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ZUR GESCHICHTE DES ANTIFASCHISTISCHEN WIDERSTANDSKAMPFES AUF DEM TERRITORIUM DER EHEMALIGEN AMTSHAUPTMANNSCHAFT PIRNA

 

 

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Autorenkollektiv:

Herbert Anger, Wolfgang Eichhorn, Dr. Günter Endler, Helmut Fuchs, Charlotte Hamann, Helmut Nyderle, Paul Pech (t), Erich Richter (t), Heinz Ruscher

Herausgeber:

Sozialistische Einheitspartei Deutschlands — Kreisleitung Pirna Sozialistische Einheitspartei Deutschlands — Kreisleitung Sebnitz Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR — Kreiskomitee Pirna/Sebnitz Pirna / Sebnitz 1983

Satz und Druck: Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden, Betriebsteil Heidenau, 111-25-16 363 205 5 In G 01-02-83


 

Einleitung

Das Erbe des Kampfes für alles Progressive in der Geschichte des deutschen Volkes hat in unserer sozialistischen  Deutschen Demokratischen Republik für immer seine Heimstatt gefunden, wird im ersten Staat der Arbeiter und Bauern auf deutschem Boden bewahrt, gepflegt und fortgesetzt. Dabei nimmt die deutsche antifaschistische Widerstandsbewegung einen hervorragenden Platz ein. In unserem sozialistischen Vaterland hat sich das weit in unsere Tage hineinreichende Vermächtnis der antifaschistischen Widerstandskämpfer verwirklicht.

Die deutsche antifaschistische Widerstandsbewegung war die Klassenauseinandersetzung der deutschen Arbeiterklasse und anderer Werktätiger mit dem deutschen Monopolkapital unter den Bedingungen der offenen faschistischen Diktatur. Sie „war ihrem Wesen nach Klassenkampf gegen den deutschen Imperialismus", (1) auf dessen Boden sich der Faschismus entwickelte, Kampf für eine antifaschistisch-demokratische Umwälzung in Deutschland, für den Sozialismus im Geburtslande von Karl Marx und Friedrich Engels.

Auf Grund ihres politischen und sozialen Inhalts trug die deutsche antifaschistische Widerstandsbewegung zugleich internationalen Charakter. (2) Sie war ein Teil des weltweiten Kampfes der Sowjetunion, der internationalen Arbeiterklasse sowie anderer fortschrittlicher und friedliebender Kräfte gegen Faschismus und Krieg, für Völkerverständigung und Frieden, für Demokratie und Sozialismus in der von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eingeleiteten Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus.

In diesem Kampf gegen „die offene terroristische Gewaltherrschaft der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, aggressivsten Kräfte des deutschen Finanzkapitals" (3) und gegen die von ihr ausgehende Kriegsgefahr erwies sich die deutsche Arbeiterklasse von Anfang an als die soziale Hauptkraft. (4) Unter den schweren, komplizierten Bedingungen der offenen Diktatur des Faschismus in Deutschland erkannte jedoch nur der bewußteste Teil der Arbeiterklasse die eigene Rolle und die objektiv zu lösenden Aufgaben. Er unterwarf sich weder dem massierten ideologischen Druck und der zügellosen sozialen Demagogie der Faschisten, noch ließ er sich durch deren grausamen Terror vom antifaschistischen Kampf abbringen, sondern wirkte unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei der deutschen Arbeiterklasse, der KPD, „als Initiator, Organisator und Motor der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung, als hauptsächlicher Träger des Kampfes um die Beseitigung der faschistischen Diktatur mit ihren Wurzeln, für ein antiimperialistisches, demo­kratisches Deutschland, das dem Sozialismus den Weg öffnet". (5) Dieser bewußteste Teil der deutschen Arbeiterklasse beeinflußte alle anderen Richtungen der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung, an der sich, wenn auch in unterschiedlichem Umfang, Angehörige fast aller Klassen und Schichten des deutschen Volkes mit verschiedener sozialer Stellung und Weltanschauung beteiligten. Zu diesen Kämpfern des antifaschistischen Widerstandes in Deutschland oder in der Emigration zählten Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, bürgerliche Demokraten, Christen verschiedener Konfessionen, Freidenker, Pazifisten, Frauen und Jugendliche. Diese politische und soziale Breite der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung resultierte aus dem Charakter der faschistischen Diktatur, deren Ziele im Widerspruch zu den Lebensinteressen der überwiegenden Mehrheit des Volkes standen sowie aus dem gemeinsamen Bestreben der am Widerstandskampf beteiligten Kräfte, die faschistische Gewaltherrschaft zu beseitigen und antifaschistisch-demokratische Verhältnisse zu errichten.

Dieses Bestreben wurde jedoch zugleich auch von vielfältigen und unterschiedlichen Klasseninteressen dieser Kräfte bestimmt, die sich demzufolge in der deutschen anti­faschistischen Widerstandsbewegung widerspiegelten. Sie war deshalb keine einheitliche, geschlossene Bewegung.

Einen entschiedenen, beharrlichen Kampf um den Zusammenschluß aller antifaschistischen Kräfte zu gemeinsamen, koordinierten Aktionen gegen Faschismus und Krieg führte allein die revolutionäre Partei der deutschen Arbeiterklasse, die KPD. Die KPD, gegen die sich stets der Hauptstoß des faschistischen Terrors richtete, „war die einzige zentral geleitete und einheitlich organisierte politische Kraft in Deutschland, die konsequent gegen die faschistische Diktatur kämpfte". (6) Damit setzte sie ihren Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Faschismus fort, den sie seit der ersten Stunde ihres Bestehens über Jahrzehnte hinweg konsequent geführt hatte und der zu einem festen Bestandteil des antiimperialistischen Kampfes der internationalen Arbeiterklasse geworden war.

Unter den Bedingungen des Terrors und der Demagogie der faschistischen Diktatur in Deutschland stand die KPD, in die Illegalität gedrängt und verfolgt wie nie zuvor, von Anfang an an der Spitze der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung. Trotz vielfacher, wiederholter Zerschlagung von Parteiorganisationen und deren Leitungen führte die KPD als intakte Partei unter der Leitung ihres Zentralkomitees einheitlich und geschlossen den Kampf der deutschen Antifaschisten in Deutschland und in anderen Ländern. (7)

Mit ihrer wissenschaftlichen Weltanschauung, ihren reichen Klassenkampferfahrungen und Tausenden unter Ernst Thälmanns Führung im Leninschen Geiste erzogenen, in unzähligen Klassenschlachten kampferprobten Kadern sowie gestützt auf die Erkenntnisse, Erfahrungen und Hilfe der Kommunistischen Internationale verfügte die KPD über die Voraussetzungen, die für die Führung und Organisation des antifaschistischen Widerstandskampfes erforderlich waren. Auf der Grundlage ihrer marxistisch-leninistischen Strategie erarbeitete und präzisierte sie mit Unterstützung der Kommunistischen Internationale vor allem auf der Brüsseler Parteikonferenz im Oktober 1935 und auf der Berner Parteikonferenz Anfang 1939 ein antifaschistisches, antiimperialistisches, demokratisches Programm für eine grundlegende Erneuerung Deutschlands, für eine deutsche demokratische Republik, das eine echte Alternative zu Faschismus und Krieg darstellte.

Für die Realisierung dieses Programms kämpfte die Partei, und zugleich wirkte sie für die Vereinigung des Kampfes der deutschen Widerstandsbewegung mit dem Widerstands- und Befreiungskampf aller vom deutschen Faschismus bedrohten, Überfallenen, unterjochten und versklavten Völker.

Das alles befähigte die KPD, als revolutionäre Vorhut der deutschen Arbeiterklasse die deutsche antifaschistische Widerstandsbewegung wesentlich zu beeinflussen und in ihr die führende Rolle auszuüben. (8)

Dies wird auch in der nachfolgenden Chronik zur Geschichte des antifaschistischen Widerstandskampfes auf dem Territorium der ehemaligen Amtshauptmannschaft Pirna in den Jahren 1933 bis 1945 sichtbar.

Die Amtshauptmannschaft Pirna (siehe dazu die Karte auf den Seiten 48/49), die als eine Verwaltungseinheit des damaligen Landes Sachsen im wesentlichen die heutigen Kreise Pirna und Sebnitz sowie Teile der Kreise Bischofswerda, Dippoldiswalde, Dresden-Stadt, Dresden-Land und Freital umfaßte, war als eines der Konzentrationsgebiete des revolutionären sächsischen Industrieproletariats zum Zeitpunkt der Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland bereits ein Gebiet reicher Traditionen des Kampfes der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung, gegen preußisch-deutschen Militarismus und imperialistischen Krieg, gegen imperialistische und militaristische Konterrevolution und aufsteigenden deutschen Faschismus, für politische, ökonomische und soziale Rechte und Freiheiten, für gesellschaftlichen Fortschritt, für Frieden, Demokratie und Sozialismus. Davon zeugen die Klassenauseinandersetzungen der organisierten Arbeiterklasse mit ihren Klassengegnern seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bis zum Ende der Weimarer Republik in den Gebieten und Orten der Amtshauptmannschaft Pirna, vor allem im Industriegebiet des oberen Elbtales.

Als im Januar 1933 der Faschismus in Deutschland an die Macht gelangte, waren große Teile der im Klassenkampf bewährten Arbeiterklasse der Amtshauptmannschaft Pirna und auch andere Werktätige in den Arbeiterparteien KPD, SPD und SAP sowie in den Gewerkschaften und in anderen proletarischen Massenorganisationen politisch organisiert. Ihr bewußtester Teil bestand aus ihrer revolutionären Sache treu ergebenen, kampferprobten und erfahrenen Kommunisten und Sozialdemokraten, die sich in zahlreichen Klassenschlachten standhaft für die Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen geschlagen und bewährt hatten.

Der KPD-Unterbezirk Pirna, der bis zur Neugliederung der Bezirksstruktur der KPD im damaligen Land Sachsen im August/September 1933 zum KPD-Bezirk Sachsen gehörte, umfaßte die gesamte Amtshauptmannschaft Pirna. Er zählte zu den politisch und organisatorisch stärksten sowie kampferprobtesten KPD-Unterbezirken im ostsächsischen Raum. Im Januar 1933 stand der Genosse Oswald Rentsch aus Pirna als Pol.-Leiter an der Spitze der Unterbezirksleitung, der zu diesem Zeitpunkt u. a. solche Im Klassenkampf gestählte und bewährte Kommunisten, wie die Genossen Fritz Ehrlich aus Pirna, Paul Harnisch und Kurt Krenz aus Pirna-Copitz, Emil Schlegel aus Pirna, Robert Senf aus Heidenau und die Genossin Ida Daß aus Pirna, angehörten.

Bereits im Feuer der Novemberrevolution und in den großen Klassenschlachten der ersten Jahre der revolutionären Nachkriegskrise waren, zum Teil aus Gruppen des Spartakusbundes oder aus Mitgliedern der USPD, in einer beachtlichen Anzahl von Städten und Dörfern der Amtshauptmannschaft zahlenmäßig zunächst oft relativ kleine, aber massenpolitisch aktive und wirksame Ortsgruppen der KPD entstanden, die im harten Klassenkampf in den Jahren der Weimarer Republik politisch und organisatorisch weiter erstarkten und ihren Masseneinfluß vergrößerten. Daran hatte der hervorragende Pirnaer Kommunist Siegfried Rädel, Mitglied des ZK der KPD und Abgeordneter des Deutschen Reichstages, bedeutenden Anteil. In zahlreichen Gründungsversammlungen war er maßgeblich an der Grundsteinlegung für den Aufbau der KPD im Unterbezirk Pirna beteiligt und wirkte mit hohem persönlichen Einsatz unablässig an der politischen und organisatorischen Festigung und Formierung der Parteiorganisationen sowie für die Verstärkung ihrer massenpolitischen Wirksamkeit. (9)

Anfang des Jahres 1933 zählten zu den stärksten und wirksamsten Parteiorganisationen des KPD-Unterbezirkes Pirna vor allem die Ortsgruppen der KPD in den Zentren des revolutionären Industrieproletariats der Amtshauptmannschaft, wo die

Partei zugleich in zahlreichen Betriebszellen eine starke Basis hatte, wie die Ortsgruppen Pirna einschließlich der eingemeindeten Vororte mit dem Pol.-Leiter Oswald Rentsch, Heidenau mit dem Pol.-Leiter Robert Senf, Dohna mit dem Pol.-Leiter Rudolf Gebauer und Sebnitz mit dem Pol.-Leiter Emil Severa. Weitere starke Ortsgruppen der KPD waren in Berggießhübel mit dem Pol.-Leiter Matthias Kajer, in Königstein mit dem Pol.-Leiter Arno Kegel, in Neustadt mit dem Pol.-Leiter Paul Müller, in Reinhardtsdorf-Schöna mit dem Pol.-Leiter Herbert Müller, in Bad Schandau mit dem Pol.-Leiter Erhard Kirbach und in Struppen mit dem Pol.-Leiter Martin Hering tätig.

Auch im KPD-Unterbezirk Pirna wirkten die Parteiorganisationen in ihrem Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Faschismus bis Anfang 1933 eng mit den von der KPD geführten proletarischen Massenorganisationen zusammen. Besonders hervorzuheben ist hier die wehrpolitische und massenpolitische Tätigkeit und Wirksamkeit des zum größten Teil aus parteilosen Arbeitern bestehenden RFB, dessen Untergau Pirna das Gebiet des KPD-Unterbezirkes Pirna umfaßte. Nach dem Verbot des RFB durch die Regierung des Weimarer Klassenstaates im Mai 1929 hatte sich der nun illegale RFB-Untergau Pirna unter der Bezeichnung Proletarische Schutz-und Wehrorganisation seine Form und Möglichkeit zu weiterer legaler Tätigkeit unter Führung der KPD, vor allem zum wehrhaften Abwehrkampf und als Kern des Massenselbstschutzes gegen den anwachsenden faschistischen Terror, geschaffen. Im Januar 1933 standen die bewährten Pirnaer Kommunisten Arno Pluschke als Pol.-Leiter und Max Weinhold als Techn.-Leiter an der Spitze des Untergaues Pirna der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation, und in fast allen Städten der Amts­hauptmannschaft sowie in einigen Dörfern bestanden Formationen von Zugstärke, die gebietsweise zu Hundertschaften zusammengefaßt waren.

