Hinweise für Ortschronisten

und an der Erforschung

der Geschichte Pirnas und des Kreises Pirna Interessierte

 

Als PDF-Datei

 

Das hier Wiedergegebene ist das Vortragsmaterial aus meinen Beiträgen zu den Tagen der offenen Archive“ vom 16. bis 18.11.2006 im Stadtarchiv Pirna.

Wenn ich es hier wiedergebe, dann für Ortschronisten und andere Teilnehmer zum nochmaligen Überlesen, aber auch für alle, die sich um die Geschichte unserer Region bemühen.

Wir verfügen noch über keine zusammenfassende Geschichte des Kreises, der Stadt Pirna, anderer Städte und Gemeinden des Kreises.

 

Dabei ist zu bedenken, dass der Begriff Kreis seiner Ausdehnung nach historischen Wandlungen unterlag:

Amtshauptmannschaft Pirna

Landkreis Pirna 1939-1945

Landkreis Pirna 1945-1952

Kreis Pirna 1952-1992 - Kreis Sebnitz abgetrennt

Sächsischer-Schweiz-Kreis 1992-2007

Kreisreform 2007 vorgesehen

Ich beschränke mich auf das Gebiet des Landkreises, so wie er zwischen 1952 bis 1992 bestand.

 

Was vorliegt, sind eine Vielzahl von Einzeluntersuchungen - in großer Dichte, wie kaum in anderen Landkreisgebieten.

Seit Ende des 19. Jh. verzeichnen wir den Beginn wissenschaftlicher Erschließung, verbunden vor allem mit den Namen: Reinhold Hofmann und Alfred Meiche. Entstanden sind Monographien zu einzelnen Gebieten - bis zu Dissertationen und Diplomarbeiten (Vgl.: www.geschichte-pirna.de, Bibliographie)

Vor allem fehlt eine Geschichte der Gesellschaftsentwicklung für einzelne Zeiträume und insgesamt.

Deshalb unternehme  ich:

1. Den Versuch, wesentliche Elemente einer Gesellschaftsgeschichte zu umreißen.

2. Verweise ich auf Lücken, weiße Flecken, auf noch zu Leistendes.

3. Äußere ich einige Gedanken zur Tätigkeit von Ortschronisten.

1. Zur Gesellschaftsgeschichte

 

Sie hat die gesamte Gesellschaft, alle ihre wesentlichen Seiten im Blick.

1. Die Bevölkerung

Geburten, Todesfälle, Eheschließungen und -Scheidungen, Wanderungsgewinne und Verluste;

Altersstruktur (Lebensbaum), Entwicklung der Einwohnerzahlen

2. Die Wirtschaft

Landwirtschaft: Fläche, Flächennutzung (Acker, Weide, Wasser, Wald), Viehbesatz.

Anbau - Wirtschaftsweise, Ertragsentwicklung - Mechanisierungsgrad

Betriebe und Größenverhältnisse

Feudalverhältnisse und ihre Aufhebung, Bodenreform, Genossenschaften,

„Wiedereinrichter"

Industrie, Handwerk, Handel: Verlagswesen, Manufaktur, Industrialisierung

Betriebe, Größenstrukturen, Produktion, Austausch

Strukturbruch und Entindustrialisierung nach 1990 Dienstleistungen: Verkehr, Straßenwesen, Post uva.

3. Sozialstrukrtur und Entwicklung sozialer Ungleichheit

Sozialstrukturen in Stadt (Oberschicht, Mittelschichten, Unterschicht und städtische Armut, Arbeiter - Bildungsbürgertum)

und Land (Adel, Bauern, Unterschichten und ländliche Armut, Vaganten und Kriminelle) Eigentumsverhältnisse, Arbeit (Arbeiterzählung) und Arbeitslosigkeit

Wohnungsverhältnisse (Privatbesitz, Mietverhältnisse, Obdachlosigkeit, Bettler und

Landstreicher)

Ernährungsverhältnisse

Gesundheitswesen

Armut und Armenwesen

Soziale Kämpfe, Widerstand, Klassenauseinandersetzungen^

4. Politische Entwicklung

Gemeindeordnung, Stadtordnung, Bürokratie, Verwaltung, Rechtswesen, Militärwesen

Parteien und soziale Interessenvertretungen

Wahlen und Wahlergebnisse - Abgeordnete und Vertreter

Sicherheit und Ordnung (Polizei, Feuerwehr...)

5. Sozio-kulturelle Entwicklung

Bildungswesen (Krippen, Kindergärten, Schulen u. a. Bildungseinrichtungen)

Kirchen und Religionsgemeinschaften

Vereinswesen

Öffentliche Kommunikation (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, - Verleger)

Sport

6. Bio-soziale Verhältnisse - Umwelt

Mikroklima, Wetter Flora und Fauna

2. Was noch zu erforschen wäre – Hinweise auf Lücken

 

Das ergibt sich weitgehend eigentlich schon aus den gesellschaftsgeschichtlichen Elementen.

