer deutscher Städte oder gar aus Russland und Rumänien.[24] Wenn 1871 bereits 10 und 1875 11 genannt werden, dann dürfte es sich bei ihnen um die ersten noch nicht namentlich bestimmbaren Angehörigen jüdischer Familien gehandelt haben, die als erste in Pirna wohnten und einer Profession nachgingen. Im Jahre 1871 werden auch aus einigen anderen Städten der Amtshauptmannschaft Pirna Juden gemeldet, so aus Königstein, Schandau und Sebnitz.[25]

Als erster namentlich benennbarer jüdischer Kaufmann kommt im Juli 1876 der in Berlin geborene Ephraim Emil Rose nach Pirna. Er ist zu dieser Zeit 28 Jahre alt und übernimmt mitten im Ausverkauf das Geschäft von Querner am Markt 9. (Diese und alle nachfolgenden Hausnummern entsprechen dem heutigen Stand).[26]

Nach seiner Eheschließung mit Franziska, geb. Levevre, gelingt ihm der Aufbau einer selbständigen Existenz. Der Familie werden 1877 und 1879 die Söhne Harry und Erich geboren; das sind die ersten nachweislich in Pirna zur Welt gekommenen jüdischen Kinder.[27]

Die Geschäftseröffnung kündigt Emil Rose im Pirnaer Anzeiger am 20.8.1876 an. Danach sind

"im Laden des Herrn Querner Schawls, schwarze und weiße Tülls, Spitzen, echte und unechte Sammete, Chiffons, Wäschebesätze in neuen geschmackvollen Sendungen eingetroffen... und werden zu den bekannt billigen Preisen empfohlen."

Rose handelt also mit Kurzwaren und Stoffen.[28]

Nach rund zwanzigjähriger erfolgreicher Geschäftstätigkeit verlassen Roses Pirna und übersiedeln nach Berlin.[29]

Aus Böhmen kommt im April 1878 der 35-jährige Schneidermeister Samuel Freund. Mit seiner Ehefrau und sechs Kindern wohnt die Familie in der Badergasse 1. Nach nur sieben Jahren verlassen Freunds die Stadt in Richtung Württemberg.[30] Es ist heute nicht mehr zu ermitteln, ob Freund tatsächlich als selbständiger Schneidermeister gearbeitet hat und in die Schneider-Innung der Stadt aufgenommen wurde.

Hermann Prinz kündigt im März 1878 die Eröffnung seines Kleidergeschäfts am Markt 7 an:

"Die billige Kleiderhalle von Hermann Prinz am Markt, im Hause des Herrn Kegel, empfiehlt zu äußerst billigen Preisen elegante fertige Herren- und Knabengarderobe, Confirmandenanzüge in schwarzem Tuch und dunkelcarrirtem Bukskin in großer Auswahl und zu sehr billigen Preisen. Sämtliche Waren sind reell und gut gearbeitet und wird für gute Stoffe garantiert...Bestellungen nach Maass werden bestens angefertigt."[31]

Prinz und seine Ehefrau stammen aus dem Preußischen und kamen über Kamenz und Großröhrsdorf nach Pirna. Als dritter Sohn wird der Familie 1883 Albert geboren.

Familie Prinz verzieht 1890 nach Dresden. [32]

Dort begründet Herrmann Prinz ein Herren- und Knaben-Garderobegeschäft "im eigenen Hause" in der Annenstraße 47, wie er am 23.3.1892 im "Pirnaer Anzeiger" seiner einstigen Kundschaft in Pirna mitteilt.

 

Der 25-jährige Kaufmann Max Goldschmidt aus Lissa in der Provinz Posen begründet am 1. Oktober 1879 in der Schloßstraße 13 sein Geschäft.

Seiner jungen Frau und ihm werden 1885 und 1889 zwei Söhne, Berthold und Georg, geboren.[33] Ein Jahr nach Geschäftsgründung kommen auch Max Goldschmidts Eltern, Aron und Bertha, nach Pirna und beziehen im Nebenhaus, Nr. 12, eine Wohnung.[34] 1888 zieht es auch die Mutter von Rosalie Goldschmidt, Selma Guhrauer, nach Pirna..[35]

Auch Max Goldschmidts Schwester Helene Rosam kommt mit ihrem Ehemann David Rosam aus Dresden nach Pirna.[36] Hier wird am 2.12.1890 ihr Sohn Hugo geboren, der 1938 in Stuttgart als Zahnarzt lebt und allem Anschein nach nicht vor dem Krieg aus Deutschland weggekommen ist.

Die gesamte Familie Goldschmidt verlässt zwischen Oktober 1893 und März 1894 Pirna und verzieht nach Breslau.[37]

Im Jahre 1884 wird der in Schirwindt/Ostpreußen geborene Isidor Cohn als Kaufmann in Pirna ansässig.[38] Er ist damals 27 Jahre alt. Als vormalig preußischer Staatsbürger erwirbt er als erster Jude unserer Stadt die sächsische Staatsbürgerschaft am 23.3.1892.[39]

Die Familie Cohn lebt von allen jüdischen Familien am längsten in Pirna: runde 55 Jahre, bis Anfang 1939. Alfred Cohn, ihr Sohn, kommt 1945 nach Pirna zurück.

1886 ziehen Mina Ikenberg und ihr Ehemann Salomon, beide in New York geboren, nach Pirna.[40] Sie müssen Anfang der 80er Jahre aus den USA nach Deutschland umgesiedelt sein und zunächst in Apolda und Ranstadt in Hessen eine selbständige Existenz aufzubauen versucht haben, ehe sie sich für annähernd sieben Jahre in Pirna niederlassen. Mina Ikenberg betreibt auf der Dohnaschen Straße 35, dann in der Jacobäerstraße 1 (Eckhaus) ein Weißwarengeschäft; ihr Mann ist Handelsreisender.[41] Zu ihren drei Kindern (Ida, Hermann und Albert) gesellt sich in Pirna noch Zuwachs: 1888 wird Jenny geboren, 1889 Rosa. Ikenbergs lösen bereits 1893 ihr Geschäft auf und gehen nach Remscheid.

Der aus Danzig stammende Kaufmann Siegfried Goertz zieht 1889 aus Berlin zu.[42] In Pirna eröffnet Eveline Goertz, geb. Löwenstamm, in der Dohnaschen Str./Ecke Jacobäerstraße 1 ein Herren-, Damen- und Kinderkonfektionsgeschäft,[43] das sie im "Pirnaer Anzeiger" mehrfach als "erstes, einziges und größtes Spezial-Geschäft am Platze" mit Anfertigung in eigener Werkstatt anpreist.[44]

Siegfried Goertz führt dann ab 1899 das Geschäft mit Herren- und Knaben-Garderobe in der Dohnaschen Str. 31 weiter, bis zum 20.9.1901.[45] Dann verlässt die Familie Pirna und verzieht nach Spandau.

Nur ganze 9 Monate, vom 3.7.1891 bis zum 1.4.1892 hält das Ehepaar Ette und Adolf Weiß, sie aus dem Posenschen, er aus Ungarn gebürtig, der Konkurrenz im Konfektionshandel stand.[46] Dabei schien doch die Geschäftseröffnung durchaus hoffnungsvoll. Ette betreibt in der Schössergasse 1 ein "Schneiderei-Geschäft für Herren- und Knaben-Garderobe nach Maass verbunden mit großem Lager von fertiger Herren- und Knaben-Garderobe" und verfügt über "große Auswahl in- und ausländischer Stoffe."[47]

Für die Maßanfertigung sorgt ihr Ehemann Adolf, der Schneider von Beruf ist. Familie Weiß zieht wieder nach Dresden, woher sie gekommen war.

Ebenfalls nur rund 1 1/2 Jahre (1891/92) wohnt die Geschäftsvertreterin Fernande Rosenthal aus dem schlesischen Jauer in Pirna. Außer der registrierten Anwesenheit ist über sie nichts Näheres zu erfahren.[48]

Im Herbst 1893 beenden zwei jüdische Textilgeschäfte (Goldschmidt und Ikenberg) ihre Geschäftstätigkeit in Pirna. Da hält mit Eugen Rohr aus Berlin ein auf den ersten Blick erstaunlicher junger Mann am 13.12.1893 in Pirna Einzug.[49] Eugen Rohr ist zu dieser Zeit fast auf den Tag genau 21 Jahre alt, mithin nach der damaligen Rechtslage erst seit 7 Tagen volljährig, eröffnet aber auf der Dohnaschen Str. 52 das erste Warenhaus der Stadt.[50] Obwohl er Pirna bereits zum 1.5.1894 verlässt, verbleibt sein Name in der Firmenbezeichnung "Albert Langer, vormals E. Rohr Nachf." bis in die 30-er Jahre erhalten.

Eugen Rohr kündigt seine Geschäftseröffnung am 25.1.1894 mit einer großen Anzeige an:

"Die Eröffnung meines Warenhauses in Wäsche, Putz, Trikotagen, Gardinen, Woll- und Weißwaren, Manufaktur- und Leinenwaren, Tapezier- und Lederwaren, sowie Posamenten und sämtlichen Artikeln zur Damenschneiderei

findet heute, Donnerstag, den 25. Januar, statt...