Weitere von der KPD geführte proletarische Massenorganisationen, die bis zum Beginn des Jahres 1933 in der Amtshauptmannschaft Pirna eine beachtliche massenpolitische Arbeit entwickelt hatten, waren die RHD, die IAH, der Internationale Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit sowie die aus der marxistischen revolutionären Opposition der Arbeiter-Turn-und-Sport-Bewegung hervorgegangene Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit. In diesem Zusammenhang ist auch die proletarische Dresdner Bergsteigerorganisation VKA hervorzuheben, deren Wirkungsbereich vor allem das Gebiet der Sächsischen Schweiz umfaßte und die bereits in diesen Jahren Grenztreffen mit tschechoslowakischen Arbeitersportlern und anderen Werktätigen organisierte. Ihr gehörten auch Kommunisten, Sozialdemokraten und parteilose Arbeiter aus der Amtshauptmannschaft Pirna an.

Die zahlenmäßig stärkste Arbeiterpartei Anfang des Jahres 1933 war auch in der Amtshauptmannschaft Pirna die SPD. Der SPD-Unterbezirk Pirna umfaßte ebenfalls die gesamte Amtshauptmannschaft. Die Funktion des Sekretärs des Unterbezirksvorstandes bekleidete der Genosse Willy Seifert aus Pirna-Copitz. Ortsgruppen der SPD bestanden seit Jahrzehnten in allen Städten und größeren Dörfern der Amtshauptmannschaft. Zu den stärksten Ortsgruppen des SPD-Unterbezirkes Pirna zählten im Januar 1933 die Ortsgruppen Pirna einschließlich der eingemeindeten Vororte mit dem Vorsitzenden Willi Wellesen, Bad Schandau mit dem Vorsitzenden Fritz Erben, Heidenau mit dem Vorsitzenden Arthur Schwenke, Lohmen mit dem Vorsitzenden Ger­hard Schubert, Struppen mit dem Vorsitzenden Max Fröde sowie Berggießhübel, Dohna, Königstein, Neustadt, Reinhardtsdorf, Schöna sowie Sebnitz.

Von den Massenorganisationen, die von der SPD geführt oder in starkem Maße beeinflußt wurden, hatten Anfang des Jahres 1933 in der Amtshauptmannschaft Pirna vor allem das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, dessen Unterbezirk Pirna der Sozialdemokrat Willi Martin aus Pirna leitete, sowie zahlreiche Vereine der Arbeiter-Turn-und-Sport-Bewegung eine beachtliche zahlenmäßige Stärke und massenpolitische Wirksamkeit.

Die nachfolgende Chronik zeigt, daß die Geschichte des heldenhaften antifaschistischen Widerstandes, in dem die KPD die führende Kraft war, auch auf dem Territorium der ehemaligen Amtshauptmannschaft Pirna von Kommunisten, Sozialdemokraten, parteilosen Arbeitern, Christen und anderen Bürgern als Teil der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung mitgeschrieben wurde. Diese Chronik ist eine erste chronistische Darstellung der Geschichte des antifaschistischen Widerstandskampfes auf dem Territorium der ehemaligen Amtshauptmannschaft Pirna in den Jahren 1933 bis 1945. Sie erhebt deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist vielmehr als Grundlage für die weitere Erforschung des Kampfes gegen den Faschismus auf dem Territorium der heutigen Kreise Pirna und Sebnitz gedacht. Sie ist ein Beitrag zur Bewahrung und Pflege der revolutionären Traditionen der antifaschistischen Widerstandskämpfer in unserem sozialistischen Vaterland und soll vor allem zur Nutzung dieser revolutionären Traditionen für die kommunistische Erziehung unserer Jugend dienen.

Die Chronik ist das Ergebnis kollektiver Arbeit der Arbeitsgruppe Geschichte des Kreiskomitees Pirna/Sebnitz der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Das Autorenkollektiv dankt herzlich allen Genossinnen und Genossen, die mit Dokumenten, Erlebnisberichten, Schilderungen und Hinweisen zum Gelingen dieser Arbeit beitrugen.


 

1933

 

21. Januar Aufruf des ZK der KPD an die Arbeiter Deutschlands „Formiert euch zur Antifaschistischen Aktion!" In Ihm warnt die KPD zum wiederholten Male angesichts der drohenden Gefahr der Errichtung der faschistischen Diktatur vor neuen Staatsstreichplänen der Reaktion und ruft die Arbeiter aller politischen Richtungen auf, die Antifaschistische Aktion weiter zu festigen.

 

25.Januar    Demonstration gegen den Faschismus in Neustadt.

 

26.Januar-1. Februar In Dresden, Pirna, Zittau und anderen Orten Ostsachsens finden von der KPD organisierte Protestkundgebungen und Demonstrationen gegen die Ermordung der neun Antifaschisten Im Dresdner Keglerheim statt. Einen Höhepunkt dieser antifaschistischen Aktionen bildet die Massenkundgebung im Zirkus Sarrasani in Dresden, an der auch Pirnaer Genossen teilnehmen. Auf ihr geloben über 5000 Antifaschisten dem Pol.-Sekretär der KPD-Bezirksleitung Sachsen Fritz Selbmann, ihre ganze Kraft im Kampf gegen den Faschismus einzusetzen.

Die Demonstration in Pirna zählt Tausende von Menschen.

 

30. Januar Reichspräsident Paul von Hindenburg beauftragt Adolf Hitler mit der Regierungsbildung. Damit wird der Übergang zur offenen, terroristischen Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals in Deutschland vollzogen.

Das ZK der KPD ruft zum Generalstreik gegen die Errichtung der faschistischen Diktatur auf. Es charakterisiert die Bildung der Hitlerregierung als „brutalste, unverhüllteste Kriegserklärung an die Werktätigen", die nur durch die Herstellung der antifaschistischen Einheitsfront zurückgeschlagen werden kann.

Die ablehnende Haltung des Parteivorstandes der SPD zum Vorschlag des ZK der KPD, gemeinsam zum Generalstreik aufzurufen, führt dazu, daß die antifaschistische Einheitsfront abermals nicht zustande kommt.

Auf der Grundlage des Aufrufes des ZK der KPD organisiert die Bezirksleitung Sachsen der KPD unter Führung von Fritz Selbmann, Heinz Dose, Rudolf Lindau u.a. den antifaschistischen Widerstandskampf auch in unserem Gebiet.

Der Pol.-Leiter des KPD-Unterbezirkes Pirna Oswald Rentsch organisiert unter den neuen Bedingungen die Arbeit der Partei auf dem Territorium der Amtshauptmannschaft Pirna.

Die Stadtverordnetenversammlung in Sebnitz, in der als Stadtverordnetenvorsteher der Pol.-Leiter der KPD-Ortsgruppe Sebnitz Emil Severa fungiert, wählt die Kommunisten Richard Adler und Emil Noack als Stadträte.

 

31. Januar Auf der Bundesausschußsitzung des ADGB wird das Angebot des ZK der KPD, gemeinsam zum Generalstreik aufzurufen, abgelehnt.

Januar Militärische Übung der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) des Untergaues Pirna in der Nähe von Burkhardswalde, an der etwa 200 Antifaschisten teilnehmen.

Die Kommunisten Magda und Kurt Krenz in Pirna-Copitz verpacken Parteiliteratur in zwei Kisten und lassen diese im Haus des parteilosen Arbeiters Erich Kluge in Pirna-Copitz, Birkwitzer Straße 55, einmauern.

 

1.                 Februar Reichspräsident Hindenburg löst auf Antrag der Hitlerregierung den Reichstag auf und setzt Neuwahlen für den 5. März 1933 fest.

Demonstration der KPD von Neustadt und Umgebung auf dem Neustädter Marktplatz gegen die Errichtung der faschistischen Diktatur.

 

2.                 Februar Besetzung und Durchsuchung des Karl-Liebknecht-Hauses in Berlin, Sitz des ZK der KPD, durch die Politische Polizei. Damit wird eine Welle von Überfällen auf die Büros der Bezirksleitungen und andere Einrichtungen der KPD sowie ihrer Organisationen eingeleitet.

 

4.Februar „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes". Sie stellt jede Kritik an der faschistischen Regierung unter Strafe und verfügt Versammlungs- und Presseverbote.

 

6.         Februar Auf einer Pressekonferenz des ZK der KPD wiederholt Wilhelm Pieck das Einheitsfrontangebot an den Parteivorstand der SPD.

In einigen Orten der Amtshauptmannschaft Pirna, wie in Dohna, sind die Arbeiter der SPD zum gemeinsamen Vorgehen mit ihren kommunistischen Klassengenossen bereit.

Die Genossen Rudolf Gebauer, Kurt Schmidt und Erhard Wiedrich der KPD-Ortsgruppe Dohna bringen in der Nacht an Häusern und Zäunen in Dohna und Umgebung die Losungen an: „Heraus zum Generalstreik!", „Nieder mit Hitler!"

Zur Vorbereitung einer Demonstration gegen den Faschismus in Sebnitz nähen Antifaschisten im Kellergeschoß des Hauses Döring in der Rosenstraße rote Fahnen.

 

7. Februar Illegale Tagung des ZK der KPD mit leitenden Bezirksfunktionären im Sporthaus Ziegenhals bei Niederlehme, Kreis Königs Wusterhausen. An ihr nehmen etwa 40 Mitglieder des ZK, Bezirkssekretäre und Chefredakteure von Bezirkszeitungen teil, unter ihnen Siegfried Rädel und Rudolf Renner. Ernst Thälmann charakterisiert die mit der Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland entstandene Lage und formuliert die nächsten Aufgaben der KPD zur Sicherung der Parteiarbeit, zur Herstellung der antifaschistischen Einheitsfront und zum Sturz des Hitlerregimes.

Die Genossen der Unterbezirksleitung und der Ortsgruppen des KPD-Unterbezirkes Pirna setzen die politische Massenarbeit unter den veränderten Klassenkampfbedingungen fort.

In Pirna-Copitz verteilt der Kommunist Erich Sturm auf der Hauptstraße Flugblätter der KPD. In ihnen wird zur Regierungserklärung Hitlers Stellung genommen, die Demagogie der Faschisten entlarvt sowie zum Generalstreik und zum Sturz der Hitlerregierung aufgefordert. Darin heißt es u.a.: „Kämpft mit der KPD, organisiert den Generalstreik, mobilisiert die Betriebe zum Sturz der Regierung Hitler, Hugenberg, Papen!"

Demonstration gegen den Faschismus auf dem Marktplatz in Sebnitz. Aus Sebnitz und Umgebung sowie aus Neustadt nehmen mehr als 2000 Kommunisten, Sozial­demokraten und parteilose Antifaschisten teil.

 

10. Februar In den Hauptstraßen Pirnas verteilen Sozialdemokraten Flugblätter zum Wahlaufruf der SPD. Die Polizei schreitet ein, kann jedoch die Verteiler der Flugblätter nicht ermitteln.

 

11. Februar Gemeinsame Demonstration des KJVD, der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB), der proletarischen Selbstschutzorganisation des Kampfbundes gegen den Faschismus und des Sozialistischen Schutzbundes der SAP in Pirna. Eine Einheitsfrontkundgebung auf dem Pirnaer Marktplatz schließt sich an. Etwa 1 500 Antifaschisten protestieren gegen die Errichtung der faschistischen Diktatur.

 

17. Februar Der preußische Innenminister Hermann Göring verpflichtet die Polizei, rücksichtslos gegen Kommunisten und andere Antifaschisten vorzugehen und von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Diese Verordnung, den sogenannten Schießerlaß, übernehmen alle Länderregierungen Deutschlands.

22. Februar Verbot der „Arbeiterstimme", des Organs der KPD in Ostsachsen.

Für das Land Sachsen tritt die Verordnung des Reichsministers des Innern vom 21. Februar 1933 in Kraft. Mit ihr werden „Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge der kommunistischen Partei sowie ihrer Hilfs- und Nebenorganisationen" verboten.

 

23. Februar Besetzung und Schließung des Karl-Liebknecht-Hauses in Berlin. Material der KPD für die Wahlvorbereitung wird beschlagnahmt und der Druck des Zentralorgans der KPD, „Die Rote Fahne", verhindert.

Wahlkundgebung der KPD im Berliner Sportpalast. Als Referent entlarvt Wilhelm Pieck die Demagogie der Faschisten, prangert deren Terror an und ruft zur Einheitsfront im Kampf gegen den Faschismus auf.

 

26.-27. Februar „Die Rote Fahne" erscheint zum letzten Mal legal.

 

27. Februar Die „Sächsische Arbeiterzeitung" Leipzig veröffentlicht den offenen Brief Ernst Thälmanns „An die sozialdemokratischen und christlichen Arbeiter Deutschlands! An die Kollegen der freien Gewerkschaften und die Reichsbannerkameraden".

Er betont die Bereitschaft der KPD, mit allen Hitlergegnern in der Einheitsfront zu kämpfen.

Reichstagsbrandprovokation. Die faschistische Führerclique beschuldigt die Kommunisten, den Brand gelegt zu haben. Damit entfachen die Faschisten eine antikommunistische Hysterie unter der Bevölkerung und eröffnen einen Terrorfeldzug größten Ausmaßes. Noch in der Brandnacht werden in ganz Deutschland mehr als 10 000 Funktionäre und Mitglieder der KPD, der SPD und oppositionelle bürgerliche Demokraten verhaftet.

Auch in Ostsachsen setzt eine große Verhaftungswelle ein.

Die Kapelle „Proletarischer Musikverein Pirna" (RFB) spielt für die Rote Hilfe in Ottendorf bei Pirna. Ein Kurier der KPD überbringt die Meldung, daß der Reichstag brennt. Alle Genossen erhalten den Auftrag, einzeln in ihre Wohnorte zurückzukehren.

 

28. Februar Aufruf des ZK der KPD an die Werktätigen Deutschlands. Erneutes Einheitsfrontangebot der KPD an die Vorstände der SPD und des ADGB. Die KPD fordert die Mitglieder beider Organisationen zu gemeinsamen Kampfaktionen mit den Kommunisten und zum politischen Generalstreik für den Sturz der Hitlerdiktatur auf.

Notverordnung „Zum Schutz von Volk und Staat". Auf Grund des Artikels 48 der Weimarer Verfassung werden zur „Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte" die Artikel 114, 115, 117, 118 und 153 außer Kraft gesetzt und damit Beschränkungen der persönlichen Freiheit, der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegrafen- und Fernsprechgeheimnis, Anordnungen von Hausdurchsuchungen u. a. gestattet. Für jede antifaschistische Betätigung wird die Todesstrafe angedroht. Nach dieser Verordnung, die faktisch die Weimarer Verfassung aufhebt, gehen die Faschisten zum staatlich organisierten Terror größten Ausmaßes über.

Die Kommunisten Kurt Bellmann und Erich Sturm in Pirna-Copitz verfassen ein Flugblatt, das sie in der Wohnung des Genossen Bärwald vervielfältigen und im Stadtgebiet von Pirna-Copitz verteilen. Sie nehmen darin zur Reichstagsbrandprovokation der Faschisten Stellung und fordern zum Generalstreik sowie zum Sturz der Hitlerregierung auf.