Politische und Kriegsereignisse dominierten in der Vergangenheit; daneben stehen wenige wirtschaftsgeschichtliche und volkskundliche Beiträge.

Hier einige Hinweise:

Bauernkriegswiderspiegelung in unserem Kreis?

Reformationsgeschichte Pirnas

durch Hofmann erarbeitet, aber wie vollzog sich Reformation in den einzelnen Orten? Widerspiegelung in Kirchenbüchern?

Zum 30jährigen Krieg

Neben größeren Arbeiten (Speck, Emil Walter) liegt eine größere Anzahl von Einzelbeiträgen vor. Sie beziehen sich weitgehend auf das Jahr 1639. Das bildete zwar den Höhepunkt des Kriegsschreckens, überdeckt dabei aber die längste Zeit dieses Krieges die mit vielfältigen Belastungen einherging. Findet sich dazu in den örtlichen Akten und Kirchenbüchern bislang noch nicht Erschlossenes? Gab es aus den Orten des Kreises Söldner in den verschiedenen Heeren? Wie verlief die Wiederherstellung der Wirtschaft nach dem Kriege?

Bevölkerungsentwicklung im 17. Jahrhundert?

 

Zu „Sachsens Glanz“

Hier liegt einiges zur Herrschaftsgeschichte vor, auch zu den Schwedeneinfällen 1706 und 1707 und eine ganze Reihe von Beiträgen zum Siebenjährigen Krieg.

Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sind meist ausgeblendet.

„Wer zahlte die Spesen“ des Kaufs der polnischen Krone durch August den Starken?

Welchen Finanzbeitrag leisteten die Bürger, Bauern und Kommunen für den glänzenden Hofstaat? Wie verhielt es sich mit der Abgabenlast, den Steuern?

Jegliche Aussagen zu den Hungerjahren 1771/1772 fehlen.

 

Rittergüter, Domänen und ihre Geschichte

Organisation der Gutsherrschaft und der Grundherrschaft im rechtselbischen und linkselbischen Gebiet (Unterschiede und Gemeinsamkeiten)

Formen abhängiger Arbeit und abhängigen Lebens

Patrimonialgerichtsbarkeit

Schloß- und Herrenhofgeschichte

Anpassung und Aufbegehren - Formen des Widerstands

Adelsgeschlechter, ihr politischer und kultureller Einfluß

Ablösungsrezesse und ihre Folgen für die unterschiedlichen Gruppen abhängiger Bauern Güteraufteilung in der Bodenreform (welche Bauernfamilien, die unter die Ablösung fielen, erhielten möglicherweise [wieder] Land?)

 

Zum 19. Jahrhundert:

 

Zur Bevölkerungsgeschichte:

Warum die Stadtmauern fielen.

Bevölkerungsentwicklung in der Urbanisierungsperiode seit 1830.

Wie vollzog sich der Übergang vom Stadtregiment der Vollbürgerkorporation zur demokratischer verfaßten Gemeinde? (1830, 1873, 1919)

Wie wurde die Gemeindeordnung seit den 30er Jahren des 19.Jh. umgesetzt?

Wie wurden durch das Stadtregiment die Aufgaben der Daseinsfürsorge für alle Bürger wahrgenommen (wirtschaftliche Förderung, soziale Fürsorge, Sicherheit) ?

Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte:

Wie sahen die konkreten Wirkungen der Elbschiffahrtsakte von 1822, des Beitritts Sachsens zum Deutschen Zollverein, zum Norddeutschen Bund auf Pirna aus ? (Vielleicht rekonstruierbar aus Stadt-ratsakten und Kämmereirechnungen)

Wer waren die Begründer der einzelnen Unternehmen? Woher hatten sie das nötige Kapital? Was veranlaßte sie zur Betriebsbegründung gerade in Pirna?

Warum gelang es Handwerksmeistern in der Regel nicht, in den Kreis industrieller Unternehmer aufzusteigen?

Wie änderten sich im Gefolge der Industrialisierung die Berufschancen, die Absatzbedingungen und Einkünfte der Handwerkerschaft? Welche nahmen Anteil am industriellen Aufschwung, welche waren zu bloßen Zulieferern geworden, welche zu Schrumpfung und zu Proletarisierung verurteilt?

Woher kamen die Arbeiter(familien)? Wo in der Stadt fanden sie Wohnung - wie sah die aus, wie hoch waren die Mieten, welchen Anteil schluckten sie vom Arbeitseinkommen? Wie entwickelten sich die Grundfaktoren des Lebens in den Arbeiterfamilien: Nahrung, Kleidung, Wohnung?

Wie verhielt es sich mit der Mobilität der Arbeitskräfte; wie hoch war die Fluktuationsrate?

Wie entwickelten sich die Grundfaktoren der Arbeit? - Arbeitszeit, Lohn, hygienische Verhältnisse, Ernährung während der Arbeit, Frauen- und Kinderarbeit.

Unter welchen Bedingungen entwickelten sich Interessenvertretungen der Arbeitenden?

Welche Auswirkungen gab es für Handel, Versorgung und Verkehr?