Grundsatz meines Geschäfts:

Großer Umsatz, überraschende Billigkeit,

streng feste Preise, freundliche Bedienung.

Vorteile für Modistinnen, Schneiderinnen und Wiederverkäufer.

Pirna, Dohnasche Str. 2."[51]

Einige Tage später erweckt er erneut Aufmerksamkeit für sein Warenhaus mit der größten jemals im Pirnaer Anzeiger erschienenen Annonce von ganzen zwei Seiten![52]

Es ist stark zu bezweifeln, dass dieser junge Mann hier als selbständiger Warenhausbesitzer agierte. Auch die ihn ablösenden Geschäftsführer waren zumeist junge Leute, und sie dürften alle Angestellte des Dresdner Warenhausunternehmens Messow und Waldschmidt gewesen sein, das schließlich auch Haus und Grundstück als Eigentum erwirbt.[53]

Dennoch sind diese Geschäftsführer in den Pirnaer Gewerbeakten meist als selbständige Betreiber des Warenhauses registriert, während andere, vermutlich die Hauptgeschäftsführer des Unternehmens, meist in Leipzig oder Dresden wohnhaft, als Eigentümer geführt werden. Eugen Rohr wird am 1.5.1894 durch den 23-jährigen Kaufmann Georg Hirsch abgelöst. Der stammt aus Kriewen, Kr. Kosten in Preußen, ist aber aus Dresden zugezogen. Bis 1901 führt er das Unternehmen in Pirna.[54]

Seine Verlobung mit Bianka Schlamm aus Breslau im Juni 1900[55] verweist uns auf seine neue Lebens- und Wirkungsstätte.

In der Abfolge von Geschäftsführern der Firma "E. Rohr Nachf." finden wir zwischen 1894 bis 1897 neben Hirsch noch Salomon Hirschfeld, der aber in Dresden wohnen bleibt.[56]

Für zwei Jahre (1901-1903) übernimmt Walter Petzschke das Warenhaus.[57] Das könnte der einzige nichtjüdische Inhaber oder Geschäftsführer des Hauses gewesen sein, ehe am 24.3.1903 mit Paul Messow aus Dresden, ein Mitglied der Dresdner Warenhaus-Kette Messow und Waldschmidt, die Leitung der Pirnaer Filiale antritt.[58]

Ihm folgt 1908 Albert Langer, unter dessen Namen das Unternehmen in Pirna auch bis 1938 läuft ("Albert Langer, vorm.E. Rohr Nachf.").[59]

Langer wird bereits 1911 durch Hermann Meiser abgelöst,[60] der auch in Dresden wohnen bleibt und zwischendurch das Unternehmen durch jüngere Leute führen lässt, z.B. durch Bruno Freymann, der von 1914 bis 1917 mit Unterbrechungen mehrfach in Pirna wirkt und auch wohnt.[61] Er wird 1922 zum ordentlichen Geschäftsführer und bleibt es bis zur "Arisierung" des Unternehmens etwa Anfang 1936.[62] Während dieser Zeit treten noch Walter Rieß (Leipzig) und David Pelz (Dresden) als Inhaber auf.[63]

Dieses Warenhaus mit geräumiger Verkaufsfläche im Erd- und 1. Obergeschoss dominierte jahrzehntelang im Pirnaer Konfektions- und Textilbereich und stand sicher auch mit seinen vorteilhaften Preisen hoch in der Gunst der Käufer.

Von April 1936 bis März 1939 wird das Warenhaus zur Filiale der Dresdner Knoop u. Co. GmbH,[64] ehe es ab 6.4.1939 an Victor K. übergeht.[65]

 

Früher Antisemitismus in Sachsen und in Pirna

Als es gerade fünf jüdische Geschäfte in Pirna gibt, erscheint am 7.10.1886 im "Pirnaer Anzeiger" folgende Annonce:

"Höchste Zeit ist es, dass man sich jetzt immer um einen Platz zur Erbauung einer Synagoge umsieht, da die Kinder Israels in unserer Stadt sich in beängstigender Weise vermehren.

Ein Reformer."[66]

Diese Anzeige ist eine Novität. Zum ersten Mal außerhalb von Wahlen finden wir in der örtlichen Zeitung individuelle politische Meinung bekundet, dazu noch in ironisch-hetzerischer Form. Was den Verfasser so beängstigt, ist das Anwachsen des jüdischen Bevölkerungsanteils auf 37 Personen (davon mindestens 12 Kinder), also bei rund 12 000 Einwohnern auf 0,32%![67] Gleichzeitig ist diese Anzeige aber auch das früheste Anzeichen des neueren Antisemitismus in unserem Raum.

Der nazistische Antisemitismus, der in den Völkermord an den Juden mündete, überdeckt oft seine Vorläufer und Wegbereiter. Ihre Spur wollen wir kurz zurückverfolgen.

Seit 1874 entstehen in Deutschland eine Anzahl antisemitischer Vereinigungen, die nun nicht mehr vorrangig religiösen, sondern rassistischen Antisemitismus propagieren.

Es ist hier nicht der Platz, diese Entwicklung im Ganzen zu umreißen. Skizziert werden sollen lediglich jene Vorgänge und Tendenzen, die für Sachsen und unser Gebiet bedeutsam sind. Im Jahre 1878 wird durch den aus Sachsen stammenden preußischen Historiker Heinrich von Treitschke jene Losung hervorgebracht, die später zum Motto des abscheulichsten Hetzblatts der Nazis, Steichers "Stürmer", wird: "Die Juden sind unser Unglück!"[68]

Im gleichen Jahr formiert sich in Dresden der antisemitische "Deutsche Reformverein" unter Alexander Pinkert. Der tritt 1880 mit der Zeitung "Deutsche Reform" an die Öffentlichkeit. In ihr erscheint als programmatisches Dokument 1881 Pinkerts "Appell an das deutsche Volk zum Selbstschutz gegen die 'Judenpest'".[69] Im gleichen Jahr konstituiert sich der Reformverein auf einem Gründungsparteitag in Dresden als "Deutsche Reformpartei",[70] die sich vor allem auf die Mittelschichten Sachsens orientiert.

Während in anderen Gebieten Deutschlands antisemitische Vereinigungen lokal begrenzt bleiben, strahlt diese Parteigründung auf andere deutsche Länder aus. 1882 wird ein erster internationaler antijüdischer Kongress nach Dresden einberufen. Der zweite, ein Jahr später, findet in Chemnitz statt.[71] In Leipzig entsteht der Hammer-Verlag des Theodor Fritsch. Die zentrale Zeitschrift der Antisemiten, der "Antisemiten-Kathechismus" erscheint hier, ab 1907 als "Handbuch zur Judenfrage" und erreicht bis 1944 eine Auflagenhöhe von 325 000 Exemplaren.[72]

Diese antisemitische Agitation zeichnet sich, bei allen unterschiedlichen Nuancen, durch eine Reihe von Gemeinsamkeiten aus: Charakteristisch sind ein rassistisch begründeter Antisemitismus, überdrehter Nationalismus und antikapitalistische "Reform"-Phrasen, letztere gerichtet auf die durch kapitalistische Industrialisierung bedrängten kleinbürgerlichen Mittelschichten und Teile der Arbeiterschaft. Aber es taucht ebenfalls schon die Forderung nach physischer Vernichtung der jüdischen Bürger auf, bald auch die nach Rücknahme der rechtlichen Gleichstellung der Juden und ihre Stellung unter das Fremdenrecht.[73]

Nach dem erwähnten ersten Signal im "Pirnaer Anzeiger" finden seit 1890 antisemitische Tiraden auch in unserem Kreis ihren Nährboden.

Zu den Reichstagswahlen 1890 erscheint eine Annonce, die sich in dicker Balkenüberschrift an Handwerker wendet:

"Bedenkt, dass die hiesigen Juden für die Wahl Eysoldt's mit aller Energie thätig waren. Jeder Deutschfreisinnige resp. Eysoldt ist ein Freund der Juden! Deshalb behaltet die Augen offen!

Ein Handwerker."[74]

Bezeichnenderweise setzt der "Pirnaer Anzeiger" gerade unter diese Auslassung die Geschäftsannonce des jüdischen Kaufmanns Isidor Cohn.

Der in der "Handwerker-Annonce" genannte Rechtsanwalt Eysoldt vertrat den 8. sächsischen Reichstagswahlkreis (Pirna) als Freisinniger von 1871 bis 1887 im Reichstag. Er gehört auch zu jenen, die dem Bismarckschen Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraten ihre Zustimmung verweigerten.

1887 unterliegt er dem konservativen Dresdner Holzhändler Grumbt, der auch 1890 wieder gewählt wird.[75]

Zwischen 1890 und den nächsten Reichstagswahlen von 1893 scheinen in unserem Kreis antisemitische Tendenzen erste organisatorische Formen angenommen zu haben. Auf dem Parteitag der Antisemitischen Volkspartei 1892 in Dresden sind unter 119 Delegierten auch die Reformvereine von Helmsdorf, Neustadt und Stolpen vertreten.[76] 1893 existiert bereits ein Wahlausschuss der "Deutschen Reform-Partei" im 8. sächsischen Reichstagswahlkreis.