Der Kommunist Emil Schlegel aus Pirna, Verlagsleiter der „Arbeiterstimme", Stadtrat und Leiter der kommunistischen Fraktion der Stadtverordnetenversammlung Pirna, wird verhaftet.

Der Pirnaer Kommunist Erich Pohling sichert mit seiner Tochter im Volkshaus Pirna Parteimaterial. Während die SA seinen Onkel Emil Schlegel in den unteren Räumen verhört, gelingt es ihm, die Mitgliederkartei der KPD im Schulranzen seiner Tochter aus dem Volkshaus zu  bringen. Bei dem parteilosen Arbeiter Martin Hähnel in Pirna-Rottwerndorf verbirgt Erich Pohling die Kartei und weitere Materialien der Partei.

Verhaftung des Org.-Leiters der KPD-Ortsgruppe Heidenau Emil Schemmel an seinem Arbeitsplatz im Bahnhof Heidenau.

In der Nacht umstellen KPD-Mitglieder aus Pirna und Umgebung das SA-Heim in der Pirnaer Mühlenstraße. Nur mit Stöcken bewaffnet, wollen sie verhindern, daß die SA im Zusammenhang mit der Reichstagsbrandprovokation die organisierten Arbeiter terrorisiert.

Februar Die KPD-Unterbezirksleitung Pirna ruft bewährte Funktionäre zu einer Beratung in das Sportheim Pirna-Jessen. Genosse Rudolf Renner, Mitglied der Bezirksleitung Sachsen der KPD und Chefredakteur der „Arbeiterstimme", spricht über die Einheitsfrontpolitik der KPD und gibt erste Hinweise zur illegalen Arbeit. Mitglieder der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) sichern dieses Treffen.

Das KPD-Mitglied Walter Schmiedel aus Pirna-Zuschendorf formiert die Parteiorganisation dieses Ortsteiles, der u. a. die Kommunisten Walter Hauptvogel und Herbert Marschner angehören, für die illegale Arbeit.

Die Wohnung der Genossen Alma und Karl Rädel in Pirna-Copitz dient bis Jahresende als eine erste Anlaufstelle für Instrukteure der KPD-Bezirksleitung und für illegale Literatur, die u. a. über Rugiswalde aus der CSR gebracht und zum Teil nach Dresden weitergeleitet wird.

Der Kommunist Martin May aus Schönbach, Arbeitsgebietsleiter der KPD-Unter­bezirksleitung Pirna für das Gebiet Sebnitz und Pol.-Leiter der Sebnitzer Ortsgruppe der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB), trifft sich mit verantwortlichen Genossen illegal am Hasenberg bei Sebnitz.

Der Dresdner Kommunist Erich Glaser, Vorsitzender der VKA, wird von den Genossen Ernst Ehrlich und Bernhard Reichert illegal in Thürmsdorf untergebracht.

Der Pirnaer Kommunist Erich Richter, Org.-Leiter der Ortsgruppe Pirna der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB), sichert die Druckmaschine der illegalen Druckerei der Ortsgruppe. Gemeinsam mit Genossen Martin Richter bringt er sie einschließlich Zubehör von der Braustraße 10 zur Waisenhausstraße. In der Nacht befördert Erich Richter die Maschine zu Genossen Walter Kluge, dem Zugführer der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) in Pirna-Zehista. Sie drucken Flugblätter, die zum Kampf gegen den Faschismus aufrufen.

Danach wird die Druckmaschine in der Herrenleite, nördlich von Pirna-Copitz, unter einem Felsen im Steinbruch verborgen.

Mitglieder der KPD aus Dohma gießen mit Anilinfarbe Losungen der revolutionären Vorhut der Arbeiterklasse in den Schnee am Kohlberg in Pirna.

Der Kommunist Martin Krause aus Krippen rettet im Sachsenwerk Niedersedlitz die Lenin-Büste, ein Geschenk sowjetischer Genossen an die Arbeiter des Werkes, vor dem Zugriff der Faschisten. Er verbirgt sie auf dem Dachboden einer Materialhalle.

 

28.             Februar bis Mitte März Die Faschisten verhaften in Heidenau 161 Arbeiter. Zu den Verhafteten gehören der Pol.-Leiter Robert Senf und sämtliche Funktionäre der Ortsgruppe der KPD, die Funktionäre der Ortsgruppen der SPD und SAP, alle demokratisch gewählten Abgeordneten der KPD und SPD sowie Funktionäre der proletarischen Massenorganisationen.

 

3. März Der Vorsitzende der KPD Ernst Thälmann wird unter Bruch der parlamentarischen Immunität verhaftet. Das ZK beauftragt Wilhelm Pieck mit der Vertretung des Parteivorsitzenden. Die operative Leitung der illegalen Arbeit der Partei liegt in den Händen von Wilhelm Pieck, John Schehr und Walter Ulbricht.

 

4. März Der Org.-Leiter der KPD-Unterbezirksleitung Pirna Kurt Krenz aus Pirna-Copitz wird verhaftet.

Genossen Martin May aus Schönbach gelingt es, sich durch seine Flucht in die CSR der Verhaftung zu entziehen.

In einer Tischlerwerkstatt in Rathmannsdorf bereiten Arbeiter die Wahlagitation für die KPD vor. Die Gendarmerie beschlagnahmt mehrere Wahlplakate der KPD sowie Eimer mit Farbe und Leim. Sie verhaftet den Kommunisten Alfred Kaulfuß und die parteilosen Arbeiter Otto Großer, Martin Hering, H. Paufler, Fritz Kaulfuß und Erich Seidel und überführt die Verhafteten in das Amtsgerichtsgefängnis Bad Schandau.

Die Gendarmerie nimmt den Arbeiter Walter Müller aus Ehrenberg fest.

 

Anfang März Aufruf des ZK der KPD zum Kampf für die Freilassung Ernst Thälmanns und aller eingekerkerten Antifaschisten.

In den Nächten vor und nach der Reichstagswahl halten sich etwa 20 Mitglieder der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) unter Leitung ihres Zugführers, des Kommunisten Alfred Vater aus Pirna-Neundorf, in leerstehenden Räumen der Chemischen Fabrik Walther in Pirna-Rottwerndorf und etwa 25 Reichsbannerangehörige, geführt vom Techn.-Leiter Kurt Frankowski, in einem Bodenraum der Steinsäge der Firma Fleck & Illmert in Pirna-Neundorf zu Aktionen bereit. Beide Gruppen unterhalten Verbindung durch Posten und Kuriere.

Auch In anderen Orten, so in Struppen, stehen Kommunisten, Mitglieder der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) und andere Antifaschisten in Bereitschaft.

Etwa 30 Rote Sportler bewachen ihr Sportheim in Pirna-Jessen, um es vor den Faschisten zu schützen.

Die Kommunisten Martin Böhme und Emil Severa sowie weitere Sebnitzer Genossen werden verhaftet und in das Amtsgericht Sebnitz eingeliefert.

 

5.         März Reichstagswahl. Es ist die letzte, an der sich die Arbeiterparteien und die bürgerlichen Parteien beteiligen können.

4 848 058 Wähler stimmen für die KPD. Die KPD zählt zu diesem Zeitpunkt 360 000 Mitglieder, davon 34 458 in Sachsen. 7 181 629 Stimmen erhält die SPD.

Unter den schweren Bedingungen des faschistischen Wahlterrors bekennen sich somit 30,6 Prozent der Wähler für diese beiden Arbeiterparteien, die dadurch mit 201 Abgeordneten im neuen Reichstag vertreten sind.

Die NSDAP erhält nicht die von ihr erstrebte Zweidrittelmehrheit für die Annahme eines Ermächtigungsgesetzes.

In der Amtshauptmannschaft Pirna stimmen 23 648 Wähler für die KPD und 27 333 für die SPD. Damit entscheiden sich in unserem Gebiet insgesamt mehr Wähler für beide Arbeiterparteien als für die NSDAP, die nur 43 105 Stimmen erhält.

Das Wahlergebnis in Pirna, den proletarischen Zentren sowie einigen Kleinstädten und Dörfern der Amtshauptmannschaft siehe Seite 17.

Entgegen der faschistischen Anordnung, am Wahltag nur Hakenkreuzfahnen oder Fahnen schwarz-weiß-rot und die Stadtfarben zu hissen, bringen mutige Antifaschisten auf dem Schornstein der Firma Pretschner & Wagawa in Pirna-Neundorf eine rote Fahne mit Hammer und Sichel an.

In Pirna-Rottwerndorf befestigen Angehörige des Reichsbanners auf dem Schornstein der Marmorwerke die rote Fahne.

In Heidenau trägt der Genosse Oskar Feistkorn die rote Fahne auf den Schornstein der Firma Saupe und sägt die Steigeisen ab.

In Dohna bringen die Genossen Rudolf Gebauer und Kurt Schmidt die rote Fahne auf dem Schornstein der Rütgers-Werke an.

In Dohma befestigt Genosse Walter Richter (genannt Florian) auf dem Schornstein der Glasfabrik die Arbeiterfahne.

Mitglieder der KPD aus Struppen schreiben an den Felsen „Königsnase" am Eingang zur Sächsischen Schweiz die Losung „Wählt Kommunisten!"

Hausdurchsuchung bei der kommunistischen Familie Morche in Pirna. Die Polizei findet zwei Transparente mit den Aufschriften: „über die Betriebs- und Wohnbezirksorganisation zur Klassenfront!", „Durch Massenkämpfe zur Entscheidung!"

Genosse Herbert Müller, Lehrer und Abgeordneter der KPD in Reinhardtsdorf, wird verhaftet.

 

6.         März In Hinterhermsdorf werden die Kommunisten Emil Glanz, Edwin Jockel und Kurt Sommer sowie 3 Mitglieder des KJVD durch Polizei und SA-Hilfspolizei verhaftet.

 

 

Abgegebene Stimmen


KPD           SPD       NSDAP

Pirna

5 411

4 640

7412

Bad Gottleuba

154

282

469

Bad Schandau

179

440

1 200

Berggießhübel

324

233

278

Birkwitz

190

122

76

Burkhardswalde

140

46

120

Dittersbach

27

119

371

Dohma

220

191

90

Dohna

1 057

582

1 017

Graupa

143

95

158

Groß-Cotta

95

136

137

Heidenau

3 685

3 044

2 811

Hertigswalde

323

218

290

Hinterhermsdorf

116

80

290

Hütten

126

183

221

Krippen

126

217

581

Königstein

339

712

1 313

Langburkersdorf

326

457

847

Langenhennersdorf

102

290

295

Langenwolmsdorf

39

224

371

Lichtenhain

104

246

216

Lohmen

159

576

707

Maxen-Schmorsdorf

119

127

224

Neustadt

322

681

1 717

Papstdorf

29

207

181

Polenz

236

194

417

Porschdorf

148

189

181

Postelwitz

85

284

97

Pratzschwitz

83

284

97

Rathmannsdorf

222

286

243

Reinhardtsdorf

146

327

242

Rosenthal

58

180

441

Saupsdorf

124

140

213

Schöna

100

381

369

Schönbach

139

40

113

Sebnitz

1 640

1 877

2 841

Stadt Wehlen

105

275

343

Struppen

324

235

321

Ulbersdorf

82

153

154

 


 

7. März Verhaftung des parteilosen Funktionärs der RHD Karl Seewald und weiterer Antifaschisten aus Hertigswalde.

 

8. März Die SA besetzt die Jugendherberge Burg Hohnstein und errichtet in ihr ein sogenanntes Schutzhaftlager. Der sozialdemokratische Herbergsleiter Konrad Hahnewald weigert sich, auf der Burg die Fahne der Faschisten zu hissen. Die SA inhaftiert ihn deshalb als ersten Schutzhäftling.

 

9. März Die Hitlerregierung annulliert wider Recht und Gesetz die 81 Reichstagsmandate der KPD und läßt Abgeordnete der Partei verhaften, um sich die Zweidrittelmehrheit für die Annahme eines Ermächtigungsgesetzes zu sichern.

In den Vormittagsstunden retten die Pirnaer Sozialdemokraten Max Findeisen, Richard Lehmann und Hermann Paufler aus dem Volkshaus Pirna einen Teil des Eigentums der Freien Turn- und Sportvereinigung vor dem Zugriff der Faschisten.

Der Kommunist Arthur Thiermann aus Ebenheit bei Pirna, Zugführer der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB), wird verhaftet, in die SA-Führerschule Struppen gebracht und mißhandelt. Hier sind bereits 83 Antifaschisten inhaftiert. Genossin Elisabeth Hartmann aus Struppen verhilft Arthur Thiermann zur Flucht in die CSR.

Vor der Pirnaer Volksbuchhandlung verbrennen die Faschisten Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus sowie Schriften fortschrittlicher deutscher und internationaler Autoren und jüdischer Schriftsteller.

 

10.März Die Faschisten erklären das aus Arbeitergroschen finanzierte Wanderheim des Touristenvereins Naturfreunde in Königstein-Halbestadt, in dem sich ein Arbeitsdienstlager des Reichsbanners befindet, zum sogenannten Schutzhaftlager. Der Leiter des Arbeitsdienstlagers, der sozialdemokratische Reichsbannerfunktionär Heinrich Reißmann aus Postelwitz, wird der erste Schutzhäftling der SA.

 

10.-15. März Die Leitung der Hoesch-AG entläßt 24 Arbeiter des Betriebes in Hütten wegen ihrer kommunistischen Einstellung.

 

11.März Anläßlich einer Hausdurchsuchung in der Berggaststätte „Kleiner Bärenstein" in Naundorf werden Walter Hammer aus Berlin, der Lehrer Fritz Matern aus Hohenstein-Ernstthal sowie Heinrich Vierbücher, Funktionär der Liga für Menschenrechte und Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft, verhaftet.

 

14. März Im sogenannten Schutzhaftlager Hohnstein trifft der erste Transport verhafteter Antifaschisten ein.

 

15.März Die Polizei verhaftet den sozialdemokratischen Bürgermeister von Struppen Herbert Gläßer und liefert ihn in das Amtsgerichtsgefängnis Pirna ein.

 

Mitte März Erneute Hausdurchsuchung in der Berggaststätte „Kleiner Bärenstein". Die Polizei sucht ohne Erfolg ein angebliches Waffenlager der KPD.

 

16. März Durch Verordnung des sächsischen Ministeriums des Innern wird allen Mitgliedern der KPD, der KPD(O) und der SAP sowie all denen, die die Ziele dieser Parteien unterstützen, die Ausübung ihrer Ehrenämter in der Gemeinde-, Landes- und Reichsverwaltung bzw. in anderen öffentlich-rechtlichen Verwaltungen untersagt. Genosse Martin Pelzer, Abgeordneter der KPD in Schöna, wird verhaftet.