Wie vollzog sich die Ablösung feudaler Lasten in Pirna, seinen Ratsdörfern und in den später eingemeindeten Dörfern? (Wer profitierte davon ? Welche Folgen ergaben sich für die verschiedenen dörflichen Schichten ?)

 

Zur politischen Geschichte:

Der „Deutsche Verein“ in Pirna als erste nachweisbare politische Organisationsform (1848/49).

Vaterlandsvereine in anderen Städten des Kreises.

„Konservative“ und „Freisinn“ - ihre Positionen bei Wahlen zu Landtag und Stadtgremien.

Die Herausbildung bürgerlicher Parteien

Arbeiterbewegung – in einzelnen Orten.

Wie das Klassenwahlrecht funktionierte.

Die Entwicklung der Presselandschaft und ihre politische Orientierung.

Die „nationalen“ Vereine: Alldeutscher Verband, Kolonialverein, Flottenverband u.a.

Das Militärvereinswesen

 

Zur kulturellen Entwicklung:

Entwicklung des Schulwesens im 19. Jahrhundert.

Kirchliches Leben in einer Zeit nachhaltiger Veränderungen.

Die Entwicklung des Vereinswesens.

Sportvereinigungen

Kulturelle Lebensformen.

 

Zur 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts:

 

Zur Bevölkerungsentwicklung:

Ursachen, Ausmaß und Quellen des Bevölkerungswachstums, der Wanderungsbewegung in den Orten.

Die Eingemeindungen - Umfang, Ursachen, Wirkungen.

Wie die bewohnte Fläche der Stadt ausgeweitet wurde. Neue Stadtteile entstehen. Wer wohnte wo?

 

Zur Wirtschaftsentwicklung:

Handwerk im Umbruch. (wo Schrumpfung, wo Ausweitung, welche Strukturveränderungen?)

Industrialisierung, Entstehung von Inustriebetrieben.

Wirtschaft in der Nachkriegskrise (unter bes. Berücksichtigung der Inflation 1923).

Waren die „goldenen Zwanziger“ das auch für den Ort?

Warum war unser Gebiet durch die Weltwirtschaftskrise besonders schwer betroffen?

Wirtschaftsentwicklung im Faschismus.

Aufbau und wirtschaftlicher Umbruch in den ersten Nachkriegsjahren.

 

Zur politischen Entwicklung:

Antisemiten, Konservative und Liberale (Freisinnige) zu Beginn unseres Jahrhunderts).

Politische Vereinigungen im Kreis: Alldeutscher Verein, Kolonialverein, Flottenverein u.a.

Arbeiterbewegung vor dem ersten Weltkrieg.

Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung. (zu Gemeindeparlamenten)

Die Wahlrechtsveränderung von 1908 mit ihren Wirkungen.

Die Presselandschaft in ihrer politischen Differenzierung.

Der Ort im ersten Weltkrieg.

Die politischen Erschütterungen von 1919 - 1923.(vor liegen Arbeiten zum Kapp-Putsch und zum Reichswehreinmarsch 1923).

Politische Parteien und Kräfteverhältnisse zwischen 1919 und 1933; Wahlen, Volksabstimmungen.

Das Aufkommen der NSDAP und ihrer Gliederungen.

 

1933-1945

Wie die Nazis im Kreis und in den einzelnen Orten ihre Macht durchsetzten und konsolidierten: Terror, Demagogie, Gleichschaltung, Bestechung.

Soziale und wirtschaftspolitische Vorgänge.

Rassismus und Antisemitismus in örtlicher Widerspiegelung

Schule und Bildung.

Der Ort im zweiten Weltkrieg.

Kriegsgefangene, zivile Fremdarbeiter – wo arbeiteten sie? Wo gab es Lager, Baracken, welche Vorgänge sind dazu überliefert?

KZ- Außenlager. KZ-Häftlingszüge durch den Kreis 1945.

Formen des Widerstands, seine Teilnehmer aus unterschiedlichen politischen und sozialen Gruppen, die Wirkungsfelder in Vorkrieg und Krieg.

Wer waren die Umgebrachten, durch die Nazis umgekommenen aus der Stadt/ dem Ort?

Kriegsverluste der Bevölkerung.

Immer noch gibt es Lücken bei der Aufklärung jüdischer Lebenswege.

 

1945 bis 1949

Dazu scheinen mir einige Gedanken vorweg als angebracht.

 

Ein gesellschaftlicher Umbruch, wie wir ihn seit 1989/90 erleben führte zu einer grundlegenden Beseitigung der wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der DDR und zur Übertragung der bundesdeutschen Ordnung auf die „neuen Länder“, schon äußerlich erkennbar an der Wiederherstellung vormaliger regionaler Länderstrukturen.