Er nominiert den Dresdner Mörtelfabrikanten Carl Friedrich Lotze, der zum Führungskern dieser Antisemitenpartei in Sachsen gehört, als Reichstagskandidaten.[77] Lotze betreibt eine rührige Wahlwerbung in unserem Kreis. Er wird dabei, wie in Teilen Sachsens, auch durch Konservative unterstützt. So finden wir im "Pirnaer Anzeiger" vom 9.6.1893 einen Wahlaufruf des "Conservativen Landes-Vereins im Kgr. Sachsen", in dem es u.a. heißt:

"...Wir wollen ein christliches Volk unter christlicher Obrigkeit, eine deutsche Nation unter deutschen Fürsten und einem deutschen Kaiser sein und bleiben. Fort mit dem sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einflusse auf unser Volksleben, aber auch fort mit der jüdischen Lüge, dem jüdischen Betruge im Munde derer, die sich zwar Deutsche und Christen nennen, aber nur auf die Untergrabung von Deutschtum und Christentum ausgehen, indem sie Beides den verwerflichen Parteizwecken unterordnen."[78]

Lotze wird auch vom "Reichstreuen Verein für Königstein und Umgebung" unterstützt.[79] Er tritt allenthalben als "Candidat der gesinnungstüchtigen Mittelparteien" auf. An sozialen Reformen werden u.a. gefordert: "...verschärfte Konkurs- und Wucher-Gesetze, Beseitigung der Conkurrenz der Zuchthausarbeit, der zügellosen Gewerbefreiheit und der unbegrenzten Freizügigkeit, Beschränkung des Hausier-Handels, der Abzahlungs-Bazare, Schwindel-Ausverkäufe und Wanderlager, der Börsenspekulation...", auch die soziale Lage der Arbeiter soll verbessert werden.[80]

Der bisherige konservative Abgeordnete, Kommerzienrat Grumbt, sei nicht mehr wählbar, verkünden die Reformparteiler.

"Allein seine Haltung zu den Handelsverträgen, seine völlige ablehnende Stellung gegenüber dem Antisemitismus, dessen Berechtigung auch von der deutschkonservativen Partei anerkannt worden ist, machen es für jedes Mitglied des Mittelstandes unmöglich, ihn wieder zu wählen."

In der Tat löst sich der konservative "Reichstreue Verein" im Kreis auf und tritt für die Wahl Lotzes ein.[81] Einige Konservative nominieren zwar noch rasch Hoenerbach, aber der hat keine reale Chance. Der Steinbruchbesitzer Julius Lotze, Stadtrat in Pirna, distanziert sich in der Zeitung öffentlich vom "antisemitischen oder reformerischen Kandidaten" C. F. Lotze und möchte keinesfalls mit ihm verwechselt werden.[82]

Die organisierte Arbeiterbewegung ist ohne die jüdischen Intellektuellen Karl Marx, Ferdinand Lassalle, Eduard Bernstein und Rosa Luxemburg, um nur einmal die wesentlichsten zu nennen, schlechthin nicht vorstellbar.

Weil sie nach radikaler Emanzipation strebte, war sie gerade auch für viele Juden politische Heimstatt. Sie grenzte sich unzweideutig von antisemitischer Volksverhetzung ab.

In Pirna wird der seit 1885 in Dresden ansässige Emanuel Wurm, "mosaischer Religion", im Jahre 1888 als sozialdemokratischer Kandidat bei den Reichstagswahlen ausersehen. Das geschieht unter illegalen Verhältnissen, denn das Sozialistengesetz verbietet jede politische Tätigkeit im Sinne der Sozialdemokratie. Emanuel Wurm aber muss eingeführt und vorgestellt werden, damit ihn eine größere Anzahl hiesiger Sozialdemokraten kennen lernen kann, um dann für ihn als Kandidaten zu werben. Das geschieht am 15.12.1888 im "Volksbildungsverein". E. Wurm führt sich dort offiziell unter den Augen überwachender Polizeibeamter als "Chemiker aus Dresden-Neustadt" mit einem Vortrag zum unverfänglichen Thema "Über Volksernährung" ein.[83]

Auch beim 1. Stiftungsfest des Volksbildungsvereins am 24.2.1889 ist er wieder angereist und hält die Festrede.[84] Fast genau ein Jahr später, am 26.2.1890, ist Reichstagswahl. Wurm erhält in unserem Wahlkreis 3922 Stimmen = 19,3% - bei damals 122 Mitgliedern des sozialdemokratischen Vereins im Kreis.[85]

Im Vorfeld der Wahlen von 1893, wählt der sozialdemokratische Kandidat Julius Fräßdorf in bewusster Auseinandersetzung mit dem "Reformer"-Kandidaten Lotze als Thema einer öffentlichen Versammlung des sozialdemokratischen Volksbildungsvereins am 22.1.1893 vor ca. 250 Teilnehmern: "Die Antisemiten und die Sozialdemokratie".[86]

Am 6.5.93 beschließen im Carolabad ca. 120 anwesende Mitglieder, auch aus Sebnitz, Königstein und Schandau, in einer öffentlichen sozialdemokratischen Parteiversammlung, ein Flugblatt gegen den Antisemitismus in Angriff zu nehmen. Es ist leider nicht erhalten geblieben.[87]

Und so sahen dann die Wahlergebnisse im Kreis aus:

Lotze (Reformpartei) 7803 Stimmen, Fräßdorf (Sozialdemokrat) 7665, Eysoldt (Freisinn) 4233 und Hoenerbach (Cons.) 1248.[88] Eine Stichwahl ist nötig. Aus diesem Anlass veröffentlicht Lotze erneut einen Wahlaufruf, in dem es heißt: "Wollt Ihr gegen die Verjudung des deutschen Volkes energisch Front machen,... dann wählt Lotze!"[89] In der Stichwahl setzt sich Lotze mit 12 296 Stimmen gegen Fräßdorf mit 9 606 durch.[90] In Sachsen erhielten die antisemitischen "Reformer" bei diesen Wahlen 93 364 Stimmen und brachten es bei 11 Kandidaturen auf 6 Mandate im Reichstag, darunter das für den bei uns gewählten Lotze.[91]

In diesem Jahr 1893 kommt es im Ergebnis der konzentrierten antisemitischen Aufheizung auch zu ersten Boykottaufrufen  gegen die jüdischen Kaufleute. Wenn auch Einzelheiten dazu nicht überliefert sind, so legt doch die Gegenaktion in Gestalt einer ganzseitigen Anzeige im "Pirnaer Anzeiger" vom 16.12.1893 davon Zeugnis ab.[92]

Dieser Appell an die Käufer enthält einen indirekten Vorstoß an die Adresse der Sozialdemokratie, wohl auch zur Absicherung gegenüber einer kleinbürgerlich geprägten Mehrheit in der Bevölkerung.

Für Lotze, der sich 1898 erneut als Reichstagskandidat bewirbt, sind aber Sozialdemokraten wie Juden Feinde. In seinem ersten Wahlaufruf im "Pirnaer Anzeiger" vom 29.5.98 heißt es denn auch:

"Die Reichstagswahlen von 1898 müssen zum Entscheidungskampfe zwischen dem deutschen Volke und seinem Erbfeinde, der verjudeten Sozialdemokratie werden."

Als "geeignete Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie" gelten:

"Die Aufklärung des Volkes und speziell der Arbeiter über das Wesen und die wahren Ziele der sozialdemokratischen Lehre, die Hebung der Religiosität und des sittlichen Gefühls in der arbeitenden Bevölkerung, die Verminderung der Begehrlichkeit der Massen durch Vereinfachung der Lebenshaltung aller Stände, die Verminderung der Steuerlast in den erwerbenden Klassen und die Beseitigung des jüdischen Einflusses in der Führerschaft der Industrie-Arbeiter."[93]

Diese Stoßrichtung betont auch eine andere bezeichnende Stellungnahme, die am 16.6.1898 erscheint, und zwar mit fetter Balkenüberschrift gleich auf Seite 1:

"Reichstagswahl!

Angesichts der sozialdemokratischen Anmaßungen werden die Mitglieder des Reichstreuen Vereins dringend aufgefordert, geschlossen Mann für Mann für

Herrn C. F. Lotze in Dresden

einzutreten und demselben am 16. Juni ihre Stimme zu geben.

Commerzienrat Hugo Hoesch, Hütten."[94]

Bei diesen Wahlen setzt sich erneut der Antisemit Lotze mit 11 118 Stimmen, diesmal sogar im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit, gegen Fräßdorf mit 10 007 und den Freisinnigen Fischbeck mit 652 Stimmen durch.[95] Bei den Wahlen ein Jahr später, 1899, gewinnt Lotze zwar mit 10 692 Stimmen weniger als Fräßdorf mit 11 571 und dem abgeschlagenen Kandidaten des Freisinns, Strohbach, mit 1 825 Stimmen, setzt sich aber in der Stichwahl mit 13 307 gegenüber 12 605 für Fräßdorf noch einmal gegen diesen durch.[96] Erst 1903 unterliegt er dem sozialdemokratischen Kandidaten.