 

17. März Verhaftung der Kommunisten Fritz Hunger, Willy Weber und vier weiterer Mitglieder der KPD aus Schönbach.

 

23. März Reichstagssitzung in der Kroll-Oper in Berlin, an der die 81 Abgeordneten der KPD nicht teilnehmen können. Adolf Hitler begründet das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" (Ermächtigungsgesetz). Die Annahme dieses Gesetzes setzt die Weimarer Verfassung außer Kraft.

 

25. März Genosse Erich Richter aus Pirna übergibt dem Genossen Paul Röhlig aus Struppen ein Paket Druckschriften, die zum Kampf gegen die Hitlerdiktatur aufrufen. Darunter befindet sich die hektographierte illegale Ortszeitung der KPD für die Orte der Amtshauptmannschaft Pirna. Die Partei entlarvt in diesen illegalen Materialien den Reichstagsbrand als eine faschistische Provokation und fordert alle Antifaschisten zu gemeinsamen Aktionen gegen den Faschismus auf.

Der Bruder von Paul Röhlig, Genosse Willy Röhlig, übernimmt mit parteilosen Arbeitern den Vertrieb der Materialien.

Noch in der Nacht wird Erich Richter nach einem illegalen Treff im Pirnaer Kreuzgarten verhaftet.

 

26.             März Die SA verhaftet in Struppen auswärtige Touristen, u.a. 15 Heidenauer Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren. Sie werden in der SA-Führerschule Struppen inhaftiert und in das Schutzhaftlager Hohnstein überführt. Dort mißhandelt sie die SA genauso wie die älteren Antifaschisten.

 

28.März Der durch eine Denunziation in das Schutzhaftlager Hohnstein eingelieferte Vorsitzende der SPD-Ortsgruppe Lohmen, Schulleiter Gerhard Schubert, wird schwer mißhandelt und begeht aus Verzweiflung Selbstmord.

 

31. März Der Kommunist Robert Klett, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in der Küttner-AG Pirna und Vorsitzender des Internationalen Bundes der Opfer des Krieges und der Arbeit für das Gebiet Pirna, protestiert in einem Beschwerdebrief an den faschistischen Reichskommissar für das Land Sachsen Manfred von Killinger gegen die Schließung des Gaubüros des Bundes in Dresden.

 

März Appell Ernst Thälmanns an alle Kommunisten. Jedes Mitglied der KPD wird aufgefordert, treu zur Partei zu stehen, seine Pflicht zu erfüllen und ein Beispiel des antifaschistischen Einheitskampfes zu geben.

In der Gautsch-Grotte bei Hohnstein berät eine illegale Bezirkskonferenz der KPD Sachsen Aufgaben der Partei nach der Machtübernahme durch die Faschisten.

In einer Höhle südlich des „Satanskopf", einem Felsen der „Affensteine" in der Sächsischen Schweiz, richten die Leiter der illegalen Grenzarbeit der VKA, die Kommunisten Erich Glaser und Erich Langer, einen Stützpunkt als illegales Büro und Materialdepot der VKA ein. Hier werden antifaschistische Flugblätter hergestellt und aus der CSR eingeschleuste illegale Literatur weitergeleitet.

Der Pol.-Leiter des KPD-Unterbezirkes Pirna Oswald Rentsch und der Instrukteur der Unterbezirksleitung Max Richter (genannt Sonnenschein) aus Kohlmühle, die beide bereits illegal leben, führen mit anderen Genossen die Parteiorganisation der KPD im Unterbezirk Pirna weiter.

Genosse Oswald Rentsch trifft sich zweimal illegal mit dem Kommunisten Arthur Göhler aus Pirna-Jessen in Pirna-Copitz am Lugweg. Oswald Rentsch übergibt zum zweiten Treff eine größere Anzahl selbst hergestellter Flugblätter.

Genosse Erich Sturm aus Pirna-Copitz übernimmt von Unterkassierern der KPD-Ortsgruppe Pirna die Mitgliedsbeiträge sowie andere gesammelte Gelder und leitet sie an die illegale Unterbezirksleitung weiter.

Unter Leitung des Genossen Georg Haak aus Pirna-Copitz vertreiben Kommunisten der Ortsgruppe Pirna, u.a. Alfons Gora aus Pirna und Margarete Haak, aus der CSR eingeschleuste illegale Druckschriften, wie „Der Gegenangriff", „Die Baseler Rundschau" und die „AIZ". Genosse Walter Richter (Florian), aus Dohma in die CSR emigriert, transportiert dieses Material nach Pirna.

Unter Anleitung des Mitgliedes der KPD-Bezirksleitung Sachsen Erna Scholz aus Heidenau und des Instrukteurs der KPD-Unterbezirksleitung Pirna Max Richter (Sonnenschein) formiert der Heidenauer Kommunist Walter Wagner die KPD-Ortsgruppen Heidenau und Dohna unter den Bedingungen der Illegalität.

Die Kommunistin Ida Daß aus Pirna setzt die Parteiarbeit illegal fort. Als Frauenleiterin des KPD-Unterbezirkes Pirna sucht sie, die Verbindung zwischen den Genossinnen aufrechtzuhalten. Sie organisiert illegale Treffs in Wohnungen und an verschiedenen Orten. Enge Kontakte bestehen zu Genossin Erna Scholz in Heidenau. Die Genossinnen verteilen Zeitungen der Partei und sammeln Gelder für die illegale Arbeit.

Die in die CSR emigrierten Genossen Walter Förster aus Pirna-Neundorf, Arno Hering aus Struppen, Arthur Thiermann aus Ebenheit und Alfred Vater aus Pirna-Neundorf kommen wiederholt in ihre Heimatorte zurück und unterstützen die illegale Arbeit. Sie treffen sich mit den KPD-Mitgliedern Margarete Flegel, Walter Friedemann, Martha und Fritz Lehmann und Willy Richter sowie mit den Mitgliedern der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) Arno Hergesell und Paul Reiche und mit anderen Antifaschisten. Mit ihnen organisieren sie den Vertrieb illegaler Druckschriften, wie u.a. „Der Gegenangriff", „Die Baseler Rundschau" und die „AIZ".

Diese Materialien werden unweit der Grenze in der Nähe von Raum gelagert und von Kommunisten und anderen Antifaschisten aus Pirna-Neundorf, Pirna-Rottwerndorf, Langenhennersdorf und Struppen weitergeleitet und verbreitet. Auf diese Weise erhalten viele Familien in den genannten Orten nahezu wöchentlich antifaschistische Druckschriften.

Der Pirnaer Sozialdemokrat Oskar Fietsch, Vorsitzender der SPD-Fraktion der Stadt­verordnetenversammlung Pirna, wird verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis Pirna eingeliefert.

Der evangelische Pfarrer Rudolf Peter aus Pirna verwehrt einer Formation mit Haken­kreuzfahne aufmarschierter Faschisten den Zutritt in die Pirnaer Marien-Kirche. Er wird festgenommen und im Amtsgerichtsgefängnis Pirna inhaftiert.

In der Stadtverordnetenversammlung Heidenau verliest die sozialdemokratische Abgeordnete Marie Otto (Maska) eine Erklärung, in der sie die Versammlung infolge der Verhaftung der gewählten Abgeordneten der beiden Arbeiterparteien als nicht beschlußfähig erklärt. Sie fordert die Freilassung der gewählten Arbeitervertreter und verläßt unter Protest die Versammlung. Am nächsten Tag wird sie auf ihrer Arbeitsstelle verhaftet.

Das Mitglied der SPD Max Fröde aus Struppen und Walter Roßberg aus der Berggaststätte „Kleiner Bärenstein" in Naundorf transportieren von SPD-Genossen aus Berlin mitgebrachtes Material in die CSR. Walter Roßberg liefert u.a. einen Koffer mit Material bei Frau Marie Barth in Bodenbach (Podmokly), Postweg 52, ab.

Der sozialdemokratische Stadtrat Richard Schäfer aus Bad Gottleuba wird verhaftet und in das Schutzhaftlager Hohnstein gebracht.

In Neustadt finden beim Pol.-Leiter der KPD-Ortsgruppe Paul Müller und bei den KPD-Stadtverordneten Emil Giebner und Bruno Mühle sowie bei acht weiteren Kommunisten Hausdurchsuchungen statt. Diese Genossen werden verhaftet und in das Schutzhaftlager Hohnstein eingeliefert.

In Sebnitz erfolgen bei den Funktionären der KPD Arthur Stange und der SPD Ernst Grohmann und anderen Genossen Hausdurchsuchungen.

In Tyssa und Teplitz-Schönau (Tisa, Teplice) formieren sich die in die CSR emigrierten Genossen Walter Förster, Gerhard Hartmann, Arno Hering, Fritz Morche, Helmut Morche, Herbert Morche, Oskar Morche, Max Niklas, Walter Richter (Florian), Georg Peschke, Georg Schöne, Arthur Thiermann und Alfred Vater zur Entwicklung der illegalen antifaschistischen Grenzarbeit.

Zur Sicherung ihrer Arbeit stehen ihnen die KPC-Genossen Albin Löbel und Richard Sedlak zur Seite.

Der linksorientierte jüdische Zahnarzt Max Tabaschnik aus Pirna wird in das Schutzhaftlager Königstein-Halbestadt gebracht. Die SA foltert und mißhandelt ihn. In das

Krankenhaus Pirna eingeliefert, sorgt Chefarzt Dr. Rudolf von Renner für seine Heilung. Er entläßt ihn, ohne der SA davon Meldung zu machen. Max Tabaschnik emigriert mit Frau und Kind in die CSR. In deutschsprachigen Sendungen des Senders Prag II spricht er zur Weltöffentlichkeit über seine erschütternden Erlebnisse im Schutzhaftlager Königstein-Halbestadt.

In den Schutzhaftlagern Hohnstein und Königstein-Halbestadt organisieren Genossen einen Informationsdienst, um besonders gefährdeten und von den übrigen Gefangenen isolierten Häftlingen helfen zu können.

Die Genossen Alfred Kühnel aus Kleinhennersdorf, Johannes Pätzold aus Bad Schandau und Erich Röllig aus Rathmannsdorf verbergen die Fahne des RFB Bad Schandau in der Glanztuchfabrik Keffel in Kohlmühle.

Genossin Gertrud Kegel aus Königstein verbirgt die Fahne der KPD-Ortsgruppe Königstein in einer tönernen Kaffeekanne.

Die Fahne des RFB Heidenau verwahrt Genosse Pech.

Der Sportler Ernst Hoffmann aus Bielatal verbirgt die Fahne der Wiener Arbeiterolympiade von 1931 im Hause seiner Schwiegereltern.

 

Ende März Der Kommunist Arthur Göhler aus Pirna-Jessen, der mit Maßnahmen zur Sicherung des Parteieinflusses in der Bevölkerung unter den illegalen Bedingungen beauftragt ist, wird verhaftet und in der Pirnaer Fronfeste, Schmiedestraße, inhaftiert. Dieser bisherige Polizeigewahrsam des Rates der Stadt Pirna dient den Faschisten als Sammelpunkt für festgenommene politische Gegner vor deren Überführung in die sogenannten Schutzhaftlager und Gefängnisse.

 

März/April Die führenden Genossen der KPD-Ortsgruppe Lichtenhain Ernst Knebel und Otto Petters organisieren in Lichtenhain die illegale antifaschistische Arbeit. Mit einem Vervielfältigungsapparat werden Flugblätter hergestellt. Genosse Paul Böhme bringt sie nach Sebnitz zu Genossen Karl Lützel, der für die weitere Verteilung sorgt.

Das Mitglied der KPC Rudi Liebsch aus Niedereinsiedel (Dolni Poustevna) führt mehrere Male gefährdete Berliner und Dresdner Genossen in der Nähe von Sebnitz über die Grenze. Unter ihnen befindet sich auch Genosse Rudi Schröder, Leiter des RFB in Berlin-Neukölln, der auf Beschluß seiner Parteileitung emigriert.

Frühjahr In der Chemischen Fabrik Walther in Pirna-Rottwerndorf leitet Genosse Willy Richter die hektographische Herstellung der illegalen Zeitungen „Rote Spinne" und „Roter Rathausbote".

 

1.                 April Organisierter Judenboykott in ganz Deutschland. Ab 10.00 Uhr stehen vor den jüdischen Geschäften SA-Posten, die die Bevölkerung auffordern, nicht bei Juden zu kaufen, so auch vor den Textilgeschäften der Kaufmannsfamilien Baruch und Lubranitzky am Marktplatz in Sebnitz. An den Praxen jüdischer Ärzte, Rechtsanwälte u. a. hängen Schmähplakate. Auf den Straßen, in Verkehrsmitteln und in Häusern werden Juden angepöbelt, auf Massenversammlungen versuchen faschistische Redner und Horden eine Pogromstimmung zu erzeugen. Die KPD verurteilt in einer Erklärung den von den Faschisten organisierten Boykott.

 

12.April Die Funktionäre der KPD-Ortsgruppe Heidenau Robert Senf, Pol.-Leiter, Emil Schemmel, Org.-Leiter, Fritz Gumpert, Leiter der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB), und die Genossen Erich Hamann, Willy Klein und Martin Weber werden aus den Dresdner Gefängnissen in das Schutzhaftlager Königstein-Halbestadt überführt und dort von den Faschisten gefoltert.

 

16.April Verhaftung des Kommunisten Adolf Jentzsch aus Pirna-Zuschendorf. In der Haftbegründung heißt es: „Jentzsch steht im Verdacht, zwei Tage vor der letzten Reichstagswahl Flugblätter hochverräterischen Inhalts in Pirna-Zehista verteilt zu haben. Er hat sich auch sonst bei der KPD sehr rege betätigt, ist als Funktionär zu bezeichnen und ist der Gruppe 3 (besonders gefährlich) zuzuschreiben."

 

23. April Die SA erschlägt den Heidenauer Kommunisten Fritz Gumpert, der nicht bereit ist, seine Genossen zu verraten, im Schutzhaftlager Königstein-Halbestadt.

 

25. April Heidenauer Arbeiter sammeln Geld zur Überführung von Fritz Gumpert.

Rudolf Nesajda, Vorsitzender der Arbeiterfotografen von Heidenau, organisiert die Überführung Fritz Gumperts von Königstein nach Heidenau. In der Friedhofshalle Heidenau fotografiert er den verstümmelten Körper. Den Film mit 16 Aufnahmen übergibt er dem Bergsteiger Kurt Hartmann, der Ihn zu Genossen Josef Hacker in das „Volkshaus" Tyssa (Tisa) weiterleitet. Aufnahmen erscheinen in der illegalen „AIZ" und später im „Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitler-Terror".