Dieser Umbruch widerspiegelt sich nachdrücklich in einer politisch geprägten neuen geschichtlichen Sicht auf die Periode der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung unter sowjetischem Besatzungsrecht 1945-1949 und auf die 40jährige Geschichte der DDR. Gerade hier wird deutlich, dass wir es nicht mit einer Wiedervereinigung zu tun hatten, sondern mit einem Anschluß des kleineren an den größeren Staat – bei vollständiger Eliminierung der Ordnung des kleineren und ebenso vollständiger Übernahme der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Ordnung der BRD. Daß damit auch eine Umschichtung kultureller, historischer und moralischer Wertvorstellungen bei politisch gezielter „Delegitimierung“ (Kinkel) der DDR einherging, ergab sich gleichsam nebenher und braucht hier nicht besonders nachgewiesen zu werden, da es von allen DDR-Bürgern in Gestalt tiefer Einschnitte in ihre Lebenssphäre erlebt wurde.

Auch das Umschreiben von Geschichte erleben wir seit Jahren. Die Geschichte der DDR wurde und wird z. T. immer noch im Schulunterricht reduziert auf den 17.6.1953, den „Mauerbau“ am 13.8.1961 und die „friedliche Revolution“ 1989. Allmählich finden sich aber auch Ansätze zu einer differenzierteren Sicht auf die Jahre von 1945 bis 1989, wobei wir immer noch, vor allem in den Medien, den Extremen von Verteufelung oder Nostalgie ausgesetzt sind.

Auf die Dauer wird beides sich nicht halten können. Die kritische Sicht auf Fehlentwicklungen und Gebrechen in der Geschichte der DDR sollte der Nostalgie ebenso widerstehen wie das Wissen um die erlebten Werte einer anderen Gesellschaft, in der eben anderes als das Geld Maßstab sinnvollen Lebens war, einer Verteufelung und Verunglimpfung. Der tief verwurzelte Antikommunismus der bürgerlichen Eliten seit 1918 – über den Faschismus hinweg bis zum Status eines Grundkonsenses der maßgeblichen politischen Kräfte der BRD seit 1945 – erlebte nach 1989 weitere Verschärfung. Die verlogene Gleichsetzung „zweier Diktaturen“ verharmlost den Hitler-Faschismus und verteufelt die DDR.

Seit einigen Jahren wird, politisch gezielt und medial vehement begleitet – bei weitgehendem Schweigen der Historikerzunft – Geschichte revidiert und verfälscht. Der 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus ging einher mit der Scheidung zwischen Befreiern im Westen und Besatzern im Osten. Mit den Westalliierten wäre die Demokratie über die Westdeutschen gekommen, über den Osten die „zweite Diktatur“. Im Zusammenhang mit dem Erinnern an Bombenkrieg und Vertreibung, an Exzesse von Soldaten der Sowjetarmee traten „die Deutschen als Opfer“ ins Rampenlicht der geschichtlichen Diskurse. Verlogen wird der Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen übergangen: Wären ohne das Naziregime und den von ihm ausgelösten zweiten Weltkrieg unter Zutun der Masse der Deutschen Bombenkrieg, Vertreibung und all die schrecklichen Folgeerscheinungen denkbar gewesen? Zu tun haben wir es mit breit angelegten Versuchen der Umdeutung von Geschichte, ihrer Verfälschung für durchsichtige politische Zwecke.

Was nach dem 8. Mai 1945 in Deutschland und speziell in unserem Gebiet geschah und warum es so und nicht anders verlief, ist darzustellen. Der Version von der „Stunde Null“, die es ja in der Geschichte niemals wirklich gibt, ist begegnen mit einem Blick auf die unmittelbare Vorgeschichte des faschistischen Zusammenbruchs in Blut und Rauch, Trümmern und Chaos. Und das sollte so konkret wie möglich geschehen. Erst dann werden die gesellschaftlichen Umwälzungen verständlich und begreifbar, die zwischen 1945 und 1949 zur Begründung einer neuen Ordnung im Gebiet der sowjetischen Besatzungszone führten.

Und noch eines: Es ist für mich eine wirkliche Einheit unseres Landes schwer vorstellbar ohne Anerkennung der Legitimität eines alternativen Weges, wie er bei uns beschritten wurde. Er ist verbunden mit der Lebensleistung zweier Generationen, die nicht negiert werden kann, wenn nicht das Gefühl, Deutsche minderen Ranges zu sein, weiter gefördert werden soll.

 

Leider sind, wie das in der Geschichte oft der Fall ist, die damals (unmittelbar nach 1945) maßgeblich Agierenden zu Lebzeiten nicht ausgiebiger befragt worden. Ihre Kenntnisse sind verloren, über ihre Handlungsmotive, ihre damaligen und späteren Einsichten bleiben wir im Ungewissen. Zeitzeugnisse von den in den Umwälzungsprozessen nach 1945 unterschiedlich Betroffenen liegen auch kaum vor, also von den „Aktivisten der ersten Stunde“, von gemaßregelten Mitgliedern der NSDAP, den Bodenreform- und von Enteignung Betroffenen, den Flüchtlingen, Umgesiedelten, Vertriebenen, den Lagerinsassen der Kriegsgefangenen- Fremdarbeiter- und Umsiedlerlager und vor allen den vielen Tausenden, die unter schweren Bedingungen und durch harte Arbeit die „Karre aus dem Dreck holten“. Sie sind heute über 75 Jahre alt und können, was sie erlebten und wie sie es heute reflektieren höchstens mündlich weitergeben, wenn sie nicht von Angehörigen oder Chronisten nachhaltig befragt werden. Sie zur Äußerung anzuregen, wäre wünschenswert.