So hat die Mehrheit der Wählerschaft des 8. sächsischen Reichstagswahlkreises für runde 10 Jahre einen erklärten Antisemiten in die höchste parlamentarische Vertretung des deutschen Reiches entsandt!

Die zwei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg

Aus Schleusingen kommt der in Friedland/Ostpreußen geborene 26-jährige Adolf Kaminsky am 2.9.1893 nach Pirna. Ende 1897 ist seine Existenz als Kaufmann so weit gesichert, dass er heiraten kann. Mit Jahresbeginn 1898 hält auch seine Frau Rosalie in der Dohnaschen Straße/Ecke Jacobäerstraße 1 Einzug. Sie stammte aus Beuthen/Oberschlesien. Der Familie Kaminsky werden in Pirna geboren: 1898 ihr Sohn Walter und 1900 ihre Tochter Minna.[97]

Adolf Kaminsky übernimmt 1893 das ehemals Ikenberg'sche Geschäft und bezieht auch wohl deren Wohnung. Wie Ikenbergs handelt Kaminsky mit Kurz-, Putz-, Posamenten-, Weiß- und Wollwaren,[98] bis zum Jahre 1935.

Seit 1907 betreibt er auch eine eigene Putzmacherei, in der er 2 - 4 weibliche Arbeitskräfte beschäftigt, die er aber im Mai 1925 endgültig einstellt und sich dann nur noch auf den Handel beschränkt.[99]

Am 16.1.1894 zieht auch der in Halle/Saale geborene ledige Kaufmann Alexander Löwenthal in der Dohnaschen Str./Ecke Jacobäerstraße ein.[100] Im "Pirnaer Anzeiger" vom 14.10.1894 finden wir seine erste Annonce:

"Die Eröffnung meines Spezial-Etablissements für Herren- und Damengarderobe findet Donnerstag, den 18. Oktober, vormittags 7 Uhr statt. Neben Café Klemm. A. Loewenthal, Dohnasche Str. 10/ Ecke Jacobäerstraße."

Er verlässt Pirna "auf Reisen" im Mai 1898.

Sein Schwager Josef Linz aus Rotenburg a.d.Fulda übernimmt von ihm Geschäft und Wohnung. Dem Ehepaar Linz werden 1899 und 1902 ihre Töchter Alice und Gertrud geboren.[101] Linz verlegt sein Geschäft 1903 in die Dohnasche Straße/Ecke Dr.-Wilhelm-Külz-Str.1 mit Herren-, Damen- und Kinderkonfektion und lässt sich dann bis zur Geschäftsaufgabe 1930 an der Ecke Dohnasche/Schmiedestraße 31 nieder.[102]

Severin Uszakiewicz übernimmt es. Er behält bis 1938 die Firmenbezeichnung "Fa. Linz Nachf." bei, fügt aber in einer Geschäftsanzeige ausdrücklich "Arisches Unternehmen" hinzu.[103]

Mit dem 33-jährigen Chemiker Gustav Heß erhält Pirna 1895 ihren ersten und einzigen jüdischen mittelständischen Fabrikbegründer. Von ihm und seiner Familie wird ausführlicher noch zu berichten sein.[104]

Der Kaufmann Götz Byk aus der preußischen Provinz Posen lebt zwischen 1896 und 1901 mit seiner Ehefrau in Pirna.[105] Götz und Lina Byk kommen aus Grätz im Posenschen nach Pirna. Für Byk gibt es noch eine zweite Namensvariante in den Akten, und zwar "eigentlich Gustav Bick".[106] Am Obermarkt, Ecke Schuhgasse 16 betreibt er zwischen Juli 1896 und September 1900 ein Herren-Garderoben, Hut- und Schuhwarengeschäft. Noch 1906 wird bei einer Geschäftseröffnung an der gleichen Stelle auf das Byk'sche Geschäft ("früher Gustav Bick") verwiesen.[107] Könnte der Umzug Byks 1901 durch guten Geschäftsgang in Pirna möglich geworden sein?

Bei Byk ist vermutlich auch der Commis Benno Hamburger aus dem oberschlesischen Tworog tätig gewesen, und zwar von 1896 bis 1900, ehe er nach Glogau verzog.[108]

Der aus Posen stammende Kaufmann Max Aron Neumann lebt mit seiner Familie nur ein Jahr und drei Monate in Pirna (1900-1901), aber zwei seiner Kinder werden hier geboren.[109] Womit er hier seinen Lebensunterhalt bestritt, ist nicht bekannt. Nach seinem Wegzug besitzt er in Dresden auf dem "Weißen Hirsch" eine Kurpension.[110]

Das Byk'sche Geschäft übernimmt mit dem gleichen Sortiment im September 1900 dessen Schwager Baruch Herzfeld aus dem schlesischen Kreis Strelitz. Lina Byk und Goldchen Herzfeld waren Schwestern. Herzfelds hatten sechs Kinder, von denen vier in Pirna zur Schule gegangen sein müssen. 1906 meldet Baruch Herzfeld sein Gewerbe ab und verzieht nach Treuen im Vogtland.[111]

Der 23jährige Kaufmann Isaak Haller aus Kattowitz war von 1903 bis 1908 bei Linz beschäftigt und begab sich dann nach Halberstadt, wo er möglicherweise eine selbständige Existenz begründen konnte.[112]

Für Sonnabend, den 3.März 1906 kündigt Max Scharf, in Oberschlesien geboren und aus Radeberg zugezogen, die Eröffnung seines Geschäfts in der Schuhgasse 16 an.[113] Er setzt das Byk'sche, später Herzfeld'sche Geschäft direkt fort und betreibt es über 13 Jahre lang bis zum Juni 1919 mit etwas verändertem Warenangebot, laut Anzeige: "Herren- und Knaben-Garderobe sowie Arbeiterkonfektion, Schuhwaren für Damen, Herren und Kinder."[114] 1919 verzieht das Ehepaar Scharf nach Breslau, woher Frau Scharf stammte.

Am 22. August 1906 lässt sich der im österreichischen Russisch-Banilla geborene Geschäftsreisende Jacob Engler mit seiner Frau Schifra und den Töchtern Anna und Marie in Pirna nieder.[115] 1917 wird noch ihre Tochter Ilse geboren.

Jacob Engler versucht es, einen Kurz- und Galanteriewarenhandel aufzubauen, ehe er schließlich zum Trödelhändler wird und am Ende ein Pfandleihgeschäft führt, das nach seinem Tode am 1.3. 1923[116] seine Frau bis 1938 aufrecht erhält.[117]

Aus Bautzen kommt 1908 der 29-jährige Adolf Zimmering und seine Frau Cejta. Beide sind in Horodenka, Galizien geboren, mithin "Ostjuden" wie Englers. In der Langestraße 10 betreibt Adolf Zimmering ein Uhrenreparaturgeschäft.[118] Zu ihrem in Dresden geborenen Sohn Siegfried gesellen sich in Pirna die Brüder Max (geboren am 16.11.1909) und Josef (1911).[119] Da Adolf Zimmering die sächsische Staatsbürgerschaft erworben hat, ist er auch militärdienstpflichtig. Im ersten Weltkrieg wird er zum Kriegsdienst eingezogen. Ihres Ernährers beraubt, zieht Frau Zimmering im Mai 1915 mit ihren damals 8, 6 und 4 Jahre alten Knaben zu Verwandten nach Dresden. Dort lebten drei Schwestern Zimmerings mit ihren Familien. Das Geschäft muss aufgegeben werden.

Max Zimmering kennen wir als Dichter und Schriftsteller. In den 20er Jahren arbeitet er in Dresden als Schaufensterdekorateur, wird 1928 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes, 1930 der KPD. Seit 1928 veröffentlicht er als Arbeiterkorrespondent Gedichte und Prosa für die "AIZ und die "Linkskurve" und wird Mitglied des Bundes proletarisch revolutionärer Schriftsteller. 1933 emigriert er in die Tschechoslowakei, später nach Frankreich, Palästina und England, wo er Redakteur der in London erscheinenden Monatsschrift "Freie deutsche Kultur" wird und auch für andere antifaschistische Zeitschriften schreibt. 1946 kehrt er nach Dresden zurück, ist hier zwischen 1946 und 1953 Redakteur der "Zeit im Bild" und gehört zu den rührigsten Mitarbeitern im Bezirksverband der Schriftsteller in Dresden.