Die Genossinnen Margarete Haak aus Pirna-Copitz und Erna Scholz aus Heidenau treffen sich bei Kohlmühle mit Genossen Walter Richter (Florian). Er übergibt von ihm aus der CSR eingeschleuste illegale Druckschriften, die sie mit ihren Fahrrädern nach Pirna transportieren.

Die emigrierten Genossen Walter Förster, Arno Hering und Alfred Vater treffen sich in der Gaststätte „Volkshaus" in Tyssa (Tisa) mit dem ebenfalls emigrierten Pol.-Leiter der KPD-Ortsgruppe Berggießhübel, dem Bildhauer Matthias Kajer, um mit ihm Aufgaben der illegalen politischen Arbeit zu beraten. Die tschechische Gendarmerie nimmt Matthias Kajer fest. Den anderen Teilnehmern des Treffens gelingt die Flucht. Genossen der KPC befreien Matthias Kajer.

 

28. April Nahezu 3 000 Werktätige finden sich am Friedhof Heidenau-Süd zur Beerdigung von Fritz Gumpert ein. Ein großes Polizei- und SA-Aufgebot riegelt den Weg zur Grabstätte ab. Nur die nächsten Angehörigen dürfen das letzte Geleit geben.

April Illegale Bezirkskonferenz der KPD in der Sächsischen Schweiz. An ihr nehmen Mitglieder der Bezirksleitung und Vertreter aller Unterbezirke teil. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen die ideologischen und organisatorischen Aufgaben nach den Massenverhaftungen in Deutschland.

Am „Hirschgrundkegel" bei Rathen findet eine illegale Zusammenkunft von Funktionären der VKA statt. Auf ihr wird, entsprechend der Spezifik der sportlichen Ausbildung der Touristen und Bergsteiger, der Beschluß gefaßt, der Grenzarbeit besonderes Augenmerk zu widmen, illegale Literatur aus der CSR nach Deutschland einzuführen und gefährdete Genossen nach der CSR in Sicherheit zu bringen.

Eine weitere illegale Beratung der VKA findet am „Müllerstein" in der Sächsischen Schweiz statt. Etwa 20 Mitglieder, unter ihnen die Kommunisten Erich Glaser, Wilhelm Dieckmann, Erich Langer und Kurt Schlosser, nehmen teil. Hauptthema der Beratung ist die Weiterführung der illegalen Arbeit der VKA.

Der illegal arbeitende Dohmaer Kommunist Walter Richter (Florian) erhält zeitweilig Unterkunft in der Wohnung der Familie Fuchs in Pirna-Copitz.

Entlang der tschechisch-deutschen Grenze entsteht ein Netz von Stützpunkten der KPD. Seine Aufgabe besteht in der Herstellung fester Verbindungen zu den illegal arbeitenden Parteiorganisationen der angrenzenden Parteibezirke in Deutschland sowie in der Einschleusung von Informationen und Propagandamaterial.

Im unmittelbar an Sebnitz angrenzenden Niedereinsiedel (Dolnf Poustevna) arbeitet als Beauftragter für den illegalen Literaturversand der KPC-Genosse Josef Baumgartl. Seine Frau, ebenfalls Mitglied der KPC, ihre vierzehnjährige Tochter Johanna und weitere Genossen bringen Druckschriften, wie „Der Gegenangriff", „Die Baseler Rundschau", die „AIZ" und den Reichenberger „Vorwärts", das deutschsprachige Organ der KPC, aber auch Flugblätter und Streuzettel paketweise oder in kleineren Mengen zu dem Kommunisten Arthur Hartmann, Milchhändler in Sebnitz, sowie zu anderen Sebnitzer Genossen.

 

1.                  Mai Die faschistische Regierung verfälscht den Internationalen Kampftag des Proletariats zum „Tag der nationalen Arbeit".

Illegale Zusammenkunft führender Genossen des KPD-Unterbezirkes Pirna auf der Vogelwiese in Pirna-Copitz. Daran nehmen u. a. die Genossen Helmut Fuchs, Richard Gießmann, Georg Haak und Erich Sturm aus Pirna-Copitz, Max Schmiedel aus Pirna-Zuschendorf, Alfred Meyer aus Lohmen, Hugo Spinn aus Porschendorf und Walter Wagner aus Heidenau teil. Sie beraten die weitere illegale Arbeit, die Aufnahme von Verbindungen zu fortschrittlichen Bürgern und den Vertrieb illegaler Literatur.

 

Anfang Mai Die KPD-Bezirksleitung Sachsen setzt zur Aktivierung der politischen Arbeit im Gebiet Chemnitz/Erzgebirge illegal lebende Genossen ein, unter ihnen Fritz Ehrlich aus Pirna.

Der Genosse Emil Schlegel aus Pirna vermittelt einen illegalen Treff des KPD-Unter­bezirksleiters Oswald Rentsch mit dem Genossen Gerhard Kunath am Pulverhäuschen in der Pirnaer Viehleite. Sie vereinbaren, daß Gerhard Kunath und dessen Schwager mit den Fahrrädern nach Essen fahren, um eine Verbindung zu dem Kommunisten Beyer herzustellen.

 

Mitte Mai Franz Dahlem, Wilhelm Florin und Wilhelm Pieck verlassen auf Parteibeschluß Deutschland und bilden die Auslandsleitung der KPD, die von Paris aus die illegale Arbeit der Partei führt. Als operatives Führungsorgan der politischen Arbeit in Deutschland wirkt bis zum Herbst 1933 die Inlandsleitung, der John Schehr, Hermann Schubert, Fritz Schulze und Walter Ulbricht angehören. Die ständige Verbindung zwischen beiden Vertretungen des Politbüros sichern Kuriere.

 

20. Mai Die Genossen Otto Schön aus Leipzig, H. Wuschik aus Dresden, Alfred Körbitz und Walter Müller aus Pirna treffen sich im Friedrichsgrund bei Pillnitz, um über die Weiterführung der RHD zu beraten. Genosse Otto Schön übergibt Materia­lien für den Unterbezirk Pirna, u.a. „Das Tribunal" vom April 1933.

 

Mai In der Wohnung des Kommunisten Kahle in Pirna-Copitz stellt Genosse Walter Kmoch illegale Druckschriften her. Die Genossen Meta und Otto Gedlich bringen sie zu Verteilern, u.a. zum Genossen Karl Rädel.

 

Die Genossen Margarete Haak und Helmut Fuchs hektographieren Flugblätter in Pirna-Copitz. Weitere Genossen, wie Richard Gießmann aus Pirna-Copitz, Alfons Gora aus Pirna, Alfred Meyer aus Lohmen, Max Schmiedel aus Pirna-Zuschendorf, Rudolf Spinn aus Porschendorf, Walter Wagner aus Heidenau und Alfred Wünsche aus Pirna-Copitz, sorgen für die Verteilung an die Bevölkerung. Das Vervielfältigungsgerät wird im Keller des Bauern Mehnert verborgen.

Der Kommunist Karl Täubrich aus Pirna-Zuschendorf übernimmt illegale Grenzarbeit und führt Genossen Schneider nach Tyssa (Tisa).

Genosse Martin May aus Schönbach, der nach seiner Flucht vor der Verhaftung zunächst bei dem Mitglied der KPC Josef Baumgartl in Niedereinsiedel (Dolni Poustevna) wohnt, erhält bei Genossen Müller im gleichen Ort Unterkunft und führt seine illegalen Aufträge aus.

Genosse Walter Richter (Florian) aus Dohma transportiert illegale Druckschriften von Niedereinsiedel (Dolni Poustevna) zu Genossen Walter Heymann nach Kohlmühle und zum illegal arbeitenden Instrukteur der KPD-Unterbezirksleitung Max Richter (Sonnenschein). Walter Heymann, seine Frau sowie die Genossinnen Engel und Stolz aus Kohlmühle übergeben dieses Material am Füllhölzelweg einem weiteren Beauftragten der KPD-Unterbezirksleitung.

 

Ende Mai In Struppen formieren Mitglieder der KPD die Ortsgruppe unter den Bedingungen der Illegalität. Genosse Martin Hering fungiert als Pol.-Leiter und Genosse Alfred Beyer als Kassierer.

Anfang Juni Laut Angaben der Gestapo sind von 22 Bezirksleitungen der KPD 17 verhaftet. Dennoch gelingt es den Faschisten nicht, die Organisation der KPD zu zerschlagen. Trotz des grausamen faschistischen Terrors werden immer wieder neue Leitungen gebildet.

Die Wohnung des Genossen Otto Gedlich in Pirna-Copitz ist eine wichtige Anlaufstelle der illegal arbeitenden Kommunisten. Hier trifft sich der KPD-Unterbezirksleiter Oswald Rentsch mit Erna Scholz aus Heidenau und mit Rudolf Gebauer aus Dohna sowie mit Walter Richter (Florian) aus Dohma, der die Verbindung zu emigrierten Genossen in der CSR aufrechterhält. Genossin Meta Gedlich arbeitet als Kurier.

 

7. Juni Genosse Oswald Rentsch beauftragt Genossen Georg Haak in Pirna-Copitz mit der Leitung der illegalen Arbeit der KPD im Unterbezirk. Oswald Rentsch übernimmt Aufgaben der Partei in Wuppertal.

 

22. Juni Die Hitlerregierung verbietet durch Erlaß des Innenministers Wilhelm Frick der SPD jede politische Betätigung. Ihre Abgeordnetenmandate werden eingezogen und etwa 3 000 sozialdemokratische Funktionäre verhaftet.

 

Juni Der Kommunist Heinz Aurich aus Dresden stellt die illegale Verbindung der Bezirksleitung Sachsen der KPD zum Unterbezirksleiter Georg Haak her.

Die Faschisten liefern die Genossen Arthur Göhler aus Pirna-Jessen und Kurt Krenz aus Pirna-Copitz in das Schutzhaftlager Hohnstein ein.

Der Kommunist Bernhard Geißler aus Reinhardtsdorf formiert die Parteiorganisation der KPD im Gebiet Reinhardtsdorf-Schöna für die illegale Arbeit.

Die in die CSR emigrierten Kommunisten Arno Hering und Alfred Vater nehmen von Tyssa (Tisa) und die KPC-Mitglieder Alfred und Rudolf Storch von Bünauburg (Bynov) aus Verbindungen zu den Genossen Beckert, Karl Donat und Paul Naumann in Langenhennersdorf, zu Genossen in Königstein und zu Genossen Bernhard Geißler in Reinhardtsdorf auf.

Der Kommunist Herbert Müller, Lehrer in Reinhardtsdorf, wird nach seiner Haft im Schutzhaftlager Hohnstein aus dem Schuldienst entlassen und des Ortes verwiesen.

 

Juni/Juli Der Unterbezirksleiter der KPD Georg Haak leitet die Reorganisation der Partei sowie die Verbreitung von Druckschriften unter den Bedingungen der Illegalität.

9./10. Juli In der Nacht findet in der Ziegelei Pirna-Jessen eine illegale Beratung von Genossen des KPD-Unterbezirkes statt. Etwa 30 Kommunisten aus Pirna, Graupa und Lohmen nehmen teil. Als Beauftragter der Bezirksleitung spricht Heinz Aurich aus Dresden über die Beschlüsse der Parteiführung zur Sicherung der illegalen Arbeit, zur Schaffung der Aktionseinheit und zur Einbeziehung aller Hitlergegner. Parteilose Arbeitersportler schützen die Versammlung.

 

12. Juli Der Kommunist Walter Hultsch aus Pirna wirkt an der Wiederherstellung der Organisation des Verbandes proletarischer Freidenker mit. Auf dem Wege zu einer illegalen Versammlung in Leipzig verhaftet ihn die Polizei.

 

13. Juli Der Kommunist Fritz Ehrlich, Stadtverordnetenvorsteher in Pirna, wird in Pockau-Lengefeld verhaftet.

 

14. Juli Das „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien" bedroht jede Fortführung oder Neubildung von Parteien mit Zuchthaus- und Gefängnisstrafen. Als einzige Partei ist die NSDAP zugelassen.

Wegen Weiterführung des verbotenen Verbandes proletarischer Freidenker als „Volkshilfe", „Bestattungsfürsorge" und „Sächsischer Heimatbund" erläßt das Amtsgericht Pirna Haftbefehl gegen Hedwig Albrecht, Richard Arnold, Walter Hultsch, Thomas Hurtner und Walter Triller.

 

16.Juli Genosse Walter Hultsch stirbt an den Folgen brutaler Verhöre in der Untersuchungshaftanstalt Münchner Platz in Dresden.

 

21. Juli Die Polizei verhaftet den KPD-Unterbezirksleiter Georg Haak und inhaftiert ihn in der Pirnaer Fronfeste.

 

22. Juli Die Genossen Ernst Knebel und Otto Petters aus Lichtenhain werden wegen der Herstellung und Verteilung hektographierter Flugblätter verhaftet.

 

30.Juli Verhaftung der illegal tätigen Genossin Erna Scholz aus Heidenau in Pirna-Jessen.

 

Juli Verhaftung des parteilosen Arbeiters Paul Janetz in Pirna-Copitz, der dem KPD-Unterbezirksleiter Georg Haak als Deckadresse dient. Damit reißt eine Verbindung der Unterbezirksleitung Pirna zur illegalen KPD-Bezirksleitung ab.

In der Wohnung des Genossen Helmut Fuchs in Pirna-Copitz finden illegale Beratungen statt, an denen die Kommunisten Margarete Haak, Paul Harnisch und Erich Sturm aus Pirna-Copitz teilnehmen. Von hier aus bestehen Verbindungen zu den Genossen Alfons Gora in Pirna, Arthur Schöpfer und Walter Wagner in Heidenau, wobei der parteilose Arbeiteresperantist Kurt Heinze aus Heidenau als Kurier tätig ist.

Während sich die Führung der KPD-Ortsgruppe Heidenau in Haft befindet, arbeitet der illegale Instrukteur der Unterbezirksleitung Max Richter (Sonnenschein) mit Genossen Walter Wagner aus Heidenau zusammen. Die von Walter Wagner geleitete Parteiorganisation vertreibt illegale Druckschriften, kassiert Beiträge und führt Geldsammlungen durch. Als Kassierer fungiert Arthur Schöpfer, und Herbert Graf beschafft illegale Literatur, u.a. „Der Gegenangriff".

Die Kommunisten Charlotte Schemmel (Hamann) und Herbert Graf schreiben und vervielfältigen auf dem Boden des Hauses Mühlenstraße 19 in Heidenau Flugblätter und den „Heidenauer Beobachter". Herbert Graf unterhält Verbindung zu dem Dresdner Genossen Heinz Aurich.