 

Die Zeit nach 1945 ist ein riesiges Feld, zu dessen Untersuchung die Akten noch erschlossen werden müssen, wenn sie überhaupt noch verfügbar sind.

 

Untersuchungsgegenstände in Stichpunkten:

Anfangen vielleicht einfach mit Vorgang 8. Mai 1945.

Was geschah an diesem Tage? Letzte Gefechte (Volkssturm; Rückzug deutscher und Empfang sowjetischer Einheiten)

Bildung von Antifa-Komitees

Erste Aufrufe

Einrichtung der sowjetischen Kommandanturen

Erste Anordnungen und Befehle.

Leben in Gang setzen

 

Besatzungspolitik

Ämterhierarchie (SMAD, Militärverwaltung der Länder, Kreiskommandantur, Stadt- und Ortskommandanturen )

Erste Befehle (zentral und vor Ort)

Arbeitsinhalte

Überwachung und Zwangsmaßnahmen(GPU)

Übergabe von Verwaltungsaufgaben

Wo waren Angehörige der Militärverwaltung im Kreis präsent?

 

Verwaltungsaufbau und Arbeitsinhalte

Antifa-Ausschüsse – Revoluzzertum?

Wer wurde wie Bürgermeister?

Einrichtung der Stadtverwaltung, der Gemeindeverwaltung – wer wurde hinzugezogen – von wem?

Verwaltungsbereiche

Konkrete Sorgen und Maßnahmen.

 

Bodenreform

Historische Gründe, aktuelle Erfordernisse

Ingangsetzung – Aufrufe - Gesetz

Organisation – Kreisbodenkommission, Ortsbodenkommissionen

Überblick über Ergebnisse

Neubauern-Bauprogramm

Maschinen- und Traktoren-Stationen

 

Vereinigung der Arbeiterparteien - Blockpolitik

Wie entstanden Parteien Nach dem Befehl Nr.2? – Welche? Wer war dort an der Spitze, wer organisiert?

Wie verlief Gründung von KPD und SPD?

Was geschah in den Organisationen vor der Vereinigung?

Wie wurde die Vereinigung vorbereitet und vollzogen?

 

Volksentscheid vom 30.6.1946

Was sagt das Potsdamer Abkommen

Sequestierung durch Besatzungsmacht als Entnazifizierungsbestandteil

Übergabe in Hände deutscher Verwaltung

Volksentscheid

Ergebnisse

Überblick über volkseigenen Sektor im Kreis/Ort

Langfristige gesellschaftliche Wirkungen

 

Gemeinde- und Kreistagswahlen im Herbst 1946

Ergebnisse, Zusammensetzung der ersten Volksvertretung

Blockpolitik

Volkskongressbewegung

Wer nahm aus Pirna an der Herausbildung der DDR teil?

 

Pirna in den Jahren 1949-1990

 

Jahre, in denen bei den meisten der jetzt hier noch Lebenden der Hauptteil ihrer Arbeits- und Lebenszeit lag.

Wie standen sie zur DDR? Wie wandelte sich ihr Verhältnis zu Staat, Partei(en) und gesellschaftlicher Ordnung?

Lebensbereiche

Betrieb – Lohn, Arbeitsklima, Leitungserfahrung, soziale Erfahrung

Bildung – Bildzugang, Bildungsgang, Abschlüsse, Qualifizierung

Wohnung – Verhältnisse, Miete

Ernährung, Lebensstandard

Kinder – Krippe, Kindergarten, Schule – Kosten

Ferien und Freizeit

Gesundheit

Industriebetriebe

Handwerk

Landwirtschaft

Handel und Versorgung

Dienstleistungen

 

Wie wurde die Häufung und Verschärfung von Widersprüchen und Konfliktpotenzialen in der Endphase der DDR erlebt?

Welche Veränderungen gab es im „letzten Jahr der DDR“?

Wer waren die Akteure?

Wie reflektieren sie diese Umbruchszeit und ihre Ergebnisse heute?

 

Pirna seit 1990

Der politische Umbruch

Neue Bewegungen, Parteien

Welche Schwerpunkte des politischen Aufbruchs waren erkennbar?

Wie wandelten sich die Verwaltungen – wer ging – wer kam?

Welche Arbeitsschwerpunkte waren erkennbar?

Was geschah mit den Betrieben in Industrie, Handwerk und Landwirtschaft?

Welche Betriebe bestanden 1989 (was produzierten sie, wo setzten sie ihre Erzeugnisse ab, wieviel Beschäftigte wiesen sie auf)?

Was geschah in und mit diesen Betrieben 1990 - 2006?

Welche neuen Unternehmen etablierten sich? Wer begründete sie?