Zwischen 1956 und 1958 ist er Verbandssekretär des Schriftstellerverbandes der DDR und folgt dann dem Ruf als Direktor des Instituts für Literatur "Johannes R. Becher" in Leipzig.[120] Seit 1964 bis zu seinem Tode am 15.9.1973 lebt er als freier Schriftsteller in Dresden. Von ihm stammen eine Reihe Gedichtbände, Jugendbücher und u.a. der Roman "Phosphor und Flieder", der die Zerstörung Dresdens im Februar 1945 zum Gegenstand hat.[121] Max Zimmering war Ehrenbürger der Stadt Pirna. Eine Schule auf dem Pirnaer Sonnenstein trug seinen Namen.

Schloma Simon Rath stellt sich im Juli 1908 in der Schössergasse 1 mit einem recht bunten Geschäft vor. Es vereint Modewaren, Herrengarderobe, Uhren, Spiegel und Bilder.[122] Das noch junge Ehepaar Rath ist osteuropäischer Herkunft; er stammt aus dem galizischen Kolomea, sie aus einem kleinen Ort bei Lodz. Nach nur dreijähriger Tätigkeit ziehen sie nach Leipzig um.[123]

 

Schwierigkeiten des Lebens in einer kleinen Stadt

Mit dem Jahre 1867 waren Juden gleichberechtigte Bürger in Sachsen. Waren sie damit tatsächlich in der Gesellschaft als Gleiche aufgehoben? Diese rein juristische Sicht verstellt den Blick auf die ganze Wirklichkeit. Was zum frühen Antisemitismus in unserem Raum hier verknappt auszusagen war, macht bereits einige Blockierungen erkennbar.

Die chronologische Übersicht über jüdische Einwohner in Pirna zwischen 1876 und dem 1.Weltkrieg gibt nichts weiter als einen kargen Abriss. Mehr ist bei den meist auf nüchterne personale und gewerbliche Angaben beschränkten Quellen auch nicht möglich. Überlebende, die sich dieser jüdischen Bürger erinnerten und uns helfen könnten, ihre Lebensumstände deutlicher werden zu lassen, gibt es heute kaum noch.

Dennoch werden einige Zusammenhänge erkennbar. Auf sie soll im folgenden kurz verwiesen werden.

In Pirna bestimmte, wie in jeder kleineren Stadt, bis in die Anfänge unseres Jahrhunderts eine relativ dünne Schicht von Honoratioren das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben. Sie nahm Fremde, wenn sie nicht gerade als staatlich Beamtete oder Militärs Einzug hielten, nur nach langer Zeit an und auf. Erst recht begegneten diese bestimmenden Leute jedem Juden mit Vorbehalt, Abneigung und Misstrauen.

Die einheimische Kaufmannschaft, auch Handwerker, machten sofort in jüdischen Kaufleuten eine gefährliche und von vornherein als unlauter verdächtigte Konkurrenz aus.

Wenn sich im 19. und zu Beginn des 20.Jh. Juden in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Görlitz oder Plauen niederließen, dann konnten sie auf die Schutzfunktion ihrer jüdischen Gemeinde bauen. Zudem kann der einzelne in einer Großstadt weitgehend seine Anonymität bewahren, wenn er nicht gerade an exponierter Stelle tätig ist. In Pirna war beides nicht möglich.

Im überschauten Zeitraum lebten allem Anschein nach nie mehr als 10 jüdische Familien gleichzeitig in unserer Stadt. Sie bildeten keine eigene Religionsgemeinde, verfügten also auch nicht über Synagoge oder Bethaus als einer ständigen oder periodischen Begegnungsstätte.

Soweit sie der jüdischen Glaubensgemeinschaft verbunden waren, dürften sie der Dresdner Religionsgemeinde angehört haben.

Dass jüdische Tradition auch hier bewusst behauptet wurde, beweist der Antrag des Kaufmanns Kaminsky vom 24. Juli 1907 an den Stadtrat, jüdischen Religionsunterricht in Pirna zu ermöglichen.

 Dieses Gesuch findet nicht gleich ungeteilte Zustimmung im Sinne religiöser Toleranz. Es dauert ganze fünf Monate, ehe man sich zu einer positiven Entscheidung bereit findet. Zunächst löst der Antrag Kaminskys im Stadtrat eine Diskussion über die "Schädigung der Kaufmannschaft durch jüdische Geschäfte" aus - Gewinnbedürfnisse stehen vor religiöser Duldung. Schließlich wird über eine Mietforderung für die Nutzung eines Raumes in einer Schule in Höhe von 25 - 30 Mark jährlich entschieden, "welcher Beitrag ungefähr dem Ausfalle entspricht, den die evangelische Schulgemeinde dadurch erleidet, dass die Kinder am evangelischen Religionsunterricht nicht mehr teilnehmen", eine heute nachdenklich stimmende Entscheidung![124]

Immerhin ist es so ab Januar 1908 möglich geworden, dass der Dresdner Oberrabiner, der Literaturhistoriker Prof. Dr. Winter, und die Lehrerin Flora Wolfsohn, ebenfalls aus Dresden, sonntags von 10 - 12 Uhr jüdischen Religionsunterricht erteilen konnten. Da Religion Pflichtfach war, wurde selbst die Teilnahme am jüdischen Religionsunterricht streng überwacht. Nachlässigkeit löst sofort Reaktion der Aufsichtsbehörde aus. So wird der Fabrikbesitzer Heß 1912 nachdrücklich darauf verwiesen, wer nicht den evangelischen besuche, müsse am jüdischen teilnehmen.[125]

Wer sich in Pirna unter den angedeuteten Umständen als jüdischer Kaufmann und Geschäftsgründer behaupten wollte, musste entschieden besser sein als seine deutschen Konkurrenten. Er war angehalten, seine Kundschaft durch preiswertere, qualitativ einwandfreie Erzeugnisse zu gewinnen, stets neu anzuziehen und sich viel einfallen zu lassen, z.B. regelmäßige Lagerräumungen, Saisonverkäufe, wirksame Werbung, Großabnehmern eingeräumte Sonderkonditionen und allgemeine Risikobereitschaft.

In diesem Kampf hielten einige erfolgreich über mehrere Jahrzehnte durch (Kaminsky, Cohn, Linz, Rose, das Warenhaus Albert Langer, vorm E. Rohr Nachf.).

Einige schafften hier einen erfolgreichen Start, der es ihnen gestattete, ihre Geschäftstätigkeit in Großstädte zu verlegen (Goldschmidt nach Breslau, Rose nach Berlin, Prinz, Weiß, Neumann nach Dresden, Ikenberg nach Remscheid).

Andere gaben in dieser ablehnend kalten Atmosphäre nach kurzer Zeit auf.

Die relativ wenigen jüdischen Kaufleute, alle im Textilbereich, später auch im Schuhverkauf tätig und dicht beieinander mit ihren Geschäften, waren auch untereinander Konkurrenten.

Auffällig ist die starke Fluktuation. Von den 27 hier bis zum 1. Weltkrieg Verzeichneten reicht bei 10 die Aufenthaltsdauer bis zu 5 Jahren, bei 6 bis zu 10, bei 5 bis zu 15, bei einem bis zu 20 Jahren. Die Firma Linz bestand 32 Jahre. Bis in die Nazizeit hielten lediglich die Familien Cohn, Kaminsky, Heß und Engler durch. AufSchlussreich ist auch die Herkunft der jüdischen Familien.

Sechzehn kamen aus den wirtschaftlich rückständigen Gebieten Deutschlands: den preußischen Provinzen West- und Ostpreußen und Schlesien, zwei aus ländlichen Gebieten Ungarns und Böhmens, drei waren "Ostjuden" aus dem vor dem 1. Weltkrieg noch zu Österreich gehörigen Galizien und lediglich fünf aus Mittel- und Westdeutschland. Ikenbergs stammten aus den USA  und gehörten zu denen, deren Hoffnungen sich im "Lande der unbegrenzten Möglichkeiten" nicht erfüllten.

Pirna dürfte auch Durchgangsstation für manche aus jenem Strom junger Juden aus östlichen Gebieten gewesen sein, die in Richtung Mittel- und Westeuropa und in die USA aufgebrochen waren, um der Armut, der Perspektivlosigkeit, Verfolgung, manchmal auch der traditionellen Enge ihrer jüdischen Gemeinden zu entfliehen. In den Einwohnerverzeichnissen begegnen uns viele weitere Juden beiderlei Geschlechts, die sich vorübergehend, nur kurz in Pirna aufhielten.

So zogen bei Cohns und Englers mehrfach Verwandte und Bekannte aus dem Osten ein, wurden manchmal für einige Monate beschäftigt, ernährt, erwarben hier das für die Weiterreise nötige Geld. Für sie war Pirna Zwischenstation auf der Suche nach dauerhaften Erwerbs- und Niederlassungsmöglichkeiten.[126]

Die sächsische Staatsbürgerschaft erwarben nachweislich die Familien Cohn, Heß, Kaminsky und Zimmering.

 

Zwischen erstem Weltkrieg und Hitlerfaschismus

Von den insgesamt 28 nachweisbaren jüdischen Familien, die in den vierzig Jahren zwischen 1876 und 1914 nach Pirna einzogen, waren am Ende des ersten Weltkrieges noch die von Cohn, Kaminsky, Heß, Linz und Engler verblieben.