Der Genosse Rudolf Gebauer aus Dohna wird bei der Vorbereitung seiner Emigration in Rugiswalde verhaftet und in das Schutzhaftlager Hohnstein gebracht. Die SA schlägt auf ihn bis zu seiner Unkenntlichkeit ein. Genossen verbergen ihn. Im Lager stellt Rudolf Gebauer zu den Heidenauer Genossen Bruno Gleißberg, Robert Müller und Emil Schemmel Verbindung her. Sie beraten die künftige illegale Arbeit.

 

Sommer Bis zum Sommer 1933 dient die Höhle am „Satanskopf" als illegales Büro der VKA. Genossen der VKA stellen hier Flugblätter gegen den Faschismus her. Die Schreibmaschine und ein Vervielfältigungsapparat sind In Segeltuch verpackt unter Laub in der Höhle verborgen.

Darüber hinaus bringen etwa 200 Mitglieder der VKA seit Anfang März Informationsmaterial und Druckschriften illegal über die deutsch-tschechische Grenze.

Die Sebnitzer Antifaschisten Anna und Paul Pech schleusen aus der CSR kommunistische Druckschriften und anderes antifaschistisches Material nach Sebnitz und sorgen für die Weiterverbreitung. Sie erhalten diese Materialien in Niedereinsiedel (Dolnf Poustevna) vom Genossen Josef Baumgartl bzw. von ihrem Verwandten Franz Klaus, der Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation der CSR ist. Sie bringen vor allem, zum Teil im Kinderwagen ihres Sohnes Karl-Heinz, die „AIZ", „Der Gegenangriff", „Die Baseler Rundschau" und die „Inprekorr" über die Grenze. Die Verteilung erfolgt in Sebnitz u. a. an die Kommunisten und Parteilosen Martin Bartzsch, Helmut Findeisen, Hilde Franze, Heinrich Fusch, Rudi Geißler, Arthur Hartmann, Werner Hauswald, Willy Henke, Martha Hoffmann, Emil Köhler und Wenzel Weinberger.

Weiteres Material gelangt über den Kommunisten Paul Fritzsche aus Mittelndorf zu dessen Bruder, dem kommunistischen Kunstmaler Alfred Fritzsche, nach Kleinzschachwitz. An diesen Materialtransporten ist auch der parteilose Arbeiter Alfred Häntzschel aus Lichtenhain beteiligt. Ein Genosse aus Heidenau organisiert die Weiterleitung bis Oederan.

Eine weitere illegale Verbindung besteht nach Dresden. Der Kommunist Arthur Starke aus Rathewalde, Beifahrer bei der Firma Rodehau in Dresden, übernimmt die „AIZ", „Der Gegenangriff" und „Die Baseler Rundschau" zur Weiterleitung an Dresdner Genossen.

Die Sebnitzer Antifaschisten Walter Knobloch und Hans Richter nehmen zu ihrem ehemaligen Schulfreund, dem hauptamtlichen Parteifunktionär der KPC Kurt Babel, der zeitweilig in Obereinsiedel (Horni Poustevna) und anderen Orten des Grenzgebietes wohnt, Verbindung auf. Sie tauschen Informationen über die politische Situation aus und besprechen die Weiterleitung von illegalem Material.

 

1.                  August Das „Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitler-Terror" erscheint in deutscher Sprache in Basel.

Das Sondergericht für das Land Sachsen, Sitz Freiberg, verhandelt gegen die Heidenauer Kommunisten Max Kuske, Robert Müller und Kurt Ziesche sowie gegen die Sozialdemokraten Helmut Kaiser und Kurt Petters, weil sie sich gegen faschistische Provokateure vor dem Arbeitsamt Heidenau zur Wehr gesetzt hatten. Die Genossen erhalten Zuchthaus- und Gefängnisstrafen.

Auch in Ostsachsen beginnt eine neue Verhaftungswelle der Faschisten. Ihr fallen erneut Mitglieder der KPD, des KJVD, der SPD, der SAP und andere Antifaschisten zum Opfer.

 

3. August Der Kommunist Kurt Glaser aus Ottendorf bei Sebnitz wird zum zweiten Mal verhaftet und erneut in das Schutzhaftlager Hohnstein eingeliefert, wo er bereits nach seiner ersten Verhaftung furchtbar mißhandelt worden war. Auf dem oberen Burghof durchbricht er die Kette der prügelnden SA-Männer und stürzt sich über die Burgmauer 80 Meter tief in den sogenannten Bärengarten.

August Genosse Arthur Göhler aus Pirna-Jessen setzt nach seiner Entlassung aus der Haft die Parteiarbeit fort. Er nimmt Verbindungen zu den Genossen Johann Kwasny und Ernst Noack in Pirna-Copitz auf.

Der Kommunist Walter Novy aus Königstein stellt nach seiner Haft in den Schutzhaftlagern Königstein-Halbestadt und Hohnstein Verbindung nach Schluckenau (Sluknov) zu Genossen Rudolf Hanus her, der nach der Lagerhaft aus Deutschland ausgewiesen wurde.

 

August/September Der bisherige Parteibezirk Sachsen der KPD wird entsprechend den Erfordernissen der illegalen Arbeit neu gegliedert. Es entstehen die KPD-Bezirksleitungen Chemnitz, Dresden, Leipzig und Plauen-Zwickau.

Der Dresdner Bezirksleitung gehören solche verdienstvollen Funktionäre wie Rudolf Axen, Heinz Dose, Otto Heinig und Rudolf Lindau an.

Der aus der Haft entlassene Unterbezirksleiter der KPD Georg Haak, seine Frau Margarete Haak und Genosse Helmut Fuchs organisieren von Pirna-Copitz aus den illegalen Vertrieb des Braunbuches in Pirna und Umgebung.

 

2.-3. September In Sebnitz werden sechs Antifaschisten festgenommen, unter ihnen der kommunistische Stadtverordnete Gustav Manitz.

 

21. September Der Reichstagsbrandprozeß beginnt in Leipzig. Als Angeklagte stehen der holländische Anarchist Marinus van der Lubbe, die bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff, Blagoj Popoff und Vasil Taneff sowie der kommunistische Reichstagsabgeordnete Ernst Torgler vor den Schranken des Reichsgerichts. Die Faschisten verfolgen mit dem Prozeß das Ziel, eine neue Welle antikommunistischer Pogromstimmung zu erzeugen, psychologisch den Boden für einen großangelegten Prozeß gegen Ernst Thälmann und die KPD vorzubereiten und ihren Mordterror juristisch zu legitimieren.

Durch das mutige Auftreten Georgi Dimitroffs erleiden die deutschen Faschisten ihre erste schwere politische Niederlage.

 

22.              September Als Pilzsucher getarnt, versuchen die Genossen Kurt Brettschneider, Alfred Richter und Karl Täubrich aus Pirna Verbindung zu Genossen aus dem Schutzhaftlager Hohnstein aufzunehmen, die am Bau der Wartenbergstraße arbeiten. SA-Leute verhaften sie und bringen sie ins Lager.

 

September Der Kommunist Walter Zirnstein aus Ulbersdorf baut in der Glanztuchfabrik Keffel in Kohlmühle eine illegale Betriebszelle der KPD auf, zu der Erich Röllig aus Wendischfähre, Walter Schurz aus Lohsdorf, Gustav Stolz aus Kohlmühle und Otto Stolz aus Porschdorf gehören. Diese Genossen sammeln u. a. Geld für die illegale Rote Hilfe, das Walter Zirnstein Genossen übergibt, mit denen er sich bei dem KPC-Mitglied Paula Weigel in Nixdorf (Mikulasovice) trifft.

Der Kommunist Oskar Feistkorn aus Heidenau wird wegen schweren Landfriedensbruchs sowie Zugehörigkeit zur KPD und zum RFB zu 1 Jahr und 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. Mitangeklagte sind die Heidenauer Genossen Max Kuske, Max Leupold und Robert Müller.

 

Ende September Genossin Martha Lehmann aus Struppen vermittelt eine Aussprache zwischen dem Kommunisten Arno Hering und dem wieder aus der Haft entlassenen Sozialdemokraten Herbert Gläßer aus Struppen. Herbert Gläßer ist zur Zusammenarbeit mit der KPD bereit.

 

13. Oktober Der KPD-Unterbezirksleiter Georg Haak wird wegen illegaler Weiterführung der KPD im Unterbezirk Pirna erneut verhaftet.

Oktober In der Nähe der ehemaligen Hühnerfarm an der Bohlenschneise im Forst bei Markersbach überschreiten seit dem Machtantritt der Faschisten die in die CSR emigrierten KPD-Mitglieder Walter Förster, Arno Hering, Helmut Morche, Alfred Vater u.a. die Grenze. Sie bringen Flugblätter der IAH sowie die Zeitungen „Der Gegenangriff" und „Volksstimme" aus der CSR und übernehmen Situationsberichte aus Deutschland. Die Zeitungen und Flugblätter verteilen die Kommunisten Rudolf Hiekmann und Walter Kluge aus Pirna-Zehista weiter.

Nach der Verhaftung des Genossen Georg Haak stellt Genosse Helmut Fuchs aus Pirna-Copitz über Genossen Erich Sturm die unterbrochene Verbindung zum Instrukteur der illegalen Bezirksleitung Dresden der KPD Heinz Aurich her.

 

1.                 November Die Mitglieder der SAP und des SJV aus Heidenau Paul Auerbach, Erich Enzenbach, Herbert Kaiser, Gerhard Lemmler, Karl Mader, Hans Meißner, Helmut Nyderle, Kurt Riffer, Paul Schneider und Rudolf Thomas werden im Prozeß „Jungnickel und Genossen" mit weiteren 85 Genossen wegen Weiterführung der SAP und des SJV sowie wegen Verbreitung illegaler Druckschriften vom Sondergericht für das Land Sachsen, Sitz Freiberg, zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt. Die Genossen, zumeist Jugendliche, gehören einer Organisation von etwa 80 Mitgliedern der SAP und des SJV an, die in Pirna, Königstein, Heidenau und Glashütte illegal arbeiten.

 

3. November Genosse Alfred Vater bringt illegale Zeitschriften, u.a. die „AIZ" und „Der Gegenangriff" bei Rosenthal über die Grenze. Er übergibt sie einem Mittelsmann, der zum Verräter geworden ist. Danach sucht er seine Mutter in Pirna-Neundorf auf und wird hier verhaftet.

Gegen 22.00 Uhr beginnt eine Hausdurchsuchung bei dem Mitglied der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) Arno Hergesell in Pirna-Neundorf. Beschlag­nahmt werden u.a. die „AIZ" vom 26.10.1933 und „Der Gegenangriff" vom 22.10. 1933 sowie ein versteckt gehaltenes Paket für die Ehefrau des Genossen Arthur Thiermann. Durch Verrat gelingt es der Gestapo, die Genossen Walter Friedemann, Arno Hergesell und Paul Reiche aus Pirna-Neundorf zu verhaften.

Verhaftung der Kommunisten der illegalen Heidenauer Parteiorganisation Ernst Hanke, Willy Klein, Kurt Köckritz, Max Leupold, Alfred Liebig, Walter Matzke, Elisabeth Pfeifer, Albert Richter, Arthur Schöpfer, Karl Schöpfer, Robert Senf, Walter Wagner und Max Ziesche wegen Weiterführung der KPD und Verbreitung illegaler Literatur.

 

4 November Die Polizei verhaftet Genossen Helmut Fuchs aus Pirna-Copitz. Sie findet 50 Zeitungen „Junge Garde", die Helmut Fuchs vom Genossen Arthur Schöpfer aus Heidenau zur Verteilung erhalten hat. Während der Verhaftung trifft der parteilose Arbeiteresperantist Kurt Heinze aus Heidenau ein, um Helmut Fuchs über die Festnahmen in Heidenau zu informieren. Beide werden in die Fronfeste Pirna eingeliefert.

Genossin Erna Scholz aus Heidenau wird in das Schutzhaftlager Hohnstein überführt.

 

15.November Die Kommunistin Maria Maul führt in Pirna die Arbeit der proletarischen Freidenkerbewegung weiter. Sie wird deshalb verhaftet und vom Landgericht Dresden zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

 

23.November Die SA ermordet den Pol.-Leiter der KPD-Ortsgruppe Struppen Martin Hering im Schutzhaftlager Hohnstein.

 

November/Dezember Der Kommunist Otto Gedlich aus Pirna-Copitz verteilt illegale Druckschriften und gewährt verfolgten Personen in seiner Wohnung Unterkunft.

Nach ihrer Entlassung aus dem Schutzhaftlager Hohnstein arbeiten die Kommunisten Max Schmiedel und Hugo Spinn aus Porschendorf illegal weiter. Sie nehmen Ver­bindung zur Pirnaer Parteiorganisation auf.

 

10. Dezember Die Gestapo verhaftet erneut den Kommunisten Arthur Göhler aus Pirna-Jessen wegen Weiterführung der illegalen Arbeit der KPD im Raum Pirna-Copitz.

 

13.Dezember Gegen die Kommunisten Paul Heller, Fritz Hohlfeld, Fritz Hunger, Max Schäfer und Willy Weber aus Schönbach beginnt der Prozeß wegen Vorbereitung zum Hochverrat.

 

16.Dezember Genosse Paul Harnisch aus Pirna-Copitz, Mitglied der Unterbezirksleitung der KPD und Stadtverordneter von Pirna, wird verhaftet.

 

21. Dezember Verhaftung des Kommunisten Erich Sturm aus Pirna-Copitz, der als illegaler Kassierer der Partei für das Gebiet rechts der Elbe tätig ist.

 

27. Dezember Die Polizei verhaftet den Kommunisten Otto Gedlich aus Pirna-Copitz.

 

Dezember Das ZK der KPD beauftragt Siegfried Rädel, als Grenzstellenleiter der Partei in Prag zu wirken.

Nach ihrer Entlassung aus dem Schutzhaftlager Hohnstein nehmen die Genossen Martin Böhme und Willy Schwarz aus Sebnitz sowie Emil Glanz aus Hinterhermsdorf die illegale Grenzarbeit auf.

Der „Kleine Vorwärts", ein in der CSR auf hauchdünnem Papier und in Kleinformat gedrucktes Organ der SPD, wird von den Sozialdemokraten Arthur Feustel und Herbert Wolf aus Heidenau mit anderem Material über die Grenze gebracht und in Streichholzschachteln u. a. von den Heidenauer Genossen Otto Bergmann und Karl Otto weitergeleitet.

Dieser „Kleine Vorwärts" liegt auch zur Einsichtnahme für bekannte SPD-Mitglieder in einer der Kaninchenboxen im Garten der sozialdemokratischen Familie Martin Haase in Pirna aus. Der Puppenwagen der Tochter dient zur Weiterleitung an Genossen Kurt Richter in der ehemaligen Pionierkaserne in Pirna und an weitere Genossen.