Welche Handwerks- und Handelsunternehmen gab es 1989, 1990 usf.?

Wie entwickelte sich die Bautätigkeit?

Wie veränderten sich die verschiedenen Dienstleistungsbereiche?

Welche Veränderungen traten im Gesundheitswesen, im Bildungswesen... ein?

Wie entwickelte sich das Parteiengefüge - bis hin zu Wahlen und ihren Ergebnissen - bis ins Detail.

Welche Vereine entstanden?

Wie veränderte sich die Bevölkerungsstruktur und die Einwohnerzahl?

 

Dieser Fragenkatalog ist sicher noch wesentlich erweiterbar.

 

Zur Wirtschafts- und Betriebsgeschichte in den letzten Jahrzehnten

Hier gibt es zahlreiche Akteure, die teilweise noch über eigene und Betriebsmaterialien verfügen, vor allem aber über den reichen Schatz auf ihrer „biologischen Festplatte“. Davon sollte möglichst nichts verloren gehen. Sie sind aufgerufen,

Die einst das obere Elbtal prägende Industrie ist so gut wie vollständig abgeräumt worden. Nach uns kommende Generationen werden davon kaum etwas mitbekommen. Niemand fühlte sich in den Jahren nach 1990 berufen, wenigstens einige materielle Zeugnisse maßgeblicher Betriebe (Zellstoff, Kunstseide, Strömungsmaschinen, Glasherstellung, Maschinenbau, Wismut u.v.a.) zu erhalten, etwa in Gestalt eines Grundstocks eines künftigen Industriemuseums. Das kann man bedauern, aber nun nicht mehr ändern. Umso wichtiger ist die bewahrende Tätigkeit derer, die in dieser Industrie tätig waren. Ihrer wird einst mit Dankbarkeit gedacht werden. Für die Zellstoffwerke liegt inzwischen eine Überblicksdarstellung vor. An der Geschichte des Kunstseidenwerkes wird seit einigen Jahren auch gearbeitet. Ebenso wird zur Geschichte der Pirnaer Glaswerke geforscht. Jene, die gediegene Auskunft nicht nur aus schriftlichen Quellen, sondern aus eigener Arbeit geben können, sind in die Jahre gekommen und werden immer weniger. Sie sind aufgerufen, „am Werke zu arbeiten, auch wenn es uns nicht gegeben ist, es zu vollenden“ (Talmud).

 

Nun ist das mit der Historie so eine Sache. Sie vollkommen zu erschließen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zu weit aufgefächert ist sie, umfasst sie doch wesentliche Teile des Lebens vieler (in Ihrem Betrieb Tausender) Menschen. So ist einesteils Beschränkung angesagt, andererseits aber auch Sammlung von Einzelberichten und Dokumentationen. All das kann seinen Platz finden in schriftlicher Form (Bücher, Broschüren), im Internet, aber immer auch im Stadtarchiv Pirna. Gerade dort wird Vergangenes aufbewahrt, allen zugänglich gemacht, die an der Geschichte interessiert sind oder später nach Forschungsquellen suchen.

 

In Darstellungen der Geschichte der Betriebe dominieren naturgemäß Erzeugnisse, technische Dokumentationen, maßgebliche Personen.

Sollten in eine Betriebsgeschichte nicht auch etwa folgende Aspekte Eingang finden?

Sozialstruktur der Betriebsangehörigen (Arbeitskräftezahlen, Qualifikationsstruktur – HS, FS, Facharbeiter, weniger Qualifizierte - , Tätige in Forschung u. Entwicklung, Produktionsvorbereitung, Produktion, Verwaltung, sozialen Bereichen);

Bildung und Ausbildung (Berufsausbildung, Erwachsenenqualifizierung, Betriebsakademie; polytechnische Bildung für Schulen, Berufsausbildung mit Abitur; Beziehungen zu Patenschulen – Patenbrigaden, fachliche und politische Schulung);

Teamarbeit“ nach heutigem Sprachgebrauch, also Tätigkeit von Arbeitsgruppen für spezielle Aufgaben, Brigaden und Brigadetagebücher (!) – gibt’s davon noch welche zugänglich?

Soziale Betreuung: Gewerkschaftsarbeit, Konfliktkommissionen, Ferien- und Urlaubswesen, Ferienheime;

medizinische Betreuung – Poliklinik, Ärzte, Schwestern – Arbeitsschutz

Kulturelles Leben: Arbeits- und Interessengemeinschaften, Film- und Fotoklub, Arbeiterfestspiele

Betriebssport(gemeinschaft?), Sektionen, Teilnahme an Ausscheiden…

Frauenförderung

Beziehungen des Betriebes nach „außen“ – zum Landkreis, zur Stadt, zu Landwirtschaftsbetrieben, Schulen…

Was geschah genauer mit dem Betrieb seit 1990? (Treuhand, Interessenten, Investoren, Liquidatoren und Konkursverwalter…)

Was geschah mit den Betriebsangehörigen? Welche Rolle spielten Leiter, Gewerkschaft, Betriebsrat?