Alfred Cohn, Walter Kaminsky, Manfred Heß und Adolf Zimmering hatten, wie andere wehrdienstfähige Männer unserer Stadt, am Krieg teilgenommen. Während die Eltern der ersten drei ihre Unternehmen während des Krieges aufrechterhalten konnten, bedeutete für Adolf Zimmering die Kriegsteilnahme das Ende seiner Geschäftstätigkeit.

Die Weimarer Republik verankerte in ihrer Verfassung erstmals allgemeine Grundrechte, unterschiedslos für alle Bürger. Das sicherte auch Juden die gleichen Freiräume,[127] sofern sie deutsche Staatsangehörige waren. 

“Tatsächlich kam es die ganzen 20er Jahre hindurch (vor allem, aber nicht nur in München und Berlin) zu antisemitischen Straßenkrawallen >von unten< und ohne massive Gegenbewegung. Wie schon in der Zeit des >Krachs< nach 1873 wurden im Hyperinflationsjahr 1923 Juden auf der Straße zusammengeschlagen und jüdische Geschäfte geplündert. Auch zwischen 1924 und 1929 wurden immer wieder jüdische Friedhöfe geschändet, es gab zahlreiche Anschläge auf Synagogen und andere antisemitische Gewalttaten; oft ganz >spontan< durch Jugendliche und sogar Schulkinder verübt (Walter 1999). Die Nazis konnten auf der Welle eines gesellschaftlich weitverbreiteten Antisemitismus schwimmen.” Robert Kurz, Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt am Main 1999, S. 430.

Nicht Eingebürgerte unterlagen weiterhin dem Ausländerrecht. Das traf auf Jacob Engler und seine Familie zu.

Wie die jüdischen Handels- und Gewerbeunternehmen die tiefe politische und wirschaftlich-soziale Nachkriegskrise überstanden, lässt sich heute im einzelnen nicht mehr aufklären. Die geradezu wahnwitzige Inflation bis zum Jahresausgang 1923 beschwor ein Massenelend herauf, das Folgen für alle im Wirtschaftsleben hatte, mit Ausnahme weniger Inflationsgewinnler. Konkrete Wirkungen für unsere Stadt sind, bis auf den Herbst 1923,[128] noch nicht untersucht worden.

Lediglich die Jahre von 1924 bis 1929 brachten konjunkturellen Aufschwung, oft wird sogar von den "goldenen Zwanzigern" gesprochen, und gerade in dieser Phase wurden in Pirna eine Reihe neuer jüdischer Handelsunternehmen begründet.

Sie alle erlebten jedoch schwierige Zeiten in der Ende 1929 hereinbrechenden Weltwirtschaftskrise, die für Pirna und den gesamten Landkreis zu Spitzenwerten der Massenarbeitslosigkeit innerhalb Sachsens führte, wobei Sachsen wiederum in Deutschland das am stärksten betroffene Land war. Die verheerende Verelendung großer Teile der Arbeiterschaft und auch anderer sozialer Schichten ließ die Kaufkraft der Bevölkerung rasch und stark absinken und verschlechterte natürlich gravierend die Existenzbedingungen für alle Handelsbetriebe.

Genauere Forschungen über diese Periode der Stadtgeschichte stehen ebenfalls noch aus. Eines aber lässt sich mit Gewissheit folgern: Diese Krise bereitete auch hier den sozialen Boden, auf dem sich die braune Pest ausbreiten konnte.

Nach der Begründung von NSDAP-Ortsorganisationen in Bad Schandau und Neustadt in der ersten Hälfte der 20er Jahre entstand 1929 auch eine in Pirna, sowie SA-, SS- und HJ-Gruppen, die sehr bald mit gewalttätigen Aufmärschen und antisemitischen Hasstiraden an die Öffentlichkeit traten. Sie fanden bald bei Wahlen starken Zulauf, wie die nachfolgende Übersicht zeigt.

Ergebnisse der Reichstagswahlen in der Stadt Pirna 1928-1933

 

Jahr

SPD

KPD

NSDAP

DNVP

DVP

Zent

DDP

1928

4864

4013

144

2383

1953

311

1077

1930

4896

4479

2887

790

313

315

1381

1932

4623

5030

6394

995

851

380

272

1932

4475

4977

5207

1438

847

359

254

1933

4640

5411

7412

1697

598

404

215

1932: Wahlen im Juli und im November. DNVP = Deutschnationale Volkspartei, DVP = Deutsche Volkspartei, Zent = Zentrum, DDP = Deutsche Demokratische Partei[129]

In diesen wechselvollen Jahren suchen mindestens 13 Juden in Pirna eine neue Existenz.

Noch vor Kriegsende bezieht der türkische Justizbeamte Schemseddin Arif im September 1918 für ein dreiviertel Jahr mit Frau und zwei kleinen Kindern eine Wohnung in der Reitbahnstraße. Alle sind türkische Staatsangehörige und "mosaischer Religion". Was ihn als Bürger der mit dem deutschen Kaiserreich verbündeten Türkei nach Pirna führte, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.[130]

 

Aus dem russisch-polnischen Bialystok kommen im August 1918 Pinchos Tschaczkowski, 28 Jahre, und im Januar 1919 Abram Weinberg, 24 Jahre, nach Pirna. Ob sie beide sich kannten, der eine dem anderen folgte, ist nicht bekannt. Tschaczkowski wird im September 1919 wegen Preiswuchers und Vergehens gegen die Reichsgetreideordnung polizeilich belangt. Weitere Maßnahmen unterbleiben; es handelte sich offenbar um ein Bagatelldelikt.

Im Juli 1920 versucht er in der Schössergasse 7 gemeinsam mit einem jungen Deutschen, der aber bald aussteigt, einen Zigarren-, Zigaretten- und Tabakhandel. Im Oktober 1923, auf dem Inflationshöhepunkt, geht das Geschäft ein.[131]

Kümmerlich schlägt er sich in der Folgezeit als Handelsreisender durch. Eine Bleibe hat er schon 1919 bei einer benachbarten Schankwirtin gefunden, was dieser wegen "wilder Ehe" eine polizeiliche Untersuchung beschert, noch schlimmer aber: 1936 eine akute Gefährdung "wegen Rassenschande".

 Ermittelt wird da durch die Gestapo gegen Tschaczkowski und mit ihm liiert gewesene weibliche "Arierinnen". Tschaczkowski aber hatte bereits Anfang der 30er Jahre Pirna und im Dezember 1935 Deutschland in Richtung Heimat verlassen. So verläuft das Verfahren im Sande.[132] Pinchos Tschaczkowski war eine schillernde Persönlichkeit, ein durchaus ansehnlicher, charmanter und begehrter junger Mann. Im Pirnaer Arbeitersportverein spielte er Fußball und war als "Pinne" bei seinen Kumpels beliebt.[133] Was mag aus ihm geworden sein?

Der Gerber Weinberg lebt zunächst zur Untermiete in der Plangasse 11. Er heiratet hier eine evangelische Pirnaerin. Im April 1920 kommt ihr Sohn zur Welt. Dass Weinberg in Pirna eine Arbeit in seinem Beruf fand, ist wenig wahrscheinlich.[134] Emmi Weinberg versucht es 1920 in der Plangasse mit "Groß- und Kleinhandel mit Zigarren, Zigaretten, Rauch-, Kau- und Schnupftabak" - ein schwieriges Unterfangen in dieser Zeit.[135] So bricht die junge Familie Ende Januar 1921 gen Hamburg auf. Sind sie von dort aus über den "großen Teich" nach Amerika? Ein Indiz gibt es dafür, dass sie 1939 nicht mehr in Deutschland waren: Weder für Weinberg noch für seinen Sohn wird da der Zusatzname "Israel" beantragt.

Bruno Freymann, der bereits zwischen 1914 und 1917 insgesamt viermal (28 Monate) bei "Albert Langer, vorm. E. Rohr Nachf." in der Dohnaschen Straße 52 beschäftigt war und in dieser Zeit auch in Pirna wohnte, kommt im September 1922 als Geschäftsführer des zum Warenhaus-Konzern Messow und Waldschmidt in Dresden gehörenden Kaufhauses nach Pirna. Er ist inzwischen verheiratet und Vater eines zweijährigen Knaben. In Pirna wird 1923 das zweite Kind, ein Mädchen, geboren.[136]

Der Bücherrevisor, Steuer- und Wirtschaftsberater Ernst Fernbach lässt sich 1922 oder 1923 mit seiner Frau in Pirna nieder. Hier werden dem Ehepaar am 19.7.1924 Zwillinge geboren, ein Mädchen und ein Junge. Die Familie wohnt in der Bergstraße, danach in der Reichsstraße.