*

 

Seit dem Machtantritt der Faschisten werden in ganz Deutschland Zehntausende Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Antifaschisten im Verlauf des Jahres 1933 ohne Urteil in „Schutzhaft" genommen und in sogenannte Schutzhaftlager und Konzentrationslager, Zuchthäuser und Gefängnisse, SA- und SS-Kasernen eingeliefert. Sie setzen auch in der Haft unter schärfstem faschistischem Terror durch illegale Organisation, Nachrichtenübermittlung, Solidarität u.a. den Widerstand fort. Die berüchtigtsten ersten Lager im Land Sachsen sind: Colditz, Gefangenenanstalt Mathildenstraße Dresden, Schloß Hainewalde, Hainichen, Hammerstein, Burg Hohnstein, Königstein-Halbestadt, Lichtenburg, Sachsenburg, Sonnenburg, Schloß Osterstein Zwickau.

 


 

1934

 

28.Januar Die programmatische Erklärung des sozialdemokratischen Emigrationsvorstandes „Kampf und Ziel des revolutionären Sozialismus. Die Politik der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" (Prager Manifest) wird veröffentlicht. In ihr werden einige Lehren aus der Novemberrevolution und den Ergebnissen der sozialdemokratischen Politik in der Weimarer Republik gezogen. Die maßgeblichen Kräfte im Prager Emigrationsvorstand lassen jedoch den Erkenntnissen über die Notwendigkeit des gemeinsamen antifaschistischen Kampfes keine Taten folgen und rücken später offen von den Grundgedanken der Erklärung ab.

 

Januar Der Kommunist Paul Müller aus Neustadt und zwei weitere Genossen werfen nachts aus einem Auto im Raum Neustadt, Stolpen und Hohnstein Flugzettel, die durch illegal arbeitende Genossen aus der CSR gebracht worden sind.

 

12.-13. Februar Im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen „Vater und Genossen" erfolgen erneute Verhaftungen von Kommunisten und anderen Antifaschisten in Pirna-Neundorf, Pirna-Rottwerndorf, Struppen und anderen Orten der Amtshauptmannschaft Pirna wegen Fortsetzung der politischen Arbeit.

 

27.             Februar Nach ihrer durch die weltweite Solidaritätsbewegung und die Verleihung der sowjetischen Staatsbürgerschaft erzwungenen Freilassung treffen Georgi Dimitroff, Blagoj Popoff und Vasil Taneff auf einem Flugplatz bei Moskau ein.

 

7. März Der Sozialdemokrat Herbert Gläßer aus Struppen wird erneut verhaftet und in die Untersuchungshaftanstalt II beim Oberlandesgericht Dresden, Mathildenstraße, eingeliefert.

 

März Die Kommunisten Adolf Jentzsch, Herbert Marschner und Walter Schmiedel aus Pirna-Zuschendorf nehmen an illegalen Zusammenkünften im „Volkshaus" Tyssa (Tisa) teil. Sie treffen sich dort mit den Genossen Walter Richter (Florian) und Arthur Thiermann. Adolf Jentzsch berichtet über die Zustände im Schutzhaftlager Hohnstein und über den Aufbau einer illegalen Parteiorganisation, gegliedert in Vierergruppen.

 

März/April Erste Vertrauensrätewahlen auf der Grundlage des „Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit". Es beteiligen sich nur etwa 40 Prozent der Wahlberechtigten, von denen in der Mehrzahl der Betriebe lediglich 25 Prozent die Kandidaten der Faschisten wählen.

 

Frühjahr Genosse Emil Schemmel aus Heidenau pachtet in Übereinstimmung mit der illegalen Ortsgruppe der KPD in Dohna auf der Ploschwitzer Höhe ein Flurstück. Es ist für Genossen dieser Parteiorganisation ein Treffpunkt. Sie stellen zu der Dresdner Genossin Olga Körner, die illegal lebt, Verbindung her.

 

26.April Genosse Rudolf Renner, Mitglied der Bezirksleitung der KPD und ehemaliger Chefredakteur des Organs der KPD für Ostsachsen „Arbeiterstimme", wird vom Oberlandesgericht Dresden des Hochverrats beschuldigt und zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

28.             April Den Genossen Anton Jäger und Zeisler gelingt die Flucht aus dem Schutzhaftlager Hohnstein. Im Prager Rundfunk sprechen sie über die grausamen Mißhandlungen der Häftlinge durch die Faschisten in diesem Lager.

 

April Das „Braunbuch Dimitroff contra Göring. Enthüllungen über die wahren Brandstifter" (Braunbuch II) wird in Paris herausgegeben.

30.Juni In Berlin, Breslau (Wrocław), München und anderen Städten sowie am 1. und 2. Juli im Konzentrationslager Lichtenburg werden auf Befehl Adolf Hitlers unter der Leitung von Hermann Göring und Heinrich Himmler im Einvernehmen mit der Reichswehrführung durch die SS mehr als 1 000 SA-Angehörige und Oppositionelle aus bürgerlichen Kreisen erschossen. Dieses Massaker bildet den Abschluß der Konsolidierung der faschistischen Diktatur in Deutschland.

 

3.Juli Dem Kommunisten Willy Liebsch aus Sebnitz, der in den Jahren 1918/19 in der Roten Armee Sowjetrußlands kämpfte, entziehen die Faschisten wegen illegaler politischer Arbeit die deutsche Staatsbürgerschaft und erklären ihn für staatenlos.

 

5. Juli Das Sondergericht für das Land Sachsen, Sitz Freiberg, fällt in Plauen das Urteil im Prozeß gegen „Vater und Genossen". 51 Kommunisten, Sozialdemokraten und Parteilose aus der Amtshauptmannschaft Pirna, davon drei aus Pirna, 20 aus Pirna-Neundorf, vier aus Pirna-Rottwerndorf, einer aus Krebs, einer aus Krietzschwitz, acht aus Langenhennersdorf, 13 aus Struppen und einer aus Wehlen werden wegen Weiterführung der KPD, antifaschistischer Tätigkeit und Verbreitung illegaler Druckschriften verurteilt.

Der Kommunist Alfred Vater, so heißt es in der Urteilsbegründung, „ist überhaupt derjenige, der als Leiter und Organisator über dem Ganzen stand". Das Gericht verurteilt Alfred Vater zu 4 Jahren Zuchthaus und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre.

 

7. Juli Die Kommunisten Konrad Bellmann, Willy Deutscher, Hans Franke, Herbert Frenzel, Robert Gabler, Arthur Göhler, Max Linack, Alfred Meyer, Fritz Richter, Max Schmiedel, Hugo Spinn, Rudolf Spinn, Erich Zimmer und Willy Zimmer aus Pirna, Pirna-Copitz, Pirna-Jessen, Pirna-Zuschendorf, Lohmen und Porschendorf erhalten in der Untersuchungshaftanstalt II beim Oberlandesgericht Dresden, Mathildenstraße, die Anklageschrift. In ihr wird die politische Arbeit dieser Genossen als Hochverrat bezeichnet.

 

9.-10. Juli Gemeinsame Tagung des Präsidiums des EKKI mit der Parteiführung der KPD. Nach gründlicher Analyse der Lage in Deutschland wird beschlossen, alle Kraft auf die Schaffung der Einheitsfront, den Wiederaufbau freier Gewerkschaften und die Nutzung aller legalen Möglichkeiten für die politische Arbeit in den faschistischen Massenorganisationen zu konzentrieren.

 

14. Juli Die Mitglieder der KPD aus Pirna-Copitz Max Gebhardt, Otto Gedlich, Hermann Große, Erich Grützner, Johann Kwasny, Ernst Noack, Viktor Nowicki, Arthur Petters, Alfred Pollak, Alma Rädel, Karl Rädel, Johann Scholz, Erich Sindermann, Otto Trempler, Johannes Wehner und Alfred Wünsche erhalten in der Untersuchungshaftanstalt II beim Oberlandesgericht Dresden, Mathildenstraße, die Anklageschrift, in der sie der Vorbereitung des Hochverrats bezichtigt werden.

 

17. Juli Hauptverhandlung vor der 12. Großen Strafkammer des Landgerichtes Dresden gegen den Mechaniker Martin Lehmann aus Pirna-Neundorf, Mitglied der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB), und gegen Paul Naumann aus Langenhennersdorf, stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Bundes der Opfer des Krieges und der Arbeit. Sie sind wegen der Neubildung von Parteien angeklagt.

 

21. Juli Verhaftung des parteilosen Bauarbeiters Alfred Schäfer aus Langenhennersdorf wegen Verteilung illegaler Druckschriften, die Genossen in der CSR zur Entlarvung des Hitlerfaschismus hergestellt haben, im Gebiet Pirna.

Ende Juli Tagung des ZK der KPD mit Bezirks- und Betriebsfunktionären. Annahme der am 1. August veröffentlichten Resolution „Die Schaffung der Einheitsfront der werktätigen Massen im Kampf gegen die Hitlerdiktatur" (August-Resolution) und des „Briefes an alle Betriebs- und Straßenzellen". Sie sind auf die Durchsetzung der Festlegungen des EKKI vom 9.-10. Juli gerichtet und leiten eine Wende in der Massenpolitik der Partei ein.

 

Sommer Nach ihrer Entlassung aus dem Schutzhaftlager Hohnstein arbeiten die Kommunisten Ernst Knebel und Otto Petters aus Lichtenhain illegal weiter. Auf Anweisung der illegalen KPD-Bezirksleitung Dresden organisieren sie die Schleusung von gefährdeten Genossen und von Kurieren in die CSR, die Genosse Paul Böhme im Gebiet des Großen Winterberges über die Grenze führt.

 

23.              August In Sebnitz werden das Mitglied des KJVD Walter Hermann, die Sozialdemokraten Wilhelm Fischer sowie Hermine, Franz und Rudolf Sallaba und weitere Antifaschisten verhaftet.

 

15.August Die Losung „Heraus mit Thälmann!" steht am Morgen an der Felswand der Rahm-Hanke unterhalb der Bastei in der Sächsischen Schweiz. Die Buchstaben sind 70 bis 80 Zentimeter hoch. Der Schriftsatz nimmt eine Länge von 15 Metern ein. Weithin sichtbar leuchtet die vom ZK der KPD herausgegebene Kampflosung, die von den Dresdner Kommunisten Fritz Demmler und Walter Neugebauer in der Nacht mit weißer Kalkfarbe geschrieben wurde.

 

25. August Auflösung des Schutzhaftlagers Burg Hohnstein. Etwa 5 600 Antifaschisten im Alter von 16 bis 60 Jahren, darunter 109 Frauen, wurden hier ohne richterlichen Entscheid inhaftiert und mißhandelt.

 

August Kommunisten aus Schöna sichern bis Mitte August am Gelobtbach einen illegalen Grenzübergang.

Einen weiteren  illegalen Grenzübergang sichern der emigrierte Kommunist Arno Hering sowie die KPC-Genossen Alfred und Rudolf Storch aus Bünauburg (Bynov) am Großen Zschirnstein. Druckschriften und mündliche Nachrichten werden von Bünauburg (Bynov) über „Böhmisches Tor", Marktweg, „Zirkelstein" zum Genossen Bernhard Geißler nach Reinhardtsdorf oder zur Waldgaststätte „Königsmühle" geleitet. Bernhard Geißler übernimmt das Material und verbirgt es auf den Feldstücken der „Neuen Sorge". Hier wird es von den Kommunisten Walter Biener aus Reinhardtsdorf und Walter Hering aus Schöna übernommen. Es handelt sich um „Die Rote Fahne", „Der Gegenangriff", „Die Baseler Rundschau", „Die Kommunistische Internationale" und die getarnte Broschüre „Helios", die nur mit dem Vergrößerungsglas zu lesen ist.

 

27. September Beginn des Hochverratsprozesses vor dem 3. Ferien-Strafsenat des Oberlandesgerichts Dresden gegen die Kommunisten Ludwig Braunschmidt, Emil Buchmann, Karl Dittrich, Richard Eißrich, Alfred Franke, Alfons Gora, Emil Grahl, Paul Harnisch, Walter Kmoch, Alfred Krumbiegel, Maria Maul, Werner Meier, Gottfried Morche, Kurt Pautzsch, Alfred Riebau, Karl Riegel und Paul Schwarze aus Pirna und Pirna-Copitz.

 

September Reinhardtsdorfer und Schönaer Mitglieder der KPD stellen seit dem Frühjahr 1933 Flugblätter her. Sie werden in Rucksäcken zum Bahnhof Bad Schandau gebracht und dort Antifaschisten zur Weiterleitung übergeben. Die erforderlichen Matrizen besorgt der Genosse Bernhard Geißler aus Reinhardtsdorf. Gemeinsam mit dem Genossen Richard Kretzschmar führt er die Vervielfältigungsarbeiten in der Scheune des Bauern Georg Viehrig in Reinhardtsdorf durch.

 

17.Oktober Hauptverhandlung des 3. Strafsenats des Oberlandesgerichts Dresden gegen die Kommunisten Heinz Aurich aus Dresden, Helmut Fuchs, Georg Haak, Paul Janetz, Adolf Pertig, Margarete und Erich Sturm aus Pirna-Copitz, Heinrich Staudte aus Pirna-Rottwerndorf, Elisabeth Richter, Max Richter, Elsa Schütze und Paul Schütze aus Dohma. Sie sind wegen Fortführung der Arbeit der KPD im Unterbezirk Pirna angeklagt.

 

30.Oktober Genosse Paul Rösel aus Heidenau wird verhaftet.

 

Oktober Genosse Erich Pohling aus Pirna und andere Pirnaer Arbeiter sammeln Kleidung, Lebensmittel und Geld für die Familienangehörigen inhaftierter Genossen.

Der Kommunist Emil Schlegel aus Pirna verbirgt sich vor der Verhaftung durch die Gestapo bei Genossen in der Stadt, bis er beim Genossen Erwin Tränkner in Neuhausen illegal Unterkunft erhält.

Die Pirnaer Antifaschistin Elisabeth Morche emigriert in die CSR und übernimmt das „Volkshaus" in Tyssa (Tisa). Das fördert die illegalen Treffs und Beratungen deutscher und tschechoslowakischer Antifaschisten.

Für Bad Schandau und Umgebung sind die Wohnung des Genossen Johannes Pätzold in Bad Schandau, Hohnsteiner Straße 76, die Autoreparaturwerkstatt in

Rathmannsdorf und ein ausgetrockneter Graben zur Elbe in der Nähe der Elbbrücke Anlaufstellen zur Übernahme illegaler Literatur, die von Johannes Pätzold überwacht werden. Diese Literatur überbringt die Genossin Kegel aus Königstein.

Genosse Alfred Kühnel aus Kleinhennersdorf organisiert die Weitergabe des Braunbuches an Genossen im Gebiet Bad Schandau.