Was geschah mit den betrieblichen Einrichtungen der Bildung, sozialen und medizinischen Betreuung, den kulturellen und sportlichen Einrichtungen?

Wie vollzog sich die Auflösung der Betriebsparteiorganisationen und der Betriebsgewerkschafts- und FDJ-Organisation?

 

3. Zur Tätigkeit von Ortschronisten

 

Die Tätigkeit des/der Ortschronisten besteht zunächst in der Aufzeichnung historischer Ereignisse in zeitlicher Abfolge. Allein das ist schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, bei der einer allein in einem größeren Ort überfordert wäre.

Wer sich aber mit seinem Heimatort verbunden fühlt, wird nicht nur gegenwärtige Ereignisse registrieren, sondern seinen Blick in die Vergangenheit richten.

 

Wo ist Material zu finden?

-          Stadtarchiv (Findbücher –mittel) - Ortsarchive

-          Kreisarchiv

-          Kirchenarchive und Kirchenchroniken

-          Ortschroniken – Ortschronisten

-          Museen, Sammlungen

-          Zeitzeugen

-          Nachlässe (wie können solche gesichert werden? – Was alles Nachkommen wegwerfen ist vielfach von unschätzbarem Wert für Rekonstruktion geschichtlicher Vorgänge!!)

 

Was ist eine Chronik und worin besteht ihr Wert?

Die saubere, möglichst umfassende und genaue Aufzeichnung wesentlicher Ereignisse ist unverzichtbare Voraussetzung jeglicher historischen Darstellung, jeglicher Erkenntnis von Zusammenhängen, Wertungen und Urteilen. Dabei ist eine "umfassende" Niederschrift von Ereignissen zwar anzustreben, aber doch nie erreichbar; sie ist auch davon abhängig, was der Chronist als wesentlich erachtet. Der Anspruch an Exaktheit und Objektivität liegt immer im Widerstreit mit der Subjektivität des Chronisten.

Für Pirna liegen nur Ansätze chronistischer Arbeit vor. Sie beziehen sich auf einige wenige Abschnitte seiner Geschichte und sind ganz unterschiedlichen Zuschnitts.

 

Für wen und wozu wird eine Chronik angelegt und geführt?

Die Antwort darauf wird immer von Position, Anspruch und Interessenlage desjenigen abhängen, der diese Frage beantwortet. Ereignisse, Entscheidungen, Ergebnisse der Entwicklung auf kommunaler Ebene werden ganz unterschiedlich reflektiert, je nachdem ob der Chronist die Position der Entscheidung tragenden Mehrheit oder eine mehr oppositionelle einnimmt. Ob ich mein Tun rechtfertigen möchte oder ganz anders verfahren wäre, sind ganz unterschiedliche Blickwinkel, die ein und dasselbe Ereignis in sehr abweichendem Gewande erscheinen lassen. Hier steht also die Frage, welche Kriterien beachtet werden müssen, um bei chronistischer Arbeit weitgehend Objektivität zu wahren. Einer der wichtigsten Aspekte geschichtswissenschaftlicher Arbeit ist die Quellenkritik, also: wer hat was wo, wie und warum getan oder gesagt.

Also: „Für wen“ und „wozu“ eine Chronik lassen sich nicht voneinander trennen. Suchen wir bei allen Problemen trotzdem einen gemeinsamen Nenner, dann böten sich u.a. folgende Aussagen an:

 

a) Für einen möglichst breiten Einwohnerkreis,

damit er eine zurückgelegte Wegstrecke seines unmittelbaren Lebensbereichs genauer überschaut,

damit er demokratische Mitwirkungsrechte sachkundiger und bewußter wahrnimmt,

damit er Problemlagen versteht und zu selbständiger Suche nach und Teilnahme an Lösungen angeregt wird,

damit ganz einfach Interesse an Geschichte und Entwicklung der Stadt geweckt und befriedigt wird.

All diese Möglichkeiten, es gibt sicher noch mehr, werfen sofort die Frage danach auf, wie die Ergebnisse chronistischer Arbeit einem größeren Personenkreis nahegebracht werden sollen - und auch: Wer wird das schon lesen?

 

b) Für die Lokalgeschichtsschreibung,

als Angebot, Anreiz und Grundlage zu zusammenhängender und vertiefender Darstellung. Inwieweit internationale, nationale und regionale Entwicklungen als für den einzelnen bedeutsam erlebt und erfahren werden, äußert sich auch wesentlich als Erleben im lokalen Bereich. Der Kreis derer, die ernsthafte lokalgeschichtliche Forschung betreiben, ist schon immer ganz gering gewesen. Da ist Enthusiasmus gefragt, denn „es rechnet sich nicht“.

 

c) Für kommende Generationen,

Chronik gleichsam als „Ariadnefaden“ für das Zurechtfinden in der Vergangenheit, als eine Art Erschließungshilfe.

 

Was sollte eine Chronik erfassen?