                 

Ernst Fernbach                                    Inge und Linders Fernbach im Alter von 8 Jahren

1936 stirbt Ernst Fernbach. Seine Frau, eine "Arierin" im Sprachgebrauch der Nazis, verlässt mit ihren Kindern Pirna und zieht wieder in ihre Heimatstadt Cuxhaven.[137]

In der Niederen Burgstraße 3 besteht zwischen Oktober 1925 und Februar 1929 ein Laden für "Manufakturwaren, Konfektion und Schuhwaren sowie Trödelhandel",[138] den Betty Zloczower, genannt Rittberg, aus Dresden betreibt. Er muss nicht viel abgeworfen haben. Betty Zloczower/Rittberg überträgt ihn im Mai 1928 an ihre Mutter Marijam, die das Geschäft bereits im Februar 1929 aufgibt.[139]

Im Juni 1926 eröffnet Wolf Jurmann zunächst in der Dohnaschen Str. 43 ein Textilwaren- und Bettfederngeschäft,[140] zieht mit ihm aber schon nach drei Monaten in die Schössergasse 1 und 10b (zwei einander gegenüberliegende Läden) und lässt sich dann im April 1929 am Markt 14 mit erweitertem Warenangebot nieder.[141] Wolf Jurmann ist in Chliwestie, in der rumänischen Bukowina geboren, während eines Besuchs seiner Eltern, einer Lübecker Kaufmannsfamilie, in ihrer alten Heimat, wächst aber in Lübeck auf. 1916 erwirbt er dort die deutsche Staatsangehörigkeit und wird daraufhin zum Kriegsdienst eingezogen. Zu ihrem Sohn Manfred gesellt sich in Pirna 1929 dessen Bruder Esra.

Im "Pirnaer Anzeiger" vom 27.10.1926 teilt Benno Weiner seine Geschäftseröffnung so mit:

"Vielfachen Wünschen unserer geehrten Kundschaft von Pirna und Umgebung nachkommend, eröffnen wir am Freitag, dem 29. Oktober 1926 in Pirna, Am Markt, Ecke Schössergasse 11 eine Filiale in Herren- und Damenkonfektion...erstklassige Qualitäten...zu billigen Preisen. Kaufhaus Weiner, Dresden, Schössergasse 9, am Altmarkt."

Das war nun Weiners bereits 2. Filiale, denn auch in der Heidenauer Bismarckstraße 17 hatte er Geschäftsräume. Er führt auch Konfektion für Kinder, ferner "Wäsche, Herrenartikel und sonstige Kleidungsstücke".[142]

Was Ernst Noack 1927 nach Pirna geführt hat, ist nicht bekannt. Er ist am 29.1.1897 in Landsberg an der Warthe geboren. Seine Jugendzeit ist geprägt durch den ersten Weltkrieg, in den er nach kurzem, abgebrochenem Jurastudium hineingeworfen wird. Verwundungen, Verschüttung und französiche Kriegsgefangenschaft lassen ihn körperlich und nervlich zerrüttet aus dem Krieg heimkehren. Diese Erlebnisse haben aber auch sein Denken geformt. Allem Anschein nach hat ein depressives Leiden ihn mehrere Jahre arbeits- und aktionsunfähig gemacht. Erst am 17.9.1930 hebt das Amtsgericht Pirna seine "Entmündigung wegen Geisteskrankheit" auf. Er ist zu dieser Zeit seit 1.4.1930 arbeitslos und lebt mit seiner Ehefrau Ida, die aus Pirna-Posta stammen soll, von einer monatlichen Kriegerfürsorgeunterstützung in Höhe von 60,95 RM. Vor seiner Arbeitslosigkeit war er als Spinner im Kunstseidenwerk Küttners beschäftigt.

Ernst Noack gehört seit 1931 der KPD und der Roten Hilfe an, deren Rechtsschutzvertreter er in Pirna wird. Er schreibt Berichte für die kommunistische "Arbeiterstimme". Im Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit ist er Hauptkassierer.[143]

Das größte Kaufhaus entsteht in Pirna im September 1928. Es ist das "EHAPE", ein Einheitspreisgeschäft der von Leonhard Tietz in Köln begründeten Aktiengesellschaft für Einheitspreise, die heute noch im "Kaufhof" weiterlebt. In der Breiten Straße 19 handelt sie laut Gewerbeanmeldung mit "Kurz- und Galanteriewaren, Textil- und Tapisseriewaren, mit Stoffen, Gardinen Tabakwaren, Seife und Parfümerien, Haushaltsgegenständen, Herrenartikeln, Spielwaren und Lebensmitteln."[144]

Das "Schuhaus Neustadt" in der Breiten Straße 7 entsteht im Oktober 1928 als ein Filialbetrieb des in Dresden angesiedelten Stammhauses von Leopold Neustadt. Es führt neben Schuhwaren und deren Nebenartikeln auch Strümpfe.[145]

Max Tabaschnik, in Krippen als Dentist tätig, macht im September 1929 in der Schmiedestraße 32 eine dienstags, donnerstags und sonnabends geöffnete "Filial-Zahnpraxis" auf, siedelt bald aber ganz nach Pirna in die Weststraße 32 (Siegfried-Rädel-Str.) über.[146]

Tabaschnik stammt aus der Ukraine, kam bereits mit 16 Jahren 1910 nach Deutschland, erlernte in Karlsruhe den Zahntechniker-Beruf und wurde nach zeitweiliger Internierung während des ersten Weltkrieges nach dem Krieg staatenlos. Er sympathisiert mit der Arbeiterbewegung, ohne Mitglied einer Partei zu werden, behandelt während der Krise Arbeitslose gegen geringes Entgelt oder ganz umsonst und betätigt sich bei den Arbeitersamaritern.[147]

Owsey Gorstein, der ebenfalls aus Russland stammt und in Dresden wohnt, meldet Anfang Dezember 1930 sein Schuhwarengeschäft in der Schössergasse 11 (neben Weiner) an,[148] zieht bald in die Schössergasse 6 um, geht aber bereits im Januar 1932 in Konkurs - ein Opfer der Krise, die die Schwächeren, zu denen er sicher gehörte, zuerst hinwegraffte.

Noack und Tabaschnik waren über berufliche Tätigkeit und gesellschaftliches Engagement als Gleiche bei vielen Pirnaern anerkannt und geachtet.

Sicher erfreuten sich auch viele Handel- und Gewerbetreibende bei ihren Kunden größeren Vertrauens, werden ihnen doch besondere Freundlichkeit, ansprechende Bedienung und reelles Preisniveau nachgerühmt. Das war für alle wichtig, die mit Arbeitslosen-, Krisen- oder Wohlfahrtsunterstützung auskommen mussten. So kam die Mehrzahl auch relativ unbeschadet über die Krise. Gleichzeitig erregte das aber Neid und Mißgunst bei ihren deutschen Konkurrenten, die sich oft von antisemitischen Hetzparolen der Nazis einfangen und weis machen ließen, gerade die jüdischen Unternehmen, besonders Warenhäuser und Einheitspreisgeschäfte, wären an ihrer wirtschaftlichen Misere schuld. Dafür gibt es mehrfach Zeugnis im "Freiheitskampf", der Nazizeitung für unsere Region.

 

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Anmerkungen

StA.P.   =             Stadtarchiv Pirna

EV        =             Stadtarchiv Pirna, Einwohnerverzeichnis

PA        =             "Pirnaer Anzeiger"

B          =             alle B-Signaturen: Stadtarchiv Pirna

RGBl.    =             Reichsgesetzblatt

 

[1] Richter, Otto, Verfassungsgeschichte der Stadt Dresden. Dresden 1885, S.226-236.

[2] Juden in Leipzig. Leipzig 1994, S.9; Eschwege, Helmut, Geschichte der Juden im Territorium der ehemaligen DDR, Teil 2. Maschinenschriftliches Manuskript, Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur, HATIKVA, in Dresden.

[3] Juden in Leipzig, S.8.

[4] Richter, S.230/231.

[5] Vgl. Költzsch, Fritz, Kursachsen und die Juden in der Zeit Brühls. Engelsdorf b. Leipzig 1928.

[6] Richter, S.236.

[7] Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, Nr 23. Gesetz, die Religionsausübung der Juden und den für diesen Endzweck ihnen zu gestattenden Erwerb von Grundeigentum betreffend; vom 18ten Mai 1837.

[8] Gesetz- und Verordnungsblatt...1838, Nr.64.

[9] Vgl. Eschwege, Geschichte der Juden..., Teil 2.

[10] Meiche, Alfred, Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927, S.237, - (nach Codex diplomaticus Saxoniae regiae II,5,337).

[11] Ebenda, S.257.

[12] Vgl. Eschwege, Geschichte der Juden..., S.643.

[13] StA.P., Ratsprotokolle der Stadt Pirna, 18. Nov. 1697 bis den 7. September 1706, S.365.

[14] StA.P., Raths Protocol der Stadt Pirna. De Anno 1706 biß Decembr. 1730, Protokoll vom 3.1.1708, S.78.

[15] Ephoralarchiv Pirna, 40. Pirna, St. Marien, Akte 4396, Miscellanea Bd.1, 1660-1742, Bl. 34a-41b.

[16] Vgl.: Hofmann, Reinhold, Die Schweden in Pirna, P.A., vom 10.5.1891!