Versuch des Wiederaufbaues der freien Gewerkschaften in den Industriezentren Pirna, Heidenau, Niedersedlitz und Freital sowie in den Textilbetrieben von Ebersbach, Neugersdorf und Zittau.

 

Herbst Der Sozialdemokrat Konrad Gersch aus Warnsdorf (Varnsdorf) arbeitet als Reichskurier der SPD. Er bringt u. a. auch von Niedereinsiedel (Dolni Poustevna) Material über Sebnitz nach Dresden und Berlin, so die Druckschrift „Sozialistische Aktion" und Flugblätter.

Dabei unterstützen ihn die Sozialdemokraten Gretel und Richard Schneider, Hugo Steidl und Franz Witt aus Niedereinsiedel (Dolni Poustevna) sowie Josef Engelmann aus Wölmsdorf (Vilemov).

 

Anfang November Aufruf des ZK der KPD an die christlichen Werktätigen Deutschlands. Die KPD solidarisiert sich mit dem Kampf gegen die Verfolgung von Priestern und Gläubigen durch die Faschisten und fordert, durch die Bildung gemeinsamer Kampfkomitees eine geeinte Volksfront gegen den Faschismus zu schaffen.

 

27. Dezember Abschluß der Voruntersuchungen gegen Ernst Thälmann. Aus Furcht, eine erneute Niederlage wie beim Reichstagsbrandprozeß zu erleiden, zögern die Faschisten den Prozeß hinaus und setzen ihn schließlich ganz ab.

 

Dezember Die Genossen Max Endler, Kurt Frankowski, Franz Hrdlicka, Helmut Richter und Max Schulz organisieren die illegale antifaschistische Arbeit in der Küttner-AG Pirna.

Der Schornstein der Glasfabrik in Dohma wird gesprengt, um Platz für eine neue Siedlung zu schaffen. Erst dadurch gelingt es den Faschisten, die dort am 5. März 1933 von Walter Richter (Florian) angebrachte rote Fahne zu beseitigen.

 

1935

 

Mitte Januar Gemeinsame Beratung des Politsekretariats des EKKI und des Politbüros des ZK der KPD über die Lage und die Politik der deutschen Kommunisten. Die angenommene Resolution enthält Hinweise für die Herstellung der Einheitsfront mit allen sozialdemokratischen Gruppen und Organisationen, für den Wiederaufbau freier Gewerkschaften und für die Organisierung einer breiten antifaschistischen Volksfront.

 

20. Januar Genossin Erna Scholz aus Heidenau, im Februar 1934 schwer erkrankt aus dem Schutzhaftlager Hohnstein entlassen, stirbt an einem in der Haft ausgebrochenen Lungenleiden.

 

23. Januar Der Entwurf zur Entschließung über die Arbeit des Aktionszentrums der KPD in Sachsen schätzt u. a. die Betriebsarbeit ein und orientiert auf deren Verbesserung.

 

30. Januar Tagung des ZK der KPD mit Funktionären der KPD und des KJVD aus allen Teilen des Reiches. Das ZK der KPD beschließt die Resolution „Proletarische Einheitsfront und antifaschistische Volksfront zum Sturz der faschistischen Diktatur".

 

Januar Auf Grund von Hinweisen, daß im Schutzhaftlager Hohnstein Häftlinge zu Tode gefoltert und eingemauert wurden, ist die Staatsanwaltschaft gezwungen, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Es werden Leichen gefunden, darunter zwei, die an Händen und Füßen gefesselt sind und Knebel im Mund haben. Veröffentlichungen über diese Greueltaten erfolgen in der in Prag erscheinenden „Sozialistischen Aktion".

 

9. Februar Das Oberlandesgericht Dresden verurteilt die Genossen Fritz Böthig, Erich Hanisch, Rudolf Hering, Kurt Höhne, Fritz Lehmann, Martha Lehmann, Rudolf Kießig, Hedwig Kießling, Hugo Kießling, Otto Kießling, Kurt Nitzschke und Hans Schöne wegen Weiterführung der Proletarischen Schutz- und Wehrorganisation (RFB) in Struppen.

 

1.                  März Das Geheime Staatspolizeiamt Sachsen erläßt erneut Schutzhaftbefehl gegen Genossen Kurt Krenz aus Pirna-Copitz wegen illegaler Tätigkeit für die KPD und unbefugten Besitzes einer Pistole.

 

6. März Der Vorsitzende der SAP in Heidenau Herbert Glaeser wird verhaftet.

 

7. März Verhaftung des SAP-Mitgliedes Karl Meichsner aus Heidenau.

 

Frühjahr An einem illegalen Treff im Bienhof bei Oelsen nehmen die Kommunisten Johannes Müller aus Leipzig, Max Niklas aus Ehrenfriedersdorf, Walter Richter (Florian) aus Dohma und Arthur Thiermann aus Ebenheit teil.

Unter dem Einfluß des Genossen Walter Knobloch entsteht im Gaswerk Sebnitz eine illegale antifaschistische Widerstandsgruppe. Zu ihr gehören Otto und Willy Böhme sowie Walter Gube.

Genosse Konrad Gersch aus Warnsdorf (Varnsdorf) führt gefährdete Genossen der SPD illegal über die Grenze. Der Übergang erfolgt u. a. bei Sebnitz, die erste Unterkunft in der CSR gewährt die Genossin Gretel Schneider. Konrad Gersch bringt u.a. die „Sozialistische Aktion" aus der CSR nach Deutschland.

 

5.April Verhaftung des Sozialdemokraten Max Kluge aus Heidenau wegen Fortführung der proletarischen Freidenkerorganisation.

 

11.-12. April Vertrauensrätewahlen in den Betrieben. Bei einer Beteiligung von rund 90 Prozent spricht sich ein Viertel der Wahlberechtigten gegen die Kandidaten der Faschisten aus.

In einigen Betrieben Ostsachsens kommt es zu Vereinbarungen über ein gemein­sames Vorgehen von Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern zur Bil­dung von Einheitsfrontkomitees.

 

24.             April Der Kommunist Otto Hempel, Schüler der Leninschule in Moskau, ehemaliger Pol.-Leiter der KPD-Unterbezirksleitung Pirna und Mitglied des Reichstages, stirbt im Krankenhaus Waldheim an den im Zuchthaus erlittenen Mißhandlungen.

 

Ende April Wegen Beteiligung an der illegalen Formierung der KPD im Gebiet der Sächsischen Schweiz verurteilt der 1. Senat des faschistischen Volksgerichtshofes den Genossen Bernhard Geißler aus Reinhardtsdorf zu 6 Jahren Zuchthaus, den Genossen Walter Hering aus Schöna zu 3 Jahren Gefängnis und den Genossen Walter Biener aus Reinhardtsdorf zu 2 Jahren und 6 Monaten Gefängnis. In der Anklageschrift heißt es u.a.: „Die Angeklagten sind mit Emigranten und tschechischen Kommunisten in Verbindung getreten, haben mit ihnen Zusammenkünfte im Ausland veranstaltet und kommunistische Hetzschriften aus der Tschechoslowakei zur Verbreitung in Deutschland eingeführt."

 

1.                 Mai Die Antifaschisten Anna und Paul Pech aus Sebnitz gehen illegal nach Wölmsdorf (Vilemov) und erwarten dort die Maidemonstration aus Nixdorf (Mikulasovice) unter den roten Fahnen der Arbeiterklasse.

 

18.Mai Genosse Konrad Gersch aus Warnsdorf (Varnsdorf), dessen Verbindungen die Gestapo aufdeckt, wird in Dresden verhaftet.

 

Mai Auf dem Wege von Berlin nach Prag trifft sich Kurt Hager, Oberberater des KJVD für Berlin, Sachsen-Anhalt und Norddeutschland, mit den Kommunisten Johannes Müller, Walter Richter (Florian) und Arthur Thiermann in Langenhennersdorf. Beim Marsch zur Grenze erfolgt ein Schußwechsel mit einer SS-Streife. Kurt Hager wird am linken Fuß getroffen. Zwei Genossen bringen ihn in die CSR.

 

25.             Juli Die Kommunisten Johannes Müller, Max Niklas, Walter Richter (Florian) und Arthur Thiermann wollen an der Schneise 31 bei Altenberg aus der CSR mitgebrachtes Material an Kuriere der Dresdner Parteiorganisation der KPD übergeben. Mit Hilfe des Verräters Gerhard Berthold stellt ihnen die Gestapo eine Falle. Max Niklas, Walter Richter und Arthur Thiermann werden bei einem Feuerwechsel erschossen. Nur Johannes Müller kann sich auf Umwegen über die Grenze retten.

 

15. Juli Genossen der KPD und der KPC führen eine Kundgebung zu Ehren der am 4. Juli 1935 ermordeten Genossen Max Niklas, Walter Richter (Florian) und Arthur Thiermann im „Volkshaus" in Eulau (Jilove) durch.

Die „Rote Fahne" verbreitet die Wahrheit über die Ereignisse an der Schneise 31 bei Altenberg und entlarvt den Verräter Gerhard Berthold.

Die Kommunisten Arno Hering und Johannes Müller lassen vom KPC-Mitglied Hel­mut Schubert Fotos von den ermordeten Genossen anfertigen und vertreisen sie mit Hilfe tschechischer Genossen. Der Erlös dient der illegalen Arbeit.

 

25. Juli-20. August VII. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale in Moskau. Der Kongreß bereichert in wichtigen Grundfragen die Theorie des Marxismus-Leninismus und leitet eine tiefgehende Wende in der Entwicklung der kommunistischen Weltbewegung ein.

Die Beschlüsse des VII. Weltkongresses sind für die KPD eine wertvolle Hilfe bei der Ausarbeitung ihrer Strategie und Taktik zum Sturz des deutschen Faschismus und für ein antifaschistisch-demokratisches Deutschland.

 

Sommer Die Kommunisten Hugo Knobloch aus Sebnitz, Walter Zirnstein aus Ulbersdorf und andere Antifaschisten aus dem Sebnitzer Gebiet wirken als Bergsteiger für die illegale Arbeit. Sie treffen sich u.a. im Grenzgebiet der CSR in Hinterdittersbach (Zadni Jetrichovice) im Gasthaus „Zum grünen Baum".

 

9.                 September Der Sozialdemokrat Arthur Feustel aus Heidenau wird wegen Kuriertätigkeit für die SPD nach der CSR verhaftet.

 

15.             September Der Reichstag, der während des Parteitages der NSDAP in Nürnberg zusammentritt, verabschiedet die sogenannten Nürnberger Gesetze. Sie bilden die „juristische Grundlage" für die Diskriminierung, Unterdrückung, Terrorisierung und schließliche Ermordung von Millionen Juden und anderen rassisch Verfolgten.

 

16.-18. September Die Kommunisten und Parteilosen Alfred Fritzsche aus Klein­zschachwitz, Paul Fritzsche aus Mittelndorf, Alfred Häntschel und Emil Richter aus Lichtenhain sowie Paul Pech aus Sebnitz werden wegen Weiterführung der Arbeit der KPD, illegaler Grenzarbeit und Verbreitung illegaler Literatur von der Gestapo verhaftet.

 

24.             September Der Sozialdemokrat Albert Barthel aus Pirna-Copitz, Stadtverordneter von Pirna und Vorsitzender der Ortsgruppe Pirna des proletarischen Freidenkerverbandes, wird erneut wegen illegaler Tätigkeit für den Freidenkerverband und Verteilung illegaler Druckschriften verhaftet.

 

3.-15. Oktober In Kunzewo bei Moskau tagt die Parteikonferenz der KPD, die als 13. Parteitag der KPD gezählt wird. Sie trägt die Tarnbezeichnung „Brüsseler Konferenz".

Gestützt auf die Beschlüsse des VII. Weltkongresses der Kl und auf die eigenen Erfahrungen des antifaschistischen Kampfes in Deutschland, weist die Parteikonferenz den Weg zum Sturz des Hitlerfaschismus und zur Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung.

Die Konferenz beschließt die Resolution „Der neue Weg zum gemeinsamen Kampf aller Werktätigen für den Sturz der Hitlerdiktatur" und das „Manifest der Brüsseler Konferenz der Kommunistischen Partei Deutschlands an das werktätige deutsche Volk".

Die Parteikonferenz wählt einstimmig das ZK der KPD und Wilhelm Pieck für die Zeit der Verhaftung Ernst Thälmanns zum Vorsitzenden des ZK.

 

26.             Oktober Das Sondergericht für das Land Sachsen, Sitz Freiberg, verurteilt die Genossen Erich Geißler aus Prossen, Walter Geißler aus Reinhardtsdorf, Albert Kanitz, Paul und Richard Kunze und Otto Löser aus Schöna sowie Richard Weinhold aus Reinhardtsdorf wegen Weiterführung der Arbeit der KPD und die Genossen Wilhelm Fischer und Erhard Kirbach aus Postelwitz wegen Zuwiderhandlung gegen das Verbot kommunistischer Druckschriften.

 

Oktober In einem Flugblatt illegal arbeitender Kommunisten und Sozialdemokraten an die Werktätigen Sachsens heißt es: „Trotz des blutigen Terrors der Gestapo, der .Erschießung auf der Flucht', der ungezählten .Selbstmorde' und Hunderter Todesurteile lebt die Idee des Sozialismus und wird der Gedanke der Solidarität stärker und stärker."

 

Dezember Der Moskauer Rundfunk sendet in deutscher Sprache Informationen über den VII. Weltkongreß der Kl als Anleitung für die illegal arbeitenden Kommunisten.

 

Ende 1935 Zur Verbesserung der politischen Führungsarbeit des ZK der KPD wird in den Grenzgebieten ein System von Abschnittsleitungen der Partei geschaffen. Für die Anleitung des Gebietes Ostsachsen sind die Grenzabschnitte Teplitz-Schönau (Teplice) und Reichenberg (Liberec) mit Hans Dankner (Deckname Karl), Arno Lispel und Reinhold Mätzig verantwortlich.

In Prag, Teplitz-Schönau (Teplice), Bodenbach (Podmokly) und Tyssa (Tisa) finden Beratungen mit Vertretern der Abschnittsleitungen des ZK der KPD statt, auf denen, ausgehend von den Beschlüssen der Brüsseler Konferenz, die Wirksamkeit der illegalen Arbeit im KPD-Bezirk Dresden beraten wird.

Leiter des Grenzunterabschnittes Niedereinsiedel (Dolni Poustevna) ist Genosse Camillo Hölzel (Deckname Hans). In Sebnitz geboren, war er zuletzt Arbeitsgebietsleiter der KPD im Unterbezirk Bautzen.

 

1936

 

10.            Januar Erneute Verhaftung der Kommunisten Walter Novy und Otto Reuter aus Königstein. Sie werden in das Polizeipräsidium Dresden überführt.