Da eine Stadt/ein Ort ein komplizierter, vielfach verflochtener Organismus ist, müßten Ereignisstrukturen gesucht und beachtet werden, z.B.:

·      Kommunale Verwaltung mit all ihren Zweigen. Bis 1937 gab es in Pirna Verwaltungsberichte mit den zusammengefaßten Ergebnissen eines Jahres.

·      Parteien und soziale Interessenvertretungen.

·      Wirtschaft (Industrie, Bauwesen, Handwerk, Handel, Banken, Versicherungen..).

·      Soziales (Sozialstruktur, Einkommensverhältnisse, Arbeit und Arbeitslosigkeit, Wohnungsverhältnisse, Gesundheitswesen, Sicherheit und Ordnung, Kriminalität ...)

·      Umweltverhältnisse - bis zum Wetter.

·      Kulturelles und Bildungswesen.

·      Kirchen und Religionsgemeinschaften.

·      Sport u.v.a.

Zu alledem wären Ereignisse zu registrieren, Berichte zu erbeten und zu sammeln, darüber hinaus Statistiken, Bilder, Pressedokumentation...

 

Wer müsste an einer Chronik mitarbeiten?

Bei der Art und Weise, wie im bisher Dargelegten der Bogen weit gespannt erscheint, wäre ein Chronist, ja selbst eine Gruppe von eigenverantwortlich handelnden Chronisten enorm überfordert. Hier gibt es Abstimmungsbedarf, etwa in folgenden Richtungen:

·      Welche chronistischen Verpflichtungen sind der städtischen/der örtlichen Verwaltung aufzuerlegen, ohne daß eine Fülle zusätzlicher Arbeit aufgebürdet wird? Also z.B. saubere Archivierung genau fixierter Unterlagen nach doch sicher vorhandener Archivordnung, kurzgefaßte Jahresberichte der Verwaltungen, Vertretungen, Dezernate, Ämter, Abteilungen; was geht wann ans Archiv - mit und ohne Sperrfristen.

·      Durch wen muß chronistische Arbeit angeregt, angeleitet, zusammengeführt werden und wo sind die Ergebnisse zusammenzufassen, aufzubewahren und für Nutzer verfügbar zu halten? Verfahren werden sollte nach der Formel: Schriftliches ins Archiv, Gegenständliches ins Museum oder in die Heimatstube.

·      Wer müßte um Mitarbeit angesprochen und gebeten werden? Eigentlich alle, die in den örtlichen Strukturen mit einigem Durchblick tätig sind, darüber hinaus aber auch Schulen (eine schöne Aufgabe für geschichtsinteressierte Schüler und deren Lehrer) und Bürger einzelner Ortsteile oder mit besonderen Interessen (z.B. Hobbyfotografen). An einer Chronik sollten viele zur Mitarbeit gewonnen werden, vielerorts bestehen Geschichts- oder Heimatvereine, deren Mitglieder sicher gern Teilaufgaben übernehmen. Öffentliche Ausstellungen oder Lesungen sind geeignet, Ergebnisse den Bewohnern des Ortes nahezubringen und sie einzubeziehen.

Ein weiterer Gedanke: Viel für chronistische Arbeit und lokalhistorische Forschung Wertvolles gelangt durch unbedachte Erben über die Müllkontainer auf Halde. Also gilt es zu überlegen, wie man an wertvolles Nachlaßgut herankommt, ehe es unwiederbringlich vernichtet wird. (Nachlässe!!)

Zu sichern wäre jegliches publizierte Material über den Ort und seine übersichtliche Registrierung (Sammlung aller Bücher, Broschüren, Zeitschriften- und Zeitungsbeiträge).

 

Müßte nicht auch an einer nachholenden Chronik gearbeitet werden?

Kaum ein Ortschronist wird seine Arbeit nur auf die Sammlung eben abgelaufener Ereignisse beschränken, sondern sich sehr rasch der weiteren Vergangenheit zuwenden. Das ergibt sich aus der Natur der Sache wie aus dem historischen Interesse eines jeden der sich um die Vergangenheit seiner Umgebung müht. Anregungen dazu versuchte ich in den beiden ersten Abschnitten zu geben.

 

Eine abschließende Bemerkung:

Vergangenes kann unter verschiedenen Blickwinkeln untersucht und betrachtet werden. Ob ich Geschichte „von oben“ oder „von unten“ in den Blick nehme, aus der Sicht der Herrschenden, der Besitzenden oder der Beherrschten und wirtschaftlich Abhängigen, führt oft zu einem ganz anderen Bild der Vergangenheit.

Das Vergangene, das ist die Lebensgeschichte vieler Generationen. Sie in Gänze zu erfassen, wird immer unmöglich sein. Deshalb ist Konzentration auf wesentliches angezeigt. Was das ist, wird immer auch vom Erkenntnisinteresse des Befragenden bestimmt sein.

Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, stößt bald an Grenzen des für ihn Erreichbaren.

Ich halte mich da immer an einen Spruch aus dem Talmud:

„Es ist uns aufgetragen, am Werke zu arbeiten, aber es ist uns nicht gegeben, es zu vollenden.“