[17] Hofmann, Rd.Reinhold, Handel und Gewerbe der Stadt Pirna in alter Zeit. Manuskript-Abschrift im Stadtarchiv Pirna, E II, 59a, S.IX. Siehe auch „Pirnaer Anzeiger“ vom 13.1.1906.

[18] Költzsch, S.236.

[19] Vgl. StA.P., Ratsprotokolle 1744-1752, S.387 und 967.

[20] StA.P., Jahresrechnung über Einnahme und Ausgabe bey Raths Cämmerey von Michaelis 1801 bis dahin 1802, Bl. 103.

[21] Richter, S. 236.

[22] Vgl. Löser, Karl, Pirna im 19.Jahrhundert, 1846.

[23] B II-XXVII, 08 - Acten, die Aufnahme der Bevölkerungslisten betreffend. (Zusammenfassungen für die betreffenden Jahre)

[24] Vgl. PA, vom 8.12.1933, S.2 (Psychiatrie in Pirna)

[25] Zeitschrift des Kgl. Sächsischen Statistischen Büros. Ergebnisse der Volkszählungen. Siehe Anhang!

[26] EV. R I, 16.

[27] EV. R I, 16; Auskunft der Urkundenstelle beim Landratsamt Pirna.

[28] PA, vom 20.8.1876.

[29] EV. R I, 16.

[30] EV. F I, 46.

[31] PA, vom 17.3.1878, S.5 der Beilage Nr. 65 und PA, vom 21.3.1876. Siehe auch: StA.P., B IV, 1028, Bl.27.

[32] EV. P I, 16.

[33] EV. G I, 18.

[34] EV. G I, 19.

[35] EV. G I, 219.

[36] EV. R I, 201.

[37] Vgl. EV. G I, 18,19, 219, und R I, 201!

[38] EV. C I, 6.

[39] St.A.P., B III-XXVI, 183, 553.

[40] EV. I I, 62.

[41] EV. I I, 62 und B II-XXII, 130, 1886/93.

[42] EV. G I, 236.

[43] B II-XXII, 130, 1889/80.

[44] z.B. PA, vom 5.7.1891, S.9.

[45] B II-XXII, 130, 1891/67.

[46] EV. W I, 281.

[47] B II-XXII, 130, 1899/159 und EV. G I, 236.

[48] EV. R i, 286.

[49] EV. R I, 338.

[50] B II-XXII, 130, 1893/124.

[51] PA, vom25.1.1894, S.7.

[52] PA, vom 28.1.1894, S.10/11.

[53] Adreßbuch, Pirna 1914, Abt. IV, Einwohnerverzeichnis, S.25.

[54] EV. H II, 2274.

[55] PA, vom 7.6.1900, S.4.

[56] B II-XXII, 130, 1894/40.

[57] B II-XXII, 131, 1901/25 und EV. P I, 443.

[58] B II-XXII, 131, 1903/26.

[59] B III-XXII, 854/1, 1908/135.

[60] B III-XXII, 854/1, 1911/51.

[61] EV. F II, 2706.

[62] Brief von H.J.Freymann vom 11.12.1993.

[63] B III-XXII, 857, 1929/186 und Adreßbuch, Pirna 1932, S.270.

[64] B III-XXII, 857, 1938/83 und PA, vom 26.5.1936, S.4.

[65] B III-XXII, 857, 1939/28.

[66] PA, vom 7.10.1886, S.4.

[67] Vgl. Diamant, Chronik der Juden in Dresden. Darmstadt 1973.

[68] Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789-1945). In vier Bänden. Hg. Von Dieter Fricke. Leipzig 1983-1986, Bd.1, S.78.

[69] Ebenda, S.79.

[70] Ebenda.

[71] Ebenda, S.79/80.

[72] Ebenda, S.80/81; Juden in Leipzig, S.15.

[73] Lexikon zur Parteiengeschichte, unter Antisemitische Parteien 1879-1894 (Bd.1), Deutschsoziale Reformpartei 1894-1900, Deutsche Reformpartei 1900-1914, Deutschsoziale Partei 1900-1914, Deutschvölkische Partei 1914/1918 (bD.2), Deutschvölkische Freiheitspartei 1922-1933 und NSDAP (Bd.3).

[74] PA, vom 28.2.1890, S.7.

[75] PA, vom 22.2.1890, S.1 und vom 2.3.1890 (Stichwahl).

[76] StA.P., B II-XXII, 2 und 3, Reichstagswahlen.

[77] Lexikon zur Parteiengeschichte. Bd.1, S.85f; Bd.2, S.63.

[78] PA, vom 9.6.1893, S.8.

[79] PA, vom 10.6.1893, S.4.

[80] PA, vom 13.6.1893.

[81] Ebenda.

[82] PA, vom 14.6.1893.

[83] Vgl. Jensch, Hugo, Überblick über die Anfänge der Arbeiterbewegung in Pirna und seiner Umgebung (1849-1890). Pirna 1988, S.42.

[84] Ebenda.

[85] Ebenda, S.44.

[86] B III-XXVI, 03, Bl. 117-121 (Acten, die Sozialdemokratie betreffend 1874-1918).

[87] B III-XXVI, 13, Bl. 128/129 (Dozialdemokratie betreffend 1878-1918).

[88] PA, vom 17.6.1893, S.1.

[89] PA, vom 21.6.1893.

[90] PA, vom 25.6.1893.

[91] Lexikon zur Parteiengeschichte, Bd.1, S.86.

[92] PA, vom 16.12.1893, S.7. Im Anhang wiedergegeben.

[93] PA, vom 29.5.1898, S.13.

[94] PA, vom 16.6.1898, S.1.

[95] PA, vom 18.6.1898, S.5.

[96] PA, vom 17.9.1898, S.1.

[97] EV. K I, 474.

[98] B III-XXII, 859, 1935/89.

[99] B III-XXII, 551.

[100] EV. L I, 249 und PA, vom 14.10.1894, S.7.

[101] EV. L I, 301 und B II-XXII, 130, 1898/49.

[102] B II-XXII, 859, 1930/79 und B III-XXII, 61, Bl. 158-168.

[103] PA, vom 29./30.1.1938, S.4.

[104] EV. H I, 61.

[105] EV. B I, 408.

[106] B II-XXII, 130, 1896/72.

[107] PA, vom 1.3.1906, Anzeige Scharff.

[108] EV. H II, 2746.

[109] EV. N I, 137.

[110] B IV, 1028, Bl. 29 und 30.

[111] EV. H I, 796.

[112] EV H II, 4218.

[113] EV. S I, 1241.

[114] PA, vom 1.3.1906 und B II-XXII, 131, 1906/22.

[115] EV. E I, 219.

[116] Auskunft: Urkundenstelle beim Landratsamt Pirna.

[117] B III-XXVI, 183, 1162.

[118] B III-XXII, 854/1, 1908/126.

[119] EV. T I, 208.

[120] Lexikon sozialistischer deutscher Literatur. Halle (Saale) 1963, S. 560ff.

[121] Meyers neues Lexikon. Leipzig 1977, Bd. 15, S.442.

[122] B II-XXII, 854/1, 1908/101.

[123] EV. R I, 717.

[124] B II-XVI, 190.

[125] Ebenda, Bl.21.

[126] Die Einwohnerberzeichnisse A-Z, II bergen Vermerke über zahlreiche ledige Personen „mosaischer“ Religion, die sich nur kurze Zeit, oft nur wenige Tage, manchmal auch mehrere Monate, in Pirna aufhielten.

[127] fast, denn Juden als Beamte gab es in Sachsen bis 1933 nicht. Vgl. Eschwege!

[128] Vgl. Rieger, Heinz, Pirna im Herbst 1923. Die revolutionäre Situation im Herbst 1923 und der Reichswehreinmarsch in Pirna. Pirna 1957.

[129] Ergebnisse im „Pirnaer Anzeiger“ und in den Jahresberichten des Stadtrates Pirna von 1928, 1930, 1932, 1933 unter „Wahlen“.

[130] EV. A I, 230.

[131] B II-XXII, 855, 1920/119.

[132] B III-XXVI, 183, 1450.

[133] Gespräch mit A.P.

[134] EV. W I, 918.

[135] B II-XXII, 855, 1920/50.

[136] Heinz Joachim, geb. 1920 in Dresden, Marion, geb. 1923 in Pirna. (Briefe H.J.Freymanns an den Verfasser)

[137] Ebenda und B III-XXII, 61, 245.

[138] B III-XXII, 856, 1925/277.

[139] B III-XXII, 856, 1928/96.

[140] B III-XXII, 856, 1926/137.

[141] B III-XXII, 61, Bl.70, 86-92 und PA, vom 26.6.1926, S.8.

[142] B III-XXII, 856, 1926/225.

[143] B III-XXVI, 183, 1637.

[144] B III-XXII, 857, 11.9.1928.

[145] B III-XXII, 857, 1928/177.

[146] B III-XXII, 857, 1929/182 und PA, vom 19.9.1929.

[147] Gespräche mit R.K., K.Chl., A.P.; Erlebnisbericht Max Tabaschnik, Königstein.

[148] B III-XXII, 857, 1930/